Dafina - immer am Ball (Foto: SWR, SWR)

Frauenfußball | Porträt Dafina - Nachwuchshoffnung zwischen zwei Welten

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Dafina Redzepi gilt als eines der hoffnungsvollsten Talente des deutschen Frauenfußballs. Das Besondere: Sie ist Nationalspielerin bei den U15-Juniorinnen - und spielt gleichzeitig bei der U15 der TSG Hoffenheim mit Jungs.

Im Fußball wird in letzter Zeit häufiger der Begriff "polyvalent" verwendet, was so viel bedeutet wie "vielseitig einsetzbar". Genau das trifft auf die 14-jährige Dafina Redzepi zu - allerdings nicht in Bezug auf ihre Position auf dem Rasen. Vielmehr pendelt Dafina zwischen zwei Welten: Beim DFB ist sie inzwischen U15-Nationalspielerin bei den Juniorinnen mit regelmäßigen Länderspielen. Gleichzeitig spielt sie mit der U15 der TSG Hoffenheim in der Regionalliga - nur mit Jungs.

Als DFB-Kapitänin mit 9 Toren in 8 Spielen für die U15

"Bei den Jungs ist es halt immer bisschen härter, weil es Jungs sind. Aber bei den Mädels ist es auch richtig cool und gutes Niveau", sagt die Spielmacherin, die vor allem mit ihrer starken Schusstechnik hervorsticht. Beim DFB zeigt das die Statistik: In acht Länderspielen traf Dafina bisher neunmal, bei ihrem Debüt gegen die Schweiz schnürte sie gar einen Dreierpack.

Als "Highlight" bezeichnet die Heilbronnerin jedes einzelne Länderspiel, die Reisen sind auch immer ein kleines Abenteuer: Ende Oktober beim Testspiel gegen die Schweiz besuchten die DFB-Kickerinnen etwa den "Rheinfall" bei Schaffhausen. "Es wird viel Quatsch gemacht, wir scherzen viel miteinander und lachen sehr viel", sagt Dafinas DFB-Teamkollegin Lilly Reimöller, die bei der TSG Wieseck in Hessen ebenfalls mit Jungs zusammenspielt.

Als "außergewöhnliche Fußballerin" bezeichnet U15-Bundestrainerin Bettina Wiegmann ihre Kapitänin, die sich auch vor der Verantwortung nicht scheue und das Team führe. Auch von der Schusstechnik schwärmt Wiegmann: "Ich hab noch keine U15-Spielerin gesehen, die mit Vollspann die Ecken so zielgenau trifft."

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Technisch macht sie den Jungs noch was vor - athletisch wird es langsam eng

Dafinas Karriere geht auch bei Hoffenheim voran: Als "SWR Sport" sie vor knapp drei Jahren besuchte, war sie noch bei der U13. Jetzt spielt sie bei der U15. Nicht selbstverständlich, denn die Jungs legen im Teenager-Alter quasi Monat für Monat an Robustheit und Athletik zu. "Gerade in der Altersklasse ist es schwierig, sich körperlich durchzusetzen, und mittlerweile wird das Niveau schon auch höher für sie. Also sie muss sich schon wesentlich anpassen, um in engen Räumen Lösungen zu finden - das Athletische dominiert", sagt Wolfgang Heller, U15-Trainer bei der TSG Hoffenheim. Einsätze bekommt Dafina dennoch, wenn auch nicht mehr ganz so viele wie früher.

Und im Team ist Dafina voll akzeptiert: "Am Anfang war es eine Umstellung, aber jetzt hab ich mich daran gewöhnt und ich sehe sie, als wenn sie ein Junge wäre - so kann man auch mit ihr spielen", sagt Mitspieler Sören Acker. "Am Anfang dachte ich: Wie kann die das schaffen? Aber sie ist halt schon sehr stark", sagt der 14-jährige Außenverteidiger.

Bei DFB und TSG ist man sich sicher: Dafina setzt sich durch

Sollte es irgendwann nicht mehr reichen, gibt es bei der TSG Hoffenheim noch weitere Möglichkeiten, in Frauen-Teams zu spielen. Doch sowohl beim DFB als auch bei der TSG ist man sich sicher: Auf Dauer wird sich Dafina durchsetzen. Schließlich ist sie immer noch das einzige Mädchen, das in der U15 eines Bundesligisten mit Jungs zusammenspielt.

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Schule, Shuttle-Service, Training, Spiele - ein getaktetes Leben

Dafinas Leben ist getaktet: Von der Schule in Heilbronn darf sie nachmittags eine Stunde früher gehen, in Neckarsulm wartet dann der Hoffenheimer Shuttle-Service, der sie viermal pro Woche zum Training bringt. Um 21 Uhr ist sie in der Regel zuhause. "Man merkt es schon", sagt Dafina, angesprochen auf die große Belastung. "Manchmal hat man wegen der Schule schon Stress mit nachholen, aber man muss sich da durchbeißen", sagt die 14-Jährige. Wie auf dem Platz eben.

Dafina hat einen Berater und taucht in Werbespots auf

Erlebnisse, Ergebnisse, Erfolg - und der macht auch begehrt: Dafina hat einen Berater, der sie unterstützt und mitterweile auch organisiert hat, dass sie regelmäßig in Werbespots auftaucht. Für einen großen Sportartikel-Hersteller war sie beispielsweise schon in Amsterdam oder Berlin. Bleibt man da auf dem Boden?

"Mit Beratern muss jeder Leben", sagt Wolfgang Heller von Hoffenheim. "Die Berater müssen mit den Eltern gut auskommen und dürfen nicht ihre eigenen Vorstellungen an Spieler oder Spielerin heranbringen, ohne dass es in Absprache mit den Eltern passiert." Und weiter: "Ich glaube die Eltern bleiben da noch der vernünftige Anteil."

Behutsames Aufbauen statt überhöhte Erwartungen

Auch U15-Bundestrainerin Wiegmann betont: "Es gilt, Dafina nicht zu schnell zu weit irgendwo hinzuheben, wo sie dann vielleicht nur tief fallen kann." Stattdessen gehe es darum, das Top-Talent behutsam aufzubauen, damit "sie dann irgendwann da oben ankommt und als Leistungsträgerin bei den Frauen auftaucht."

Vielleicht wird Dafina Redzepi ein DFB-Star von morgen. Aktuell lässt sie es aber noch auf beiden Seiten krachen: bei den Mädels und bei den Jungs.

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