Klara Bühl mit Bruder Konrad (Foto: SWR)

Frauenfußball | Portrait Klara Bühl: Kühe, Eis und Dorffest für den Erfolg

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Es gibt viele Erfolgsrezepte. Bei Nationalspielerin Klara Bühl gehört die Heimat dazu: Münstertal im Schwarzwald. Jetzt wird ihr die Fritz-Walter-Medaille in Gold verliehen.

Es war der 12. Juni dieses Jahres. Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft spielte im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien, als Klara Bühl nach der Halbzeit eingewechselt wurde. Die gerade mal 18-Jährige spielte, als habe sie noch nie etwas anderes getan, als bei Weltmeisterschaften auf dem Platz zu stehen: unbekümmert und unbeeindruckt. "Das war schon immer ihr Spiel. Sie ist ohne sich Gedanken zu machen, auf den Platz. Am besten einfach loslaufen und losspielen", erzählt ihr Jugendtrainer Cyrill Rötteler. Klara Bühl steht grinsend neben ihm und zeigt ein rotes Deutschland-Trikot mit der Nummer 18.

"Das habe ich bei der EM 2016 getragen, als wir U17 Europameister in Weißrussland geworden sind." Damals wie heute, legte sie einfach los. Als Backup geplant, stand sie gegen Titelverteidiger Spanien kurzfristig in der Startelf. "Auch dank der zwei Tore von Klara haben wir damals den Grundstock für den späteren Titelgewinn gelegt", erinnert sich DFB-Trainerin Anouschka Bernhard.

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Fritz-Walter-Medaille in Gold

Drei Jahre nach Weißrussland wird Klara Bühl mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Es ist die höchste Auszeichnung für deutsche Nachwuchsfußballer- und Fußballerinnen. Für Bühls ehemalige U17-DFB-Trainerin Anouschka Bernhard eine absolut gerechtfertigte Wahl: "Klara hat eine Dynamik und den Zug zum Tor.Sie hat Mut und hat dabei eine Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Und diese Freude transportiert sie auf den Platz. Da merkst du, die will einfach Fußball spielen. Die hat soviel Spaß daran", schwärmt Bernhard noch heute.

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Das einfache Erfolgsrezept: Heimat

Erfolg kann so einfache Gründe haben. Bei Klara Bühl ist es die Heimat. Münstertal im Schwarzwald. Etwa 30 Kilometer außerhalb von Freiburg. "An einem freien Tag hier im Garten zu sitzen, die Kühe zu hören, mal mit dem Fahrrad zur Eisdiele fahren - da schalte ich ab". Bühl wohnt noch immer zu Hause. Ändern will sie das nicht und wollte es noch nie. "Klara ist sehr bodenständig, die wollte auch nie ins Internat beim SC Freiburg. Ihr ist Familie wichtig", sagt SC-Managerin Birgit Bauer und fügt hinzu: "Und sie kann richtig geil Fußballspielen". Gelernt hat sie das - na klar - in Münstertal.

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Zusammen mit dem nicht einmal zwei Jahre älteren Bruder Konrad. "Bei uns fand der Spiele-Abend mit Ball statt", erzählt Konrad, der selbst bis zur U19 beim SC Freiburg gespielt hat. Jetzt aber studiert er und ist großer Fan seiner kleinen Schwester: "Technisch war sie schon immer besser. Ich war halt größer und schneller". Auch bei der SpVgg Untermünstertal haben die Geschwister zusammen gespielt. Ob sich Konrad mal geärgert hat, Klara mitgenommen zu haben? "Klar hab ich gemerkt, dass sie mir vielleicht bald den Rang abläuft", sagt er mit einem zwinkernden Auge- Von Neid keine Spur. "Aber es war immer gut, noch eine auf dem Feld zu haben, die gut kicken kann". Großes Lob vom großen Bruder.

Hauptsache normal!

2019 war schon jetzt ein Hammerjahr für Klara Bühl. Sportlich allemal. Ihren ehemaligen Trainer Cyrill Rötteler fasziniert etwas ganz anderes: "Sie könnte ja abheben, aber sie ist ganz normal. Das ist das Schöne bei ihr". Dass das gelingt, ist nicht selbstverständlich: Nach ihrem Debüt in der Frauen-Nationalmannschaft, der ersten WM-Teilnahme, den ersten Länderspiel-Toren für die Frauen und der ersten Teilnahme am DFB-Pokalfinale mit dem SC Freiburg ist es vielleicht die größte Herausforderung, am Boden zu bleiben.

Aber da ist sie wieder, die unbekümmerte, unbeeindruckte Klara Bühl: "Im Enddefekt gehe ich hier auf ein Fest oder gucke ein Fußballspiel an,. Das ist etwas normales. Ich fühle mich hier wohl und bin dann so wie ich bin. Das ist bis heute so geblieben", sagt die 18-Jährige, guckt wie zur Bestätigung zu Bruder Konrad und Ex-Trainer Rötteler hinüber, und lacht wieder ihr glückliches, ganz normales Lachen.

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