Karoline Wacker pfeift das DFB-Pokalfinale der Frauen  (Foto: IMAGO, Imago)

Fußball | Schiedsrichter

Karoline Wacker: Vom Schwäbischen Wald ins große DFB-Pokalfinale

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Kersten Eichhorn

FIFA-Schiedsrichterin Karoline Wacker von den Sportfreunden Großerlach bei Stuttgart pfeift am Samstag das DFB-Pokal-Finale der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und Turbine Potsdam. Es ist der vorläufige Karriere-Höhepunkt für die 31-Jährige.

Karoline Wacker kann sich noch ganz genau an die Anfänge erinnern: "Ich war sehr aufgeregt, nervös, wusste nicht, was da auf mich zukommt", beschreibt die heutige FIFA-Schiedsrichterin im Gespräch mit SWR Sport das Gefühlsleben vor ihrem ersten Spiel überhaupt als Unparteiische. "Es war ein Mädchenspiel im Nachbarort", und sie war gerade mal 14 Jahre alt. Ihre Mutter, damals Jugendleiterin beim VfR Murrhardt im Schwäbischen Wald, hatte sie wegen des Schiedsrichter-Mangels im Verein zum Grundlehrgang angemeldet. Es war der Beginn einer großen Karriere als Unparteiische.

Eine der besten Schiedsrichterinnen Deutschlands

Jetzt, mit 31, ist Karoline Wacker eine der besten Schiedsrichterinnen Deutschlands. 72 Spiele in der Frauen-Bundesliga stehen aktuell bereits zu Buche, dazu unzählige Partien in anderen Ligen. Von der Aufgeregtheit der ersten Einsätze als junges Mädchen ist nichts mehr zu spüren. "Ich habe soviel Erfahrung", sagt Karoline Wacker gelassen, "mit jeder einzelnen Spielleitung habe ich mich weiterentwickelt, kann dadurch wirklich auf gute Erfahrung zurückgreifen, ich lasse mich nicht nervös machen."

Wacker "freut sich wahnsinnig" aufs Finale

Auch nicht vor ihrem vorläufigen Karriere-Höhepunkt am Samstag, dem DFB-Pokalfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und Turbine Potsdam, das sie pfeifen darf. "Noch bin ich ganz entspannt", sagt die Schiedsrichterin, die inzwischen für die Sportfreunde Großerlach als Unparteiische geführt ist, während sie zeitgleich zum Interview ihre letzten Sachen für die Fahrt nach Köln packt, "aber ich freue mich wahnsinnig. Ein Pokalfinale bekommt man in der Regel nur ein Mal in der Karriere". Die große Kölner Arena, die vielen Tausend Zuschauer, natürlich ist das für Karoline Wacker aber auch ein Spiel der besonderen Art: "Ich sehe das positiv, das ist für mich eher motivierend."

Bei den Männern pfeift Wacker Regionalliga.

17 Jahre sind seit ihrem ersten Einsatz als Schiedsrichterin vergangen. In dieser Zeit hat sich Karoline Wacker kontinuierlich nach oben gearbeitet, sich enorme Anerkennung in der Szene verschafft, zahlreiche Lehrgänge, Trainingseinheiten Spielleitungen absolviert. 2012 pfiff sie erstmals in der 2. Bundesliga der Frauen, zwei Jahre später in der Bundesliga. Seit vier Jahren ist sie als FIFA-Schiedsrichterin auch international unterwegs, im Januar wurde sie von der UEFA sogar zur Schiedsrichterin der 1. Kategorie befördert.

Karoline Wacker 2014 in ihrer ersten Bundesliga-Saison (Foto: IMAGO, Imago)
Karoline Wacker 2014 in ihrer ersten Bundesliga-Saison Imago

Und sie zeigt auf dem Rasen nicht nur den Frauen, wo`s langgeht: Bei den Männern pfeift die 31-Jährige bis zur Regionalliga. 2019 beispielsweise leitete sie das entscheidende Spiel des SV Waldhof zum Drittliga-Aufstieg gegen Wormatia Worms vor 14.000 Fans ohne Fehl und Tadel.

Tägliches Training für alle Anforderungen

Um mit dem enormen Tempo und der Entscheidungsdichte im hochklassigen Fußball mithalten zu können, ist fast tägliches Training angesagt: "Schnelligkeit, Grundlagenausdauer, Bergsprints, Krafttraining", zählt Karoline Wacker das ganze Spektrum einer Spitzen-Athletin auf. Die Schiedsrichterei ist sehr zeitintensiv, sozusagen der "Zweitberuf". Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Beamtin des Finanzamtes in Ludwigsburg: "Mit gutem Zeitmanagement und guter Planung passt das, ich kenne das seit vielen Jahren auch nicht anders."

Ziel Bundesliga bei den Männern?

Es ist ein beeindruckender Weg, vom Mädchenspiel im Schwäbischen Wald ins große DFB-Pokalfinale der Frauen. Karoline Wacker hat gezeigt: Nichts ist unmöglich. Und als letztes große Ziel einer Schiedsrichterin noch die Bundesliga bei den Männern pfeifen dürfen, wie einst Bibiana Steinhaus? "Nein", sagt sie spontan, "das bin ich nicht, dass ich mir solche Ziele setzen würde, an denen man dann immer gemessen wird."

Sagt`s und steigt ins Auto. Auf zum großen Finale nach Köln.

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