Alexander Zorniger (Foto: Imago, imago/ritzau)

Dänische Superliga | Bröndby IF Ex-VfB-Trainer Zorniger: Mit „Hygge“ zum Erfolg

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Beim dänischen Topklub Bröndby IF scheint Alexander Zorniger sein Glück gefunden zu haben – und den Erfolg. Der ehemalige VfB-Stuttgart-Coach befindet sich auf Champions-League-Kurs.

Als deutscher Staatsbürger sollte man sich eine Sache ganz besonders zu Herzen nehmen, wenn man Dänemark als seinen neuen Lebensmittelpunkt wählt – dafür hatte Alexander Zorniger vor seinem Amtsantritt im Juni 2016 sogar ein Seminar besucht: Nämlich die "Hygge-Mentalität". Übersetzt heißt das: Gemütlichkeit. Und dieses Lebensgefühl passt zum gebürtigen Mutlanger: "Es ist ein tolles Land mit tollen Menschen, eine tolle Mentalität, die mir auch hilft ein besserer Mensch und besserer Trainer zu werden. Diese Lockerheit hat vor allem Fußball-Deutschland, nur bedingt, was aber auch seine Vorteile hat."

"Keiner steht über der Gemeinschaft"

Und dann ist da noch "Janteloven" - das Motto des Klubs wird gelebt: "Keiner steht über der Gemeinschaft." An dieser Stelle diskutiert Zorniger aber gerne. Denn er ist derjenige, der die Entscheidungen trifft und am Ende dafür gerade stehen muss, was die Mannschaft auf dem Platz leistet. Dafür nimmt sich der Coach bestimmte Dinge heraus, die einfach funktionieren müssen. Ein großes Thema in Dänemark, wie der 50-Jährige berichtet. In seinem ersten Trainerjahr wurde bereits ein Buch über seine Zeit bei Bröndby veröffentlicht, in dem er als "zielgerichtet" aber auch etwas "stur" beschrieben wird.

Sein Stil passe eigentlich gar nicht zur Führungs-Philosophie in Dänemark, weiß er selbst: "In bestimmten Situationen gibt es eben keine acht Leute, die in einer gemeinsamen Abstimmung den Weg festlegen. Den muss eben manchmal einer vordenken." Es funktioniert und der Erfolg mit seinem Team gibt ihm Recht: Bröndby ist unter Alexander Zorniger seit August 2017 in der dänischen Superliga ungeschlagen und steht nach dem 1:0-Sieg beim FC Kopenhagen im Pokal-Viertelfinale.

Die "Hygge-Mentalität"

Dass Zornigers Art und die "Hygge-Mentalität" perfekt zusammenpassen, drückte der Verein mit einer Vertragsverlängerung bis 2020 aus. "Wenn man so erfolgreich ist wie ich momentan mit Bröndby, dann ist der Job insgesamt einfacher, als wenn man auf Platz 16 der deutschen Bundesliga steht", wägt er ab

Es ging sofort gut los: Bei seinem ersten wichtigen Pflichtspiel mit Bröndby in der Euro-League-Qualifikation gegen das schottische Team Hibernian Edinburgh, gewann Zorniger 5:3 nach Elfmeterschießen (Saison 2016/17). Das erste Tor für Bröndby fiel sogar nach elf Sekunden. Das schaffte Vertrauen im Verein und bei seiner jungen Mannschaft, in der z.B. Mittelstürmer Jan Kliement auf Leihbasis vom VfB Stuttgart nach Dänemark kam.

Seit diesem Jahr bringen noch zwei Schwaben in seinem Team das Quäntchen Heimatgefühl mit nach Dänemark: Matthias Borst, Videoanalyst aus Stuttgart und Matthias Jaissle (ehemaliger Profi in Hoffenheim), als sein Co-Trainer.

Und auch die Bröndby-Fans stehen hinter ihrem Trainer: "Ich war nach dem Pokalspiel am Sonntag bereits in den Katakomben. Und dann wird 3-4 Minuten dein Name gerufen. Das hat etwas! Ich hatte auch nie das Gefühl, dass die Fans in Stuttgart sauer auf mein Verhalten ihnen gegenüber war, sondern sie waren stinkig, weil wir keine Spiele gewonnen haben."

Der Stolz des jungen Papas

Sein größtes Glück kam im November dazu, mit der Geburt von Tochter Liva. Den Stolz des jungen Papas hört man in jedem Wort: "Denn durch sie relativieren sich die Dinge. Meine Spieler spüren glaube ich keinen wesentlichen Unterschied im Coaching, aber es bringt mich einfach viel schneller runter."

Daher kann er reflektiert über seine Trainer-Zeit von knapp fünf Monaten beim VfB Stuttgart sagen: "Ich habe das ein oder andere unterschätzt. Habe daraus meine Konsequenzen gezogen. Jetzt bekomme ich eine bessere Mischung insgesamt hin, in dem was ich mache. Ich hatte beim entscheidenden Zeitpunkt hier einfach auch das Glück gehabt, das ich in Stuttgart nicht hatte."

"Wohlfühl-Dänemark"

Das ganze Paket "Dänemark" passt einfach: Zorniger wohnt mit seiner Familie 100 Meter entfernt vom Meer, in einem "wunderschönen Häusle" außerhalb von Bröndby und geht einem Job nach, für den er sich nach wie vor begeistert. Die Zielstrebigkeit hat er trotz "Wohlfühl-Dänemark" nicht verloren.

Und auch das Geschehen um den VfB verfolgt Alexander Zorniger weiterhin: "Es ist Stuttgart- es ist meine Heimat."  Und fügt zur momentanen Lage der Schwaben hinzu: "Ich wünsche der Führungsgruppe ein gutes Händle. Das brauchst du, denn später interessiert es niemanden, wer die Fehler gemacht hat. Und ich hoffe, dass der VfB dieses Jahr in der Liga bleibt und Schritt für Schritt seinen Status wieder aufbaut."

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