Einige Frauen stehen in einer Reihe bei einem Fußballspiel und feuern lachend ihre Mannschaft an. Dabei tragen sie unter anderem Fanschals.  (Foto: SWR)

Ausstellung "Fan.Tastic Females" auf dem Betzenberg

"Frauen wollen Fußball gucken und keine Rosen bekommen!"

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Frauen und Fußball passen für viele auch im 21. Jahrhundert noch immer nicht zusammen. Dabei haben sich Frauen schon lange ihren Platz in der Männderdomäne verdient - auch wenn sie an vielen Stellen noch immer hart dafür kämpfen müssen. Das zeigt auch die Ausstellung "Fan.Tastic Females", die gerade im Fritz-Walter-Stadion zu sehen ist.

Was heute selbstverständlich ist, war früher undenkbar: Erst 1970 konnte sich Frauenfußball in Deutschland etablieren. In den Jahren zuvor drohte der DFB seinen Mitgliedsvereinen sogar eine Strafe an, wenn sie Frauenmannschaften zuließen.

Der 1. FC Kaiserslautern zählte seinerzeit zu den Pionieren im Frauenfußball. Als erster Bundesliga-Verein gründete der FCK 1970 eine eigene Frauenfußball-Abteilung. Vom ersten Training an, zu dem die Roten Teufel per Anzeige in der Zeitung eingeladen hatten, war Petra Blandfort mit dabei. "Wir haben uns gefreut, dass endlich auch für uns der Ball rollen durfte. Der Name FCK hat unheimlich gezogen. Es war einfach eine schöne Zeit", schwärmt sie noch heute.

Fan.Tastic Females (Foto: SWR)
Spielerin Svenja Mühlenbrock, Antje Hagel vom Fanprojekt Offenbach, FCK-Fan Sabrina und Hans Walter vom FCK-Museum (v.l.n.r) auf dem Podium bei der Diskussionsrunde auf dem Betzenberg.

Frauenfußball war anfangs nicht sehr professionell

"Man ist von manchen belächelt worden, aber es war einfach der Aufbruch in eine andere Zeit, weil die Frauen sich mehr getraut haben", erzählt Petra Blandfort. Von den professionellen Strukturen des heutigen Frauenfußballs waren die Frauen damals allerdings weit entfernt: "Wir sind viel auf Dörfer gereist und es gab eigentlich immer nur Freundschaftsspiele und Turniere. Erst später gab es auch Punktspiele." Um Trikots und Schuhe habe man sich damals selbst kümmern müssen, berichtete Petra Blandfort bei einer Diskussionsrunde zum Thema Frauen und Fußball am Montag auf dem Betzenberg.

Doch auch vor 1970 ließen sich Frauen nicht davon abhalten, selbst im Fußball aktiv zu werden - sowohl als Spielerinnen, als auch als Fans im Stadion. Genau das zeigt die Wanderausstellung "Fan.Tastic Females", die noch bis zum 10. September im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern zu sehen ist.

Frauen in der Fußball-Fankultur

Die Ausstellung ist ein Projekt von Fans für Fans. Die Kernaussage: Fußball und Fankultur sind nicht nur Männersache. Genau das wird auch ziemlich schnell deutlich, wenn man sich die vielen spannenden Geschichten von "Fan.Tastic Females" anschaut.

Auf mehreren Roll-Ups präsntiert sich die Ausstellung "Fan.Tastic Females" im Fritz-Walter-Stadion. (Foto: SWR)
Die Wanderausstellung "Fan.Tastic Females" ist in der Walter-Elf-Lounge auf dem Betzenberg zu sehen.

Zum einen geht es um die Historie und die Entwicklung des Frauenfußballs. Es geht um die vielen Steine, die Frauen in den Weg gelegt wurden, wenn sie selbst gerne Fußball spielen wollten. Als die Nationalsozialisten in Deutschland an der Macht waren, galt Frauenfußball zum Beispiel als unerwünscht, da er nicht in das Rollenbild der Nazis von Müttern passte.

Vor allem geht es in der Ausstellung aber darum, dass Frauen auch von Beginn an als Fans in den Stadien dabei waren - wenn auch oft nicht sichtbar und vielerorts schon gar nicht erwünscht.

Einige Frauen stehen in einer Reihe bei einem Fußballspiel und feuern lachend ihre Mannschaft an. Dabei tragen sie unter anderem Fanschals.  (Foto: SWR)
Frauen waren schon immer Teil der Fankultur in den Stadien. So wie hier bei einem Spiel in England 1950.

Doch auch wenn sie es oft schwerer haben als Männer, zeigt "Fan.Tastic Females", dass sie einen großen und wichtigen Teil zur Fankultur ihrer Vereine beitragen. In unzähligen kurzen Videos erzählen Frauen aus ganz Europa ihre persönliche Fangeschichte. Dabei sind zum Beispiel junge weibliche Ultras aus Deutschland oder auch Frauen, die in Israel ihre Mannschaften bedingungslos anfeuern.

Deutlich weniger Frauen als Männer in Fußballstadien

Frauen sind auch heute in den Stadien weiterhin deutlich in der Unterzahl. Es gibt zwar kaum verlässliche Angaben darüber, wie viele Frauen tatsächlich regelmäßig Fußballspiele besuchen. Doch die Initiatoren von "Fan.Tastic Females" gehen davon aus, dass in Europa im Schnitt etwa 20 Prozent der Zuschauer bei den Spielen der ersten Ligen Frauen sind. In Deutschland sollen es demnach etwa 25 Prozent sein.

Alle Menschen sollten sich im Stadion wohlfühlen

Dass diese Zahl deutlich steigt, ist einer der Wünsche von Antje Hagel. Sie arbeitet beim Fanprojekt Offenbach, ist unter anderem Mitbegründerin von "F_in - Netzwerk Frauen im Fußball" und war am Montag bei der Diskussionsrunde zum Thema Frauen und Fußball auf dem Betzenberg dabei: "Ich finde, es sollte ein Ziel sein, dass jeder Mensch, der möchte, zum Fußball gehen kann und die Aufenthaltsbedingungen für alle angenehm sind." Das gelte selbstverständlich nicht nur für Frauen sondern auch für alle anderen, fange bei den Toiletten an, gehe zum Beispiel weiter bei Möglichkeiten für Menschen mit Handycap, ein Spiel zu besuchen. "Da haben eigentlich alle Vereine noch Luft nach oben", findet Antje Hagel.

"Mein Wunsch wäre, dass sich alle Frauen eingeladen und willkommen fühlen und zwar als Fußballfans und nicht als Frauen. Frauen wollen Fußball gucken und keine Rosen bekommen. Frauen wollen Bier trinken und laut sein. Frauen wollen einfach das sein, was Fußball ausmacht, nämlich Fußballfans."

Sexismus ist im Fußball nach wie vor ein großes Problem

Sexismus und Diskriminierung im Fußball gehört für viele Frauen zum Alltag. Das führt laut Antje Hagel sogar dazu, dass Frauen sich teilweise vor dem Besuch eines Stadions genau überlegen, was sie anziehen. Und auch die Frauen, die selbst kicken, müssen sich immer wieder dumme Sprüche anhören, berichtete Svenja Mühlenbrock bei der Diskussionsrunde im Fritz-Walter-Stadion.

Sie spielt seit Jahrzehnten selbst Fußball und ist bei dem noch sehr jungen 1. FFC Kaiserslautern aktiv, dem ersten reinen Frauenfußballklub in der Region Kaiserslautern. "Es kommt vor, dass Männer mit dem Auto bei unserem Training vorbeifahren, hupen, das Fenster runterlassen und 'Frauenfußball, geil, dicke Titten' rufen", so Svenja Mühlenbrock.

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