Fußball | Videobeweis Drees: "Man wird auch weiterhin diskutieren"

Einer der Neuerungen in der Bundesliga ist der Videobeweis. Jochen Drees aus Münster-Sarmsheim ist einer der Video-Schiedsrichter und sieht dieses Hilfsmittel positiv.

Schiedsrichter Jochen Drees schaut genauer hin (Foto: SWR, DeFodi)
Schiedsrichter Jochen Drees schaut genauer hin DeFodi

Herr Drees, Sie haben 15 Jahre in der Bundesliga gepfiffen. Hätten Sie sich da manchmal einen Video-Assistenten gewünscht?

Das ganz sicher. Zumindest in den Situationen, die sich im Nachhinein als falsch rausgestellt haben. Da wäre ich schon ganz froh gewesen, wenn mir ein Kollege hätte einen Input geben können, weil man sich da am meisten darüber geärgert hat.

Dass der Videoschiedsrichter die Autorität der Schiedsrichter untergräbt , fürchten Sie nicht?

Nein, das glaube ich nicht. Ich habe am Anfang auch ein bisschen meine Zweifel gehabt. Aber ich glaube, jetzt auch nach den Erfahrungen die wir im letzen Jahr sammeln konnten, dass sich auch das Pfeifen der Schiedsrichter nicht ändern wird. Und das auch die Verantwortlichen und die Spieler dankbar sind, dass sie ein zusätzliches Kontrollmittel haben, das letztendlich zu mehr Gerechtigkeit führen wird.

Wie muss man sich Ihre Aufgabe praktisch vorstellen in diesem Studio in Köln?

Ich habe einen Operator neben mir sitzen. Ein technisch geschulter Mitarbeiter der Firma Hawkeye, die quasi dieses Projekt betreuen. Der stellt mir in möglichst kurzer Zeit die erforderlichen Kameraeinstellungen, Zeitlupen oder Winkel für die erforderlichen Szenen zur Verfügung. Gleichzeitig habe ich noch einen Assistenten, der quasi mich unterstützt. Beispielweise wenn das Spiel weiterläuft und ich checke noch eine Situation, verfolgt er die Partie weiter.

Und Sie sind dann per Funk mit dem Schiedsrichter verbunden?

Ich bin per Funk mit den Schiedsrichtern verbunden. Ich kann mich dann per Knopfdruck in die Kommunikation der Schiedsrichter einschalten. So kann ich dann unmittelbar eine Information weiterleiten.

Es kann dann durchaus passieren, 40.000 Zuschauer jubeln und brüllen "Tor!". Und dann kommt von Ihnen das Kommando "Zurück"?

Nein, das kann nicht mehr passieren. Denn regeltechnisch ist es so: Sobald der Schiedsrichter nach einer Situation oder Szene das Spiel wieder fortgesetzt hat, beispielweise bei einem Anstoß, kann ich die Entscheidung nicht mehr revidieren. Bei einer klaren Fehlentscheidung die der Schiedsrichter getroffen hat, muss ich mich möglichst unmittelbar in den Spielprozess einbringen um einen Fortsetzung zu verhindern.

Aktuell sorgt die Diskussion um Fan-Krawalle und der Dialog mit der Ultraszene für viel Wirbel. Wie sehen Sie die Entscheidung des DFB auf Kollektivstrafen zu verzichten?

Es ist immer schwierig wenn eine ganze Gruppe für das Vergehen Einzelner haften muss. So wie ich das wahrgenommen habe, ist die Situation ziemlich verfahren gewesen. Insofern ist es gut was Herr Grindel (DFB-Präsident) angeregt hat , dass man auch nochmal diskutiert und auch versucht einen anderen Weg zu finden und um der Sache gerecht zu werden, sprich dem Fußballspiel. Keiner von uns, der zum Fußball geht, will solche Ausschreitungen wie in Rostock sehen. Letztendlich gehen wir doch hin um das Fußballspiel zu schauen. Wenn man die Leute, die das auslösen, einzeln raus greifen könnte, wäre das aus meiner Sicht der bessere Weg.

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