Enrico Valentini (Karlsruher SC) ist nach der Niederlage im Relegationsspiel gegen den Hamburger SV am Boden zerstört. (Foto: Imago, Jan Huebner)

Fußball | Relegation Einmal Drama, bitte!

Kiel gegen Wolfsburg - Aufstiegseuphorie gegen Abstiegsangst. Der SC Freiburg ist der Relegation knapp entkommen. Doch Auf- und Abstiegsspiele der Südwest-Teams waren oft spektakulär.

Als die Deutsche Fußball Liga 2009 die Relegation wiedereinführte, wollte der damalige Geschäftsführer Holger Hieronymus einen "zusätzlichen Spannungsfaktor". Das ist gelungen. Die Relegationsspiele, auch mit südwestdeutscher Beteiligung, sorgten in der Vergangenheit für große Fußball-Dramen.

Karlsruher SC gegen den Hamburger SV

Für den Karlsruher SC war der 1. Juni 2015 ein schwarzer Tag. Bis zur 91. Minute des Relegations-Rückspiels schien der sechste Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte zum Greifen nahe. Dann pfiff Schiedsrichter Manuel Gräfe einen äußerst umstrittenen Hand-Freistoß, 20 Meter vor dem Tor der Karlsruher. Der Hamburger Marcelo Diaz trat an und schoss den ersten direkt verwandelten Freistoß der Hamburger Saison ins Karlsruher Tor.

KSC-Spieler Daniel Gordon kann nicht verstehen, warum Schiedsrichter Manuel Gräfe den Freistoß in der 91. Minute gepfiffen hat.  (Foto: Imago, Sven Simon)
KSC-Spieler Daniel Gordon kann nicht verstehen, warum Schiedsrichter Manuel Gräfe den Freistoß in der 91. Minute gepfiffen hat. Imago Sven Simon

In der 115. Minute erzielte Nicolai Müller dann das zweite Hamburger Tor, in der 123. Minute hielt René Adler einen Karlsruher Elfmeter von Rouwen Hennings. Dramatischer kann ein Fußball-Abend, schmerzhafter eine Niederlage nicht sein: "Es tut weh, es ist, als ob uns jemand das Herz rausgerissen hat", sagte der KSC-Torschütze Reinhold Yabo damals.

1. FC Kaiserslautern gegen 1899 Hoffenheim

An den Fans des 1. FC Kaiserslautern lag es nicht, dass die Roten Teufel 2013 nicht in die Bundesliga aufsteigen konnten. Spiegel-Autor Christoph Ruf schrieb nach dem Rückspiel am 27. Mai: "Da pfiffen die Zuschauer (...) in einem Dezibel-Bereich, in dem sich in der Nähe von Flughäfen Bürgerinitiativen gründen und sich Kinder mit schmerzverzerrten Gesichtern die Ohren zuhalten, jedesmal, wenn ein Hoffenheimer Spieler den Ball berührte." Sportlich aber hatte Kaiserslautern der Hoffenheimer Mannschaft von Markus Gisdol nicht viel entgegenzusetzen. "Wer in beiden Spielen zusammengerechnet 5:2 gewinnt, bleibt verdient drin", musste Kaiserslautern-Verteidiger Chris Löwe den Hoffenheimer zugestehen.

Hoffenheims Roberto Firmino jubelt über den Klassenerhalt. Links neben ihm sitzt der niedergeschlagene Marc Torrejón vom 1. FC Kaiserslautern). (Foto: Imago, Eibner)
Hoffenheims Roberto Firmino jubelt über den Klassenerhalt. Links neben ihm sitzt der niedergeschlagene Marc Torrejón vom 1. FC Kaiserslautern). Imago Eibner

Stuttgarter Kickers gegen FC St. Pauli

Bevor die Relegation 2009 wiedereingeführt wurde, gab es sie schon von 1982 bis 1991. Mit den Stuttgarter Kickern gewann 1991 ausnahmsweise der Zweitligist. Von insgesamt 19 Bundesliga-Relegationsspielen setzten sich 14-mal die Erstliga-Vereine durch. Nicht so am 29. Juni 1991: Nachdem weder die Stuttgarter Kickers noch der FC St. Pauli die Runde für sich entscheiden konnten (beide Spiele endeten 1:1), gab es ein Entschiedungsspiel im neutralen Gelsenkirchener Parkstadion.

Die Stuttgarter Kickers aus der 2. Bundesliga waren die klar bessere Mannschaft und siegten mit 3:1 durch Tore von Ralf Vollmer, Juan Arnoldo Cayasso und Dirk Fengler.

Nach dem Aufstieg war die Freude bei den Kickers aber kurz: Die Stuttgarter stiegen schon in der folgenden Saison wieder ab und schafften es seitdem nicht mehr in die Bundesliga. In der aktuellen Saison belegte die Mannschaft den 17. Platz in der Regionalliga Südwest und stieg in die Oberliga ab.

Die Stuttgarter Kickers feiern den Aufstieg in die Bundesliga nach dem Sieg gegen den FC Sankt Pauli. (Foto: Imago, Pressefoto Baumann)
Die Stuttgarter Kickers feiern den Aufstieg in die Bundesliga nach dem Sieg gegen den FC Sankt Pauli. Imago Pressefoto Baumann

SV Waldhof Mannheim gegen SV Darmstadt 98

Die Relegation 1988 hatte - auf schwäbisch gesagt - ein Gschmäckle. Darmstadts Coach Klaus Schlappner hatte nur ein Jahr vor dem Spiel noch die Mannheimer trainiert. Im Hinspiel machten seine Darmstädter noch alles richtig, mit 3:2 gewann der Zweitligist gegen Waldhof Mannheim. Im Rückspiel konnte Waldhof die Hinspiel-Niederlage mit einem 2:1-Sieg wieder gutmachen. Ohne die heutige Auswärtstorregel gab es am 9. Juni 1988 ein Entscheidungsspiel im Saarbrücker Ludwigsparkstadion, bis Abpfiff stand es da 0:0. Erstligist Waldhof Mannheim setzte sich im bisher einzigen Relegationsspiel, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde, mit 5:4 durch. Nach der Niederlage hörte Trainer Klaus Schlappner bei den Lilien auf.

Waldhof-Torwart Uwe Zimmermann hält den entscheidenden Elfmeter von Karl-Heinz Emig (SV Darmstadt 98). (Foto: Imago, Ferdi Hartung)
Waldhof-Torwart Uwe Zimmermann hält den entscheidenden Elfmeter von Karl-Heinz Emig (SV Darmstadt 98). Imago Ferdi Hartung
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