Birgit Prinz, Sportpsychologin der TSG Hoffenheim, arbeitet während der WM in Frankreich auch für die deutsche Nationalmannschaft (Foto: Imago, imago images / Nordphoto)

Frauen-Fußball | WM Birgit Prinz - Unsichtbar und doch im Fokus

Früher Torjägerin, heute Sportpsychologin bei der TSG Hoffenheim: Während der Frauen-WM in Frankreich arbeitet Birgit Prinz auch beim DFB-Nationalteam hinter den Kulissen.

Birgit Prinz war noch gar nicht im deutschen WM-Quartier nahe Rennes angekommen, da wurde schon wieder ständig nach der einstigen Weltfußballerin gefragt. Seit ihrem Comeback hinter den Kulissen beim DFB-Team war die Neugier der Reporter auf die Rekord-Nationalspielerin erneut geweckt. Doch Prinz, schon immer ein Star wider Willen, spricht nicht in der Öffentlichkeit. Mehr noch als früher meidet der einstige Frauenfußball-Weltstar die Medien.

Prinz' neue Aufgabe ist aber ja auch eine, die im Hintergrund abläuft: Sie soll die verjüngte Mannschaft als Sportpsychologin mental fit machen für die Titeljagd bei der Endrunde in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli). Dafür wird die 41-Jährige phasenweise im deutschen Lager präsent sein, erstmals ab Sonntag eine Woche lang. "Wir haben ein Team, das keine hohe Anzahl an Länderspielen hat, 15 Spielerinnen stehen vor ihrer ersten Frauen-WM", erklärte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Entscheidung, ihre frühere Mitspielerin in den Betreuerstab zu holen: "Deshalb ist das ein enormer Mehrwert, wenn eine Birgit Prinz neben ihrer fachlichen Kompetenz auch noch ihre eigenen Erfahrungswerte einbringen kann."

Speed-Dating zum Kennenlernen

Um Berührungsängste abzubauen und den einstigen Star schnell in das Team zu integrieren, wurde beim Kennenlernen im Februar eine Art Speed-Dating initiiert. "Die Spielerinnen haben gar nicht bemerkt, dass das eigentlich für Birgit war. Das hat direkt das Eis gebrochen", sagte Voss-Tecklenburg im SID-Interview. Die Spielerinnen loben die Zusammenarbeit mit der Ikone des deutschen Frauenfußballs. "Ich habe ja auch noch mit ihr auf dem Platz gestanden", sagte Vize-Kapitänin Svenja Huth: "Sie kann aus ihrer aktiven Zeit sehr viel weitergeben und eine Anlaufstation sein, wenn es mal Probleme gibt, um Tipps und Anregungen zu bekommen."

Ihr Erfahrungsschatz ist nach 214 Länderspielen zweifellos üppig: Jahrelang war es Prinz, die das DFB-Team als Kapitänin anführte. Mit der dreimaligen Weltfußballerin an der Spitze stieg Deutschland zur Frauenfußball-Großmacht auf, eroberte 2003 und 2007 den WM-Thron. Am Ende musste Prinz aber auch die Schattenseiten des Leistungssports kennenlernen. Nach 17 Jahren und 128 Toren endete ihre einzigartige Karriere im Nationalteam im Krach. Beim Viertelfinal-Aus gegen Japan (0:1 n.V.) bei der verkorksten Heim-WM 2011 saß die zuvor ausgebootete Prinz 120 Minuten auf der Ersatzbank. Schon vorher hatte sie ihr Psychologie-Studium in Frankfurt abgeschlossen und arbeitet seit 2012 bei der TSG Hoffenheim in diesem Bereich.

Prinz hat das Kicken nicht verlernt

Nun holte Voss-Tecklenburg, die 1995 und 1997 gemeinsam mit Prinz den EM-Titel gewann, Prinz in neuer Funktion ins Boot. Und doch ein wenig auch in alter. Zumindest im Training, wo sie die Torhüterinnen um Almuth Schult mit ihren harten und platzierten Schüssen zu Paraden zwingt. Wie in alten Zeiten.

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