SSV-Ulm-Torwart Philipp Laux hat nach seiner Karriere Psychologie studiert und arbeitet nun beim VfB Stuttgart (Foto: Imago, Pressefoto Rudel/ Herbert Rudel)

Bundesliga | VfB Stuttgart Der Druck auf Torhüter ist enorm

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Torhüter sind nicht wie andere Spieler: Sie dürfen den Ball in die Hand nehmen, haben ein eigenes Trikot, eigene Trainer, sie reagieren statt zu agieren und sie haben den größeren Druck.

Philipp Laux (45) war beinahe zehn Jahre Bundesliga-Torhüter - nach seiner Karriere studierte er Psychologie an der Universität Mannheim. Zur Zeit ist Laux als Sport-Psychologe beim VfB Stuttgart tätig. Er weiß also, wovon er redet. "Als Torhüter brauchst du ein spezielles Persönlichkeitsmerkmal, du bist häufig auf dich alleine gestellt, musst warten, was auf dich zukommt. Ausserdem wird jeder kleine Fehler mit einem Gegentor bestraft. Du musst mental sehr stark sein".

Helden und Versager

Der Druck auf die Nummer eins ist enorm. 88 Minuten jeden Ball pariert, unhaltbare aus dem Winkel geholt, fehlerfrei das Team im Spiel gehalten - und in der Nachspielzeit flutscht ein Flatterball durch die Handschuhe. Oliver Kahn im Finale der WM 2002 gegen Brasilien - genau das ist dem Titan passiert. "Die meisten Torhüter haben sich diese Position ausgesucht, von kleinauf lernen sie mit den extremen Situationen umzugehen. 90 Minuten Anspannung, in keiner anderen Position liegen Held und Versager so dicht beieinander." so der Sportpsychologe Laux.

Ron-Robert Zieler ist kein Schreihals

Oliver Kahn war ein lauter, Jens Lehmann ebenfalls. Bayern-Schlussmann Manuel Neuer hingegen, ist eher ein leiser Vertreter seiner Zunft, ebenso VfB-Keeper Ron Robert Zieler. Laut Philipp Laux findet Zieler immer den richtigen Ton. "Ron Robert macht das überragend. Er hat eine sehr gute Ausstrahlung, gibt seinen Vorderleuten Sicherheit, er dirigiert seine Vorderleute. Als Torhüter muss man nicht rumschreien, nur um zu schreien."

Die Aufgaben eines Torhüters sind vielschichtig und beschränken sich nicht nur aufs Bälle halten. Sie sind die einzigen, die alle Mitspieler im Blick haben, sie müssen organisieren, ordnen und immer auf der Hut sein. Vor allem brauchen sie Mut, um die nächste Situation zu meistern.

Laux' Trauma heißt Bayer Leverkusen

Philipp Laux hat in seiner Karriere ein ganz besonderes Spiel erlebt. Ein Spiel, dass er nie vergessen wird. In der Saison 1999/2000 traf er mit dem SSV Ulm auf Bayer Leverkusen. Die Ulmer standen kurz vor dem Klassenerhalt, hatten nach 24 Spieltagen bereits 30 Punkte - nahezu eine Sensation. Doch das Spiel gegen die Werkself wurde zum Desaster. Laux und seine Ulmer unterlagen zuhause mit 1:9.

Dauer

Neun Tore in 90 Minuten, für jeden Torhüter der reine Albtraum. "Es war unglaublich, jeder Schuss ein Treffer. Ich hatte sowas selbst noch nie erlebt. Wir haben als Mannschaft danach zwar alles versucht, uns neu zu fokussieren aber es hat nicht nicht mehr funktioniert und sind am Ende der Saison abgestiegen".

Torhüter sind anders als andere. Die Fußballwelt ist voller kurioser Beispiele. Sepp Maier ging während des Spiels auf Entenjagd. Der Kolumbianer Rene Higuita hielt Bälle kopfüber mit beiden Hacken. Und Hans Jörg Butt hat für den HSV und Leverkusen als Elmeterschütze 26 Bundesligatore geschossen.

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