Zehn Männer stehen in der Frauen-Bundesliga an der Seitenlinie (Foto: SWR)

Frauenfußball | Bundesliga Frauen-Bundesliga - Männerdomäne an der Seitenlinie

Die Frauen-Bundesliga ist männerdominiert - zumindest an der Seitenlinie. Von zwölf Klubs haben nur zwei weibliche Trainer - auch der SC Freiburg. Eine Suche nach den Gründen.

Ein Mann geht, ein Mann kommt: in der Frauen-Bundesliga ist das nichts Ungewöhnliches. So wird es auch im Sommer wieder sein, wenn Jens Scheuer, im vierten Jahr Trainer von Freiburgs Fußball-Frauen, zum deutschen Vize-Meister Bayern München wechselt. Sein Nachfolger ist ebenfalls männlich: von der Sportgemeinschaft Essen kommt Daniel Kraus in den Breisgau. Frauenfußball als Männerkarussell. Doch woran liegt es?

Bei Freiburg auch eine Qualitätsfrage

"Es kommt auf die Qualität und nicht auf das Geschlecht an", sagt Birgit Bauer, seit 29 Jahren Abteilungsleiterin Frauen- und Mädchenfußball beim SC Freiburg. "Bisher haben wir keine adäquate Frau gefunden, der wir zutrauen, die erste Mannschaft zu trainieren. Aber die Auswahl ist auch nicht so groß wie bei den Männern." Mit Elke Walther ist immerhin eine Frau Torwarttrainerin und auch die zweite Frauenmannschaft wird mit Myriam Krüger von einer Frau trainiert, in der ersten Reihe aber steht ein Mann.

DFB fordert "Mut zu Frau" - bundesweit nur 29 Fußball-Lehrerinnen

Dabei fordert der DFB von den Vereinen doch den "Mut zur Frau". Mehr Verantwortung schon in jungen Jahren bietet der Verband durch Lehrgänge: 2018 wurden 300 Mädchen zu sogenannten "Junior-Coaches" ausgebildet, ist in der "Welt am Sonntag" vom 3. März zu lesen. Doch es als Trainerin in die Bundesliga zu schaffen - Voraussetzung ist die A-Lizenz - ist schwierig. In Deutschland besitzen 91 Frauen die A-Lizenz, den Fußball-Lehrer-Schein gerade einmal 29 Frauen. Zu diesen zählen übrigens auch nicht mehr aktive Trainerinnen wie Ex-Bundestrainerin Silvia Neid.

Männer mit Fußball-Lehrer-Lizenz, die etwa 15.000 Euro kostet, gibt es mit 812 ungleich mehr. Die Absolventen des Fußball-Lehrerscheins 2017/2018 waren ausschließlich Männer.

Oft ein langer und steiniger "Run" nach Lizenzen

Der Weg nach oben - ein "Run" nach Lizenzen. Nach der C- folgen B- sowie DFB-Jugend-Elite-Lizenz. Erst danach folgt die A-Lizenz, für die es bestimmte Qualitätsnachweise braucht, um überhaupt aufgenommen zu werden. Birgit Bauer begrüßt den Wunsch des DFB nach mehr Frauen, betont aber auch. "Der DFB sollte dann auch dafür sorgen, dass die Frauen die Trainerausbildung machen können. Es sind ja nur begrenzt Plätze und wir müssen ja kämpfen, dass die Mädels in die Lehrgänge reinkommen, damit sie die Ausbildung machen können." Der SC Freiburg etwa übernimmt dabei die Kosten für die A-Lizenz-Lehrgänge für seine Frauen.

Voraussetzung A-Lizenz - Vorteil für Ex-Nationalspielerinnen

Einen Vorteil haben da ehemalige Nationalspielerinnen wie Ex-Bundestrainerin Steffi Jones oder Inka Grings, 2014 bis 2017 Trainerin des MSV Duisburg. Sie bekommen die B-Lizenz leichter als beispielsweise eine Traineranwärterin, die früher "nur" Bundesliga gespielt hat. "Ich habe alleine drei Jahre gebraucht, um die Jugend-Elite-Lizenz zu machen und jetzt kann ich endlich die A-Lizenz machen. Wenn jemand mit 30 Jahren aufhört, ist die Person 34, bis sie überhaupt die A-Lizenz hat, das ist dann schon ein langer Prozess, sagt Myriam Krüger, die 29-jährige Trainerin der zweiten Frauen-Mannschaft.

In der Bundesliga viele Männer - in der Nationalmannschaft fast nur Frauen

Auffällig ist hingegen, dass die Frauen-Nationalmannschaft quasi immer von Frauen dominiert werden: Silvia Neid, war von 2005 bis 2016 Bundestrainerin. Unter ihr wurde Deutschland Weltmeister, zwei Mal Europameister und zuletzt Olympiasieger 2016. Steffi Jones war zuletzt zwar weitaus erfolgloser, doch nach einer Übergangszeit mit Horst Hrubesch ist mit Martina Voss-Tecklenburg wieder eine Frau am Ruder. "Ich glaube, dass der DFB in dieser Position explizit Frauen sucht", sagt Birgit Bauer.

Gehaltsunterschiede "wären ja Wahnsinn"

Voss-Tecklenburg hätte sich Bauer übrigens auch beim SC Freiburg vorstellen können, letztlich war aber auch der Lebensmittelpunkt der Bundestrainerin entscheidend. Unterschiede beim Gehalt würde man bei Freiburg aber nicht machen: "Wenn man eine Frau einstellen würden mit dieser Qualität, würde sie dasselbe verdienen. Das wäre ja Wahnsinn, wenn wir da was anderes machen würden."

Familienplanung oder Sicherheitsaspekt vor Risikogeschäft Fußball-Trainerin

Klar ist aber: Männer finden nach einer Entlassung im Zweifel leichter wieder einen Verein. Viele Klubs scheuen sich weiterhin, eine Frau als Cheftrainerin einer Männermannschaft einzustellen. Doch viele Frauen meiden das Trainergeschäft auch wegen Familienplanung oder scheuen das Risiko: Myriam Krüger hört als Trainerin der zweiten Frauen-Mannschaft nach der Saison auf - aus privaten Gründen zieht sie mit ihrem Freund nach Ulm. Ob und wie sie dann weitermacht, ist noch offen.

Und auch in der Bundesliga heißt es: Sicherheit vor Risiko. Carmen Roth verlässt Bremen nach der Saison. Grund: die zweijährige Freistellung von ihrem Arbeitgeber endet. Kein Risiko. Nächste Saison gibt es in der Frauen-Fußball-Bundesliga Stand jetzt also nur eine Trainerin.

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