Die deutsche Nationalspielerin Giulia Gwinn bei der EM in England. (Foto: IMAGO, IMAGO / PA Images)

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"Mehr Sichtbarkeit" für Fußballerinnen: Giulia Gwinn will EM-Euphorie erhalten

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Nationalspielerin Giulia Gwinn ist eines der Gesichter des deutschen Frauenfußballs. Bei SWR Sport sprach sie nun über den Hype während der EM und forderte eine Professionalisierung ihres Sports.

Beim 3:0-Heimerfolg ihrer Bayern gegen Bremen feierte Giulia Gwinn am Sonntagnachmittag eine Premiere: Eine direkt verwandelte Ecke gelang der 23-Jährigen aus Ailingen im Bodenseekreis, die seit 2019 beim FC Bayern spielt, zuvor noch nie. "Wir machen das manchmal im Training, den von der Grundlinie reinzuschlenzen. Da ist mir das schon ein paar Mal gelungen, aber im Wettkampf noch nicht. Von daher macht mich das jetzt schon glücklich", kommentierte Gwinn ihren Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 bei SWR Sport.

Große Stadien für mehr Sichtbarkeit des Frauenfußballs

Bejubelt wurde der von rund 2.500 Zuschauern. Das waren zwar lange nicht so viele Fans wie beim Saisonauftakt vergangene Woche in Frankfurt (23.200), aber dennoch eine verhältnismäßig große Kulisse für ein Frauen-Bundesliga-Spiel. Es scheint also tatsächlich den erhofften Nachhall des EM-Hypes im Sommer zu geben. "Es ist wichtig, dass wir die Euphorie, die wir bei der EM gespürt haben, erhalten", sagte Gwinn gegenüber SWR Sport. "Die bleibt aber nur erhalten, wenn man auch eine Sichtbarkeit schafft, dass man Spiele zeigt und dass auch viele Leute in die Stadien kommen können", so die Nationalspielerin weiter.

Dazu müsse man den Teams die Möglichkeit geben, auch in den großen Stadien zu spielen. Wie beim Eröffnungsspiel der Bayern-Frauen in Frankfurt oder bei der Bundesligapartie zwischen Hoffenheim und Frankfurt am Samstag.

Gwinns Entwicklung in München

Bevor Gwinn 2019 zum FC Bayern wechselte, spielte sie vier Jahre beim SC Freiburg. Dort feierte sie mit 16 Jahren ihr Erstliga-Debüt und entwickelte sich zur Leistungsträgerin. Mit ihrem Wechsel nach München erfüllte sich die Schwäbin dann einen Traum. Nicht nur, weil Gwinn seit jeher Bayern-Fan ist, sondern weil sie dort auch den nächsten Entwicklungsschritt machen konnte. "Das sind ganz andere Rahmenbedinungen, einem wird viel mehr ermöglicht, was auch drumherum passiert", sagte Gewinn. "Dass man Essen bekommt, dass man sich darum nicht mehr kümmern muss und das ist für jede Spielerin dann schon nochmal so ein Luxuspaket, um sich optimal zu entwickeln."

Und obwohl Gwinn auch die enorme Weiterentwicklung des Freiburger Teams lobte, gebe es einfach immer noch riesige Unterschiede innerhalb der Frauen-Bundesliga. Dazu zählt, dass die meisten Spielerinnen nebenher arbeiten müssen. Nur die wenigsten könnten von dem Geld, das sie als Fußballerinnen verdienen, leben.

Gwinn fordert professionelle Rahmenbedinungen im Frauenfußball

Statt gleicher Bezahlung wie ihre männliche Kollegen forderte Gwinn in erster Linie bessere Bedingungen. "Uns ist primär wichtig, dass wir Infrastrukturen in den Vereinen vorfinden. Jeder Verein soll die Möglichkeit haben, seinen Spielerinnen ein professionelles Niveau zu bieten". Dazu zählen für Gwinn etwa eine eigene Kabine für die Frauen-Teams und anständige Trainingsplätze.

Um das in Zukunft zu ermöglichen, wollen Gwinn und ihre Kolleginnen weiter "Werbung" mit ihrem Fußball machen, "um dann irgendwann eine Anpassung der Gehälter oder Prämien zu bekommen."

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