Josephine Henning bei Arsenal (Foto: Imago, imago)

Frauenfußball | Hintergrund Josephine Henning - Kunst statt Kicken

Was macht eine Weltklassefußballerin (Nationalspieler, Europameister, Olympiasieger, Champions-League-Gewinner) im Alter von 28 Jahren? Sie hört auf und fängt an zu malen.

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Unvorstellbar? Josephine Henning hat genau das gemacht. Im vergangenen Jahr hat sie bei Arsenal London aufgehört. Vor wenigen Tagen hat sie ein Atelier in ihrer Heimatstadt Trier bezogen und will künftig von ihrer Kunst leben.

Die Kunst des Neuanfangs

So eigenwillig wie das klingt – es passt genau in das Leben der jungen Frau, die als 16-Jährige von Trier nach Saarbrücken ging, um sich (neben der Schule) ganz dem Fußball zu widmen. Mit Erfolg. Sie wurde mit Turbine Potsdam Meister und Champions-League-Siegerin, mit Wolfsburg holte sie das Triple und mit Olympique Lyon schaffte sie – als bisher einzige Fußballerin überhaupt – ihren dritten Champions-League-Titel mit dem dritten Verein.

Das klingt nach Masterplan aber eigentlich hat sich das alles eher nach und nach entwickelt. Voller Vorurteil gegen Franzosen ("Die sind doch alle hochnäsig") hat sie dennoch Paris als ihre erste Auslands-Station ausgewählt. Und wurde von ihren Vorurteilen gründlich kuriert, lernte neue Kulturen.

Den Lebensunterhalt als Künstlerin verdienen

Josephine Henning lernte noch mehr. Als kunstinteressierte Frau entdeckte sie die Museen und Galerien in Paris. Entsprechend hat sie auch in Lyon und London viele Anregungen gefunden. Und irgendwann die Erkenntnis: Fußball gibt mir nicht mehr das, was ich will – jetzt ist es Kunst. Grafik und Design hat sie studiert. Jetzt arbeitet sie in Trier an einem Kinderbuch, an Acryl-Bildern, an Skulpturen. Wobei sie den Fußball nicht verleugnet. Im Gegenteil. Gerade hat sie eine lebensgroße Skulptur geschaffen, die von der FIFA während der WM im Sommer in Frankreich präsentiert werden wird.

Auf diesem Wege wird die Weltklasse-Fußballerin auch als Künstlerin bekannt. Schließlich reicht das Ersparte aus der Fußballkarriere nicht ewig. "Es wäre schön, wenn ich meinen Lebensunterhalt als Künstlerin verdienen könnte", bekennt sie. Wobei eines wichtiger ist: dass sie sich dafür nicht verbiegen muss, sondern konsequent ihr Ding machen kann. So konsequent, wie sie mit 28 Jahren mal eben den Beruf gewechselt hat.

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