STAND
INTERVIEW

Fußball-Europameister Karlheinz Förster kennt Champions-League-Sieger Timo Werner (FC Chelsea) wie kaum ein anderer. Der 62-Jährige berät den Nationalstürmer seit acht Jahren und sieht sich bestätigt, dass der Wechsel des Schwaben nach London die richtige Entscheidung war.

SWR Sport: Karlheinz Förster, wo haben Sie den Champions League-Erfolg des FC Chelsea verfolgt?

Förster: Ich habe mir das Spiel entspannt am heimischen Bildschirm angeschaut. Ich habe mich sehr für Timo und das Team gefreut, denn Chelsea hat verdient gewonnen und Timo hat ein gutes Spiel gemacht.

Timo Werner ist im vergangenen Sommer für eine Ablösesumme von 53 Mio. Euro von RB Leipzig nach London gewechselt. Er hat in 52 Pflichtspielen 12 Tore erzielt und leistete 15 Assists, jetzt die Krönung mit dem Champions League-Titel. Wie bewerten Sie seine erste Saison beim FC Chelsea?

Es gab neun europäische Topklubs, die an seiner Verpflichtung Interesse hatten. Chelsea war dabei nicht unbedingt erste Wahl. Aber dann habe ich mich (Timos Vater war auch dabei) mit Petr Cech, der gut deutsch spricht und als Chelsea-Berater tätig ist, und dem damaligen Coach Frank Lampard am Stuttgarter Flughafen getroffen. Dieses Treffen hat uns überzeugt und letztlich auch den Ausschlag Richtung Chelsea gegeben. Stand heute hat Timo mit diesem Wechsel alles richtig gemacht. Chelsea hat ja nicht nur die Champions League gewonnen, sondern stand im FA Cup-Finale und ist in der Premier League Vierter geworden. Eine hervorragende Saison.

Timo Werners Jubel-Post nach dem gewonnenen CL-Titel

Aber es gab auch schwere Phasen für ihn. Etwa die Häme nach seiner vergebenen Großchance im Halbfinale gegen Real Madrid.

Ja, aber es hatte erst mal gut für ihn angefangen. Aber in der Tat war dann irgendwann der Wurm drin. Der Druck auf Lampard als Trainer wurde größer, in der Tabelle rutschte das Team auf Rang neun ab und es gab Probleme mit dem Coach. Das war für Timo eine schwierige Zeit. Mit dem Trainerwechsel Ende Januar von Lampard zu Thomas Tuchel ging es plötzlich mit der ganzen Mannschaft aufwärts. Für Timo war es gut, dass Tuchel mit Co-Trainer Zsolt Löw einen alten Bekannten mitgebracht hat. Timo und Löw kennen sich aus Leipziger Zeiten. Timo spielt jetzt zentraler und körperlicher und arbeitet mehr für die Mannschaft.

Mit dem Selbstvertrauen eines Champions League-Siegers wird Ihr Schützling jetzt zum DFB-Team reisen und die Europameisterschaft spielen.

Ich bin mir sicher, dass Joachim Löw genau bemerkt hat, dass Timo und Kai Havertz auf ihren Positionen eine große Bereicherung sind. Das passt hervorragend. Das hat man beim entscheidenden Tor im Champions League-Finale gesehen. Timo hat den Raum für Havertz geschaffen, indem er seinen Gegenspieler rausgezogen hat. Also, die beiden harmonieren top. Das ist auch ein Fingerzeig Richtung Nationalmannschaft.

Sie könnten sich jetzt auf die Schulter klopfen und sagen "Alles richtig gemacht".

Ich klopfe mir selbst überhaupt nicht auf die Schulter. Ich freue mich für Timo, aber auch für den Verein FC Chelsea, der sehr viel Geld in die Hand genommen hat, um ihn zu verpflichten. Für mich ist es eher eine Bestätigung, dass die Entscheidung für Chelsea richtig war. Mein damaliges Gefühl war richtig: Chelsea ist wie eine große Familie, in der es menschelt. In einem solchen Umfeld fühlt sich Timo wohl. Zuletzt haben die Fans sogar ein eigenes Lied für ihn kreiert.

Protagonisten mit Südwest-Vergangenheit Champions-League-Triumph: Tuchel, Werner und Rüdiger am Ziel ihrer Träume

Der FC Chelsea hat die Champions League durch ein 1:0 gegen Manchester City gewonnen. Mit Trainer Thomas Tuchel (früher u.a. 1. FSV Mainz 05) sowie Antonio Rüdiger und Timo Werner (beide früher VfB Stuttgart) gehörte ein Trio mit Südwest-Vergangenheit zu den Protagonisten.  mehr...

STAND
INTERVIEW