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Nicht nur Eppingen gegen den HSV oder Weinheim gegen Bayern München: Der Südwesten war auch Abseits von diesen Klassikern immer wieder für Pokalüberraschungen gut. Der Beginn der neuen Saison am Wochenende ist Grund genug, um auf weitere legendäre Pokalspiele der Vergangenheit zurück zu blicken.

27.08.1995: SV Sandhausen - VfB Stuttgart 2:2 (13:12 i.E.)

Schon die Ausgangssituation war an diesem regnerischen Spätsommertag filmreif. Im beschaulichen Hardtwaldstadion empfing der "kleine" damalige Oberligist SV Sandhausen den "großen" VfB Stuttgart zur ersten Runde der Pokalsaison 1995/1996. Welches Ausmaß das Drama am Hardtwald jedoch annehmen sollte, hatte in dieser Form keiner erwartet.

Dabei begann für den Bundesligisten aus Stuttgart eigentlich alles nach Plan. Trotz des frühen Platzverweises von Frank Verlaat konnten die Schwaben durch Krasimir Balakov nach elf Minuten in Führung gehen. Erste Zweifel an einem entspannten Nachmittag für die Profis aus Stuttgart kamen allerdings in der 37. Minute auf, als die Amateure aus der Kurpfalz durch Matthias Bernhardt ausglichen. Auch eine zweite Führung für den VfB durch Fredi Bobic reichte nicht, um das Ticket für die zweite Pokalrunde zu lösen. In der 87. Minute sorgte Slavisa Staletovic für den verdienten Ausgleich der Schwarz-Weißen. Da sich an diesem Spielstand auch nach 120 Minuten nichts geändert hatte, kam es zum Elfmeterschießen, welches bis heute den Rekord für das längste Elfmeterschießen der Pokalgeschichte hält. Mit VfB-Verteidiger Hendrik Herzog scheiterte erst der 26. Schütze am Aluminium. Für Sandhausen bedeutete das den Einzug in die zweite Pokalrunde, für Stuttgart das peinliche Aus in Runde eins.

18.08.2018: SSV Ulm 1846 - Eintracht Frankfurt 2:1

Im August 2018 reiste Eintracht Frankfurt als Titelverteidiger nach Ulm, um ein weiteres mal den langen Weg nach Berlin in Angriff zu nehmen. Dass dieser aber schon nach 90 Minuten im Ulmer Donaustadion sein Ende finden sollte, war die Überraschung der ersten Pokalrunde 2018/2019.

Nach einer couragierten aber torlosen ersten Halbzeit beider Teams konnte der Viertligist in der 48. Minute durch Steffen Kienle in Führung gehen. Während es die Eintracht daraufhin nicht schaffte die Partie auszugleichen, behielt der SSV in Person von Vitalij Lux in der 75. Minute vor dem Tor die Nerven und erhöhte auf 2:0. Anschließend konnten die Frankfurter durch Goncalo Paciencia nur noch den Anschlusstreffer erzielen. Für den Frankfurter Coach Addi Hütter bedeutete dieses Ergebnis nach der 0:5 Niederlage im DFL-Supercup die zweite bittere Niederlage im zweiten Pflichtspiel. Die Ulmer dagegen waren erst das fünfte Team überhaupt, das den Titelverteidiger des DFB-Pokals bereits in der ersten Runde bezwingen konnte.

03.04.2019: FC Bayern München - 1. FC Heidenheim 5:4

Um ein Haar wäre es im April des vergangenen Jahres zu einer der größten Sensationen in der Geschichte des DFB-Pokals gekommen. Nach dem wohl besten Spiel der Pokalsaison siegte zwar der Favorit aus München, doch eine ambitionierte Mannschaft von der Ostalb zog Fußballfans im ganzen Land für 90 Minuten in ihren Bann.

Im DFB-Pokal Viertelfinale der Saison 2018/2019 trat die Heidenheimer Mannschaft um Trainer Frank Schmidt in der Allianz Arena beim FC Bayern München an. Mit der frühen Führung durch Leon Goretzka schien der Favorit seiner Rolle auch vorerst gerecht zu werden. Kurz darauf befand sich der deutsche Meister jedoch in Unterzahl, da sich Niklas Süle nach einem überharten Einsteigen zurecht Rot von Schiedsrichter Guido Winkmann abholte. In der 26. Spielminute glich der Underdog von der Ostalb durch Robert Glatzel aus, in der 39. Minute ging er durch Marc Schnatterer gar in Front. Kurz nach der Halbzeit war diese Führung allerdings Geschichte. Durch drei Tore in 12 Minuten schien der Rekordmeister für klare Verhältnisse gesorgt zu haben. Doch die Elf von der Ostalb kämpfte sich erneut zurück ins Spiel. Robert Glatzel erzielte mit einem Doppelschlag in der 74. und der 77. Minute den Ausgleich und schnürte seinen ersten Dreierpack für den FCH. Was folgte war ein wilder Schlagabtausch beider Teams, an dessen Ende Robert Lewandowski per Elfmeter für das 5:4 für die Münchner sorgte und den FC Bayern ins Halbfinale schoss. Was außer dem knappen Sieg des Favoriten bleibt, ist ein unvergesslicher Pokal-Abend.

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