Der SSV Ulm 1846 beim Torjubel (Foto: Imago, Imago)

DFB-Pokal | Underdogs Spatzen gegen Adler in der 1. Runde

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Der SSV Ulm 1846 hat eine bewegte Vergangenheit. Ausgerechnet gegen DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt wollen die Ulmer wieder Geschichte schreiben.

Der "Ulmer Spatz" ist das Wahrzeichen der Münsterstadt und nicht zuletzt auch Spitzname der Fußballer des SSV Ulm 1846. Die Spatzen sind in den vergangenen Jahren aber nicht gerade als Himmelsstürmer aufgefallen. Zahlreiche Abstiege und Insolvenzen bedeuteten den Sinkflug in die sportliche Bedeutungslosigkeit. Was bleibt sind Erinnerungen an goldene Zeiten, die jüngste Geschichte des Vereins ähnelte jedoch eher dem grau-braunen Federkleid seines Wappentiers.

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Auf Euphorie folgt Ernüchterung

Der Reihe nach: Im Jahr 1997/98 wurde der SSV Ulm 1846 Meister der Regionalliga Süd und stieg in die 2. Liga auf. Trainer damals: Ralf Rangnick. Anschließend schafften die Spatzen das schier Unmögliche und machten als Tabellendritter den Durchmarsch in die Bundesliga perfekt. Nur ein Jahr später musste sich der Club allerdings schon wieder aus dem Oberhaus verabschieden: Gegen den Tabellenzweiten Bayer 04 Leverkusen gingen die Schwarz-Weißen zuhause im Donaustadion mit 1:9 unter und verloren daraufhin sieben der letzten zehn Partien. Bei Abstiegskonkurrent Eintracht Frankfurt mussten die Ulmer am letzten Spieltag unbedingt siegen. Der SSV verlor aber mit 1:2 und stieg als Drittletzter ab.

Absturz und Aufstieg

In der Folgesaison stieg der Zweitligist abermals ab. Darüber hinaus wurde dem insolventen Verein die Lizenz für die Regionalliga verweigert und es folgte der Absturz in die Verbandsliga Württemberg. Ab der Saison 2001/02 spürte der Ulmer Spatz dann nach langer Zeit wieder Wind unter den gebrochenen Flügeln: Erst wurde der Fünftligist nach einem 2:1-Sieg gegen Bundesligist 1. FC Nürnberg zum niederklassigsten Verein, der je im DFB-Pokal ein Spiel gewinnen konnte. Dann gelang der direkte Wiederaufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg. Und als stünde der Erfolg in unmittelbarer Verbindung zur Tierwelt, wählte der deutsche Naturschutzbund noch im selben Jahr den Spatzen zum "Vogel des Jahres". 

Sehnsucht als Ansporn

Zwei Insolvenzverfahren, eine Ausgliederung und rund 16 Jahre später, spielt der Verein in der Regionalliga Südwest. Dort führt Ulm nach vier Spielen die Tabelle an. Großen Anteil am aktuellen Erfolg hat Holger Bachthaler. Der  43-jährige Fußballlehrer ist seit dieser Saison Trainer der Ulmer und betreute zuvor die U18 von RB Salzburg. Im Sommer hat sich der Verein zudem professionalisiert und peilt nun einen Platz im vorderen Drittel der Tabelle an. Davor geht es im DFB-Pokal noch gegen Frankfurt. Zwar muss die Eintracht auf ihren Vizeweltmeister Ante Rebic aufgrund von Adduktorenproblemen verzichten, aber dennoch ist die Favouritenrolle klar verteilt.

Der Titelverteidiger aus Frankfurt trägt den Adler als Tier im Wappen. Spatzen gegen Adler - das klingt auch in der Tierwelt wie ein ungleiches Duell. Zu gerne aber würde der Underdog den Bundesligisten ärgern und zumindest für einen Tag wieder von den guten, alten Zeiten träumen.

Die Fußballer des SSV Ulm 1846.  (Foto: Imago, Imago)
Nur zusammen können die Fußballer des SSV Ulm 1846 eine mögliche Pokal-Sensation schaffen. Imago Imago
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