Collage dreier Spielerinnen vom SC Freiburg, dem SC Sand und der TSG 1899 Hoffenheim (Foto: Imago, IMAGO / Eibner IMAGO / foto2press IMAGO / Sports Press Photo)

Fußball | Frauen-Bundesliga

Start der Frauen-Bundesliga: Die Südwest-Clubs im Check

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Die Saison 2021/22 ist gestartet. Mit dabei: die TSG Hoffenheim, der SC Freiburg und der SC Sand. Was hat sich geändert und wo werden die Vereine am Ende landen? Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

TSG 1899 Hoffenheim: Aus einem Team für das Tabellen-Mittelfeld der Frauen-Bundesliga hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine Mannschaft für die obere Tabellen-Region entwickelt. Nach der Saison 2019/2020 landete das Team in der vergangenen Spielzeit das zweite Mal in Folge auf Platz drei. Dabei ließ der Start anderes vermuten: Nach drei Spielen hatte die TSG lediglich einen einzigen Punkt auf dem Konto. Gabor Gallai, der vor der Saison vom Co-Trainer zum Cheftrainer befördert worden war, stellte anschließend taktisch um.

Daraufhin gewannen die Hoffenheimerinnen neun der folgenden zehn Spiele und präsentierten sich bis zum Saisonende stark. Zum Angriff auf das übermächtige Duo FC Bayern München und VfL Wolfsburg reichte es aber nie. Den dritten Platz behauptete die TSG souverän und zog so in die Champions-League-Playoffs ein. Ein weiterer Erfolg: Stürmerin Nicole Billa wurde nicht nur Torschützenkönigin der Frauen-Bundesliga, sondern anschließend auch zur Fußballerin des Jahres gewählt.

SC Freiburg: Mal wieder gab es vor der Saison einen personellen Umbruch beim SC. Der neu zusammengestellten Mannschaft waren die fehlenden Automatismen zu Beginn deutlich anzumerken: In den ersten sechs Spielen holte Freiburg nur einen Sieg. Anschließend festigte sich das Team, vor allem, weil die Mannschaft defensiv besser stand. Zur Rückrunde stellte Trainer Daniel Kraus dann das System um und ließ offensiver spielen.

Daraufhin mussten die Freiburgerinnen mehr Gegentore hinnehmen, erzielten aber auch doppelt so viele Tore wie in der Hinrunde. Zwar machte der neue Spielstil des SC mehr Spaß, die Punkteausbeute blieb aber dieselbe wie in der Hinserie. Am Ende landete der SC - zum dritten Mal nacheinander - auf Platz sieben.

SC Sand: Wer es mit dem SC Sand hält, brauchte in der vergangenen Saison ein ziemlich stabiles Nervenkostüm. Fünf Spieltage vor Saisonende befand sich der Verein mit nur sieben Punkten auf dem vorletzten Platz und in höchster Abstiegsnot. Auch aufgrund der teilweise erschreckenden Leistungen glaubte kaum noch jemand an eine Wende beim SC. Dann aber kehrte Alexander Fischinger als Trainer zurück und Nora Häuptle, die damals einzige weibliche Trainerin der Liga, musste gehen.

In den fünf verbliebenen Spielen gelang es dem Rückkehrer Fischinger, die Mannschaft über sich hinauswachsen zu lassen. Kein einziges Spiel verlor der SC Sand mehr und mit einem 1:0 gegen Bayer 04 Leverkusen am letzten Spieltag sicherten sich die Badenerinnen doch noch den Klassenerhalt. Elf Punkte aus den letzten fünf Spielen - ein beeindruckender Schlussspurt.

Das hat sich zur neuen Saison geändert

TSG 1899 Hoffenheim: Die beiden Nationalspielerinnen Lena Lattwein und Tabea Waßmuth verließen die TSG in Richtung Wolfsburg, Jung-Nationalspielerin Paulina Krumbiegel hat sich kürzlich einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt mindestens ein halbes Jahr aus. Dafür freut sich Trainer Gabor Gallai auf eines der größten deutschen Talente: Die 18-jährige Gia Corley kommt von Bayern München und bringt Champions-League-Erfahrung mit in den Kraichgau.

Noch wichtiger als neue Gesichter bei der TSG ist aber die Tatsache, dass Nicole Billa im Verein bleibt. Die 25-Jährige schoss vergangenes Jahr in 21 Bundesligaspielen 23 Tore und hatte Angebote aus England vorliegen. Zu ihrem Verbleib sagte sie: "Es ist noch nicht vorbei. Ich will den Weg mit dieser Mannschaft weitergehen."

SC Freiburg: In der Sommerpause verließen den SC weniger Spielerinnen als in den Spielzeiten zuvor. Doch der Abgang von Nationalspielerin Sandra Starke, die zum Vize-Meister nach Wolfsburg wechselte, schmerzt. Als Ersatz kam die 18-jährige Riola Xhemaili aus Basel. Statt auf teure Neuverpflichtungen setzt der SC weiterhin auf günstige, entwicklungsfähige Spielerinnen.

Für die Freiburgerinnen sollte es in der kommenden Spielzeit eigentlich vom Möslestadion ins Dreisamstadion gehen. Doch bis zum Einzug der Männer-Mannschaft ins neue Stadion verzögert sich der Umzug.

SC Sand: Aufgrund der kurzen, aber wieder sehr erfolgreichen Zusammenarbeit hätten viele Fans wohl gerne Alexander Fischinger weiterhin als Trainer an der Seitenlinie gesehen. Fischinger hat sich aber aufgrund der Tätigkeit für seine Fußballschule in Gottenheim bei Freiburg gegen ein weiteres Engagement entschieden. Nachfolger wird Matthias Frieböse, der zuletzt bei einem Herren-Verbandsligisten tätig war. Die sportliche Leitung des SC Sand bezeichnet Frieböse als "fußballverrücken und dynamischen Trainer".

Der Kader des SC bleibt im Kern unverändert. Die einzigen Stammspielerinnen, die den Verein verlassen haben, sind Myrthe Moorrees (1. FC Köln) und die serbische Nationalspielerin Dina Blagojevic (Bayer 04 Leverkusen). Die Lücken schließen sollen Victoria Bruce (27), die vom dänischen Meister Fortuna Hjørring kommt, und Dominique Bruinenberg. Die 28-Jährige war zuletzt in den Niederlanden für den PEC Zwolle aktiv und spielte zuvor schon in England beim FC Everton.

Wo landen die Vereine am Ende der Saison?

TSG 1899 Hoffenheim: Seit 2013 wurde entweder der FC Bayern oder der VfL Wolfsburg Meister. Daran dürfte die TSG Hoffenheim auch in der kommenden Saison nichts ändern. In der Liga scheint Platz drei - und damit die Qualifikation für die Champions League - das Limit.

In der diesjährigen Champions-League-Qualifikation hat es die TSG bereits bis ins finale Playoff-Spiel geschafft. Am 31. August und 8. September duellieren sich die Hoffenheimerinnen mit dem schwedischen Rekordmeister FC Rosengård um die Teilnahme an der Königsklasse. Dank der starken Frühform kann die TSG berechtigt darauf hoffen, sich beim eigenen Champions-League-Debüt auch gleich für die neu geschaffene Gruppenphase zu qualifizieren.

SC Freiburg: Der junge Kader ist zusammengeblieben und kann seine Entwicklung fortsetzen. Wichtiger denn je für ein erfolgreiches Abschneiden wird die zentrale Mittelfeldspielerin Janina Minge. Mit über 100 absolvierten Bundesligaspielen gehört sie, trotz ihren 22 Jahren, zu den Erfahrenen im Kader und soll ihre Mitspielerinnen führen.

Der Saisonstart hat es in sich: Nach dem Derby zum Auftakt bei der TSG Hoffenheim (Freitag, 19:15 Uhr) folgen Duelle mit Frankfurt, München und Wolfsburg. "Unser Ziel ist es, weiter oben anzugreifen", sagt Janina Minge. Wenn die junge Mannschaft Rückschläge verarbeitet, Konstanz zeigt und ihr Potenzial in Qualität verwandelt, kann es für mehr als zum vierten Mal Platz sieben reichen.

SC Sand: Die vergangene Saison war für den SC Sand eigentlich ein Ausreißer nach unten. Zwar wird der Verein jedes Jahr genannt, wenn es um mögliche Abstiegskandidaten geht, die Jahre zuvor landete er aber immer im gesicherten Mittelfeld der Liga.

Obwohl sich die Verantwortlichen erneut auf den Abstiegskampf einstellen, könnte die kommende Saison eine entspanntere werden. In der Schlussphase der Spielzeit 2020/2021 hat die Mannschaft gezeigt, zu was sie imstande ist. Nimmt der neue Trainer diese Euphorie mit, sollte der Klassenerhalt des SC nicht bis zum letzten Spieltag dauern.

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