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Hoffenheims Bundesliga-Spielerin Michaela Specht tanzt auf mehreren Hochzeiten: Fußball, Fernstudium und Arbeit als Werkstudentin. Dieser Kraftakt gelingt ihr nur, weil sie alles aus Leidenschaft macht.

Konzentriert sitzt Michaela Specht über ihren Büchern in ihrer Einzimmerwohnung in Sankt Leon-Rot bei Heidelberg. Die 24-Jährige studiert Wirtschaftspsychologie im Fernstudium. Ein Uni-Studium mit Präsenzveranstaltungen wäre für sie zeitlich kaum zu stemmen, zumal sie auch noch etwa 15 Stunden in der Woche als Werkstudentin arbeitet, um Praxiserfahrung zu sammeln.

Berufseinstieg bei Karriereende

"Wir sind uns bewusst, dass wir nicht wie im Männerfußball die Millionen verdienen", sagt die Oberpfälzerin. Also sei Weitsicht gefragt, für die Zeit, in der der Körper nicht mehr mitspielt. Wenn sie ihre Fußballkarriere beendet, möchte sie "nahtlos ins Berufsleben einsteigen".

"Wir sind normale Arbeitnehmer"

Fast alle Hoffenheimerinnen studieren nebenbei oder sammeln mit Teilzeitjobs Berufserfahrung. Die weiblichen Bundesliga-Akteure verdienen durchschnittlich zwischen zwei- und viertausend Euro brutto monatlich.

"Auch wenn es jetzt nicht die Millionen sind, kann ich aktuell ein sehr gutes Leben führen."

Michaela Specht weiß das zu schätzen: "Im Frauenfußball können wir mit unserem Hobby Geld verdienen - auch wenn es jetzt nicht die Millionen sind. Aber ich kann aktuell ein sehr gutes Leben führen."

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Meinungsstark und "nervig"

Die Abwehrspielerin ist meinungsstark und tritt in ihrem Team selbstbewusst auf. Das weiß auch ihr Trainer Gabor Gallai. "Manchmal nervig" sei sie, platzt es spontan aus ihm heraus, als er auf Specht angesprochen wird. Sie lasse nicht locker, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt habe. Das könne zwar manchmal nerven, "aber es ist auch wichtig, solche Typen zu haben, die nicht klein beigeben."

Die TSG Hoffenheim steht in der kommenden Saison vor großen Aufgaben. Neben der Bundesliga (Saisonstart Ende August gegen den SC Freiburg) hat sich das Team erstmals für die Champions League qualifiziert und trifft in der ersten Qualifikationsrunde am 18. August auf Islands Vizemeister Valur Reykjavik. Specht freut sich auf dieses internationale Duell, hat aber auch Respekt vor der Körperlichkeit und Robustheit, die sie von dem Team aus Island erwartet.

Fußball als Leidenschaft

Je weiter die Hoffenheimerinnen in der Champions League kommen, desto mehr Spiele stehen logischerweise an. Aber ganz gleich, wie anstrengend die kommende Saison mit Studium, Training, Bundesligaspielen, DFB-Pokalspielen und vielleicht ja sogar Champions League auch wird - Michaela Specht freut sich drauf. Denn Fußball ist ihre Leidenschaft. Ganz unabhängig vom Gehalt.

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