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Zwei zwölfjährige Mädchen haben sich in den vergangenen Monaten durch eine Petition für die Gründung einer Frauen- und Mädchenfußballabteilung beim VfB Stuttgart stark gemacht. Die Petition hat inzwischen Präsident Claus Vogt erreicht.

1868. Viel hat wirklich nicht gefehlt zur "1893", dem Gründungsjahr des VfB Stuttgart. Die Rede ist von Unterschriften für die Frauenfußball-Petition der beiden zwölfjährigen Mädchen Marie Lesch und Martha Beckmann. Im Januar hatten die beiden Fußballerinnen, die für die SG Stuttgart West kicken, die Petition gestartet.

"Frauenfußball beim VfB - jetzt wird es Zeit!!!", so die unmissverständliche Botschaft an den Verein, der zwar aktuell eine ziemlich erfolgreiche Männermannschaft in der Bundesliga vorzuweisen hat, bei dem man seit dem Gründungsjahr 1893 aber vergeblich eine Frauen-Abteilung in der Vereinschronik sucht.

Präsident Claus Vogt: "Grundsätzlich kein Selbstläufer"

Zwar wussten Marie und Martha, dass der VfB das Thema schon auf der Agenda hatte, aber etwas Rückenwind für die Unterstützer innerhalb des Vereins konnte ja nicht schaden. Mit der Übergabe der Petition an VfB-Präsident Claus Vogt haben die beiden dem schwäbischen (Männer)-Bundesligisten sozusagen den Ball zugespielt. Vielleicht ja der letzte Pass Richtung Frauenfußball-Abteilung.

"Ich fände es natürlich richtig cool, wenn wir beim VfB spielen könnten. Ich glaube jeder, der Fußball spielt, würde gerne bei seinem Lieblingsverein spielen."

Mit der Gründung einer solchen Abteilung setzt sich der Klub nicht erst seit der Petition auseinander - auch wenn der Entstehungsprozess alles andere als einfach ist. "Grundsätzlich ist das natürlich kein Selbstläufer, aber wir haben eine tolle Arbeitsgruppe und ein super Konzept mit fast 100 Seiten entwickelt, alle Seiten beleuchtet", beschreibt Claus Vogt, wie es beim VfB in Sachen Frauenfußball vorangeht.

Gleichzeitig sei der Zeitpunkt, eine Frauenfußball-Abteilung aus dem Boden zu heben, zurzeit nicht optimal. "Wir haben immer noch Probleme mit den Platzverhältnissen, die Corona-Situation kam dazu, die finanzielle Situation." Und dennoch wollte der VfB "ein klares Zeichen setzen für Stuttgart, für den Verein, für die Region und dort auch Verantwortung übernehmen zum Thema Vielfalt und Frauen- und Mädchenfußball", so Vogt weiter.

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Andere Vereine sind dem VfB voraus

Wo der VfB noch nach Lösungen sucht, gibt es sie an anderen Orten in Baden-Württemberg bereits seit langer Zeit: Mit dem SC Freiburg, der TSG Hoffenheim und selbst dem kleinen SC Sand in der Ortenau spielen gleich drei Vereine in der Frauen-Bundesliga. Frauen- und Mädchenmannschaften gehören dort zum festen Stamm.

In Stuttgart sind nach Angaben der Stadt 11 Vereine mit 15 Frauen-Mannschaften und 12 Vereine mit insgesamt 39 Mädchen-Mannschaften registriert. Nur der Hauptstadtverein, der VfB Stuttgart, hebt sich (noch) ab. Doch der Weg Richtung gesellschaftliche Verantwortung, Vorbildfunktion und Gleichberechtigung schreitet voran.

Zur Saison 2022/2023 Frauen- und Mädchenfußball beim VfB?

Auch für offene Punkte wie Ligazugehörigkeit, Kooperationen, regionale Partner und Nachwuchsförderung hatte der VfB kürzlich Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach Stuttgart eingeladen. Laut Präsident Vogt sei man generell in "guten Gesprächen", in naher Zukunft wisse man mehr. Zur Saison 2022/2023 könnte man beim VfB vielleicht schon Frauen- und Mädchenmannschaften spielen sehen.

Vogt ist überzeugt, dass der VfB bei der Gründung einer Frauen- und Mädchenabteilung kaum Überzeugungsarbeit leisten müsste, um junge Mädchen oder auch Frauen in den Verein zu holen.

Aus blau mach weiß-rot

Für die beiden Jungtalente Marie und Martha hat sich die Petition schon vor der Gründung einer Frauenabteilung gelohnt: Neben dem rund 100-seitigen Konzept zum Frauenfußball haben sie auch ein VfB-Trikot bekommen.

Ihre blauen Trikots der SG Stuttgart West haben sie für die Übergabe schon mal in weiß-rote VfB-Trikots getauscht. Und vielleicht sind die beiden ja auch bald die ersten Mitgliederinnen der Mädchenabteilung des VfB Stuttgart.

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