Bundestrainer Joachim Löw hat Nils Petersen für den vorläufigen WM-Kader nominiert (Foto: Imago, EIBNER/Joachim Hahne)

Nationalmannschaft | WM 2018 Nils Petersen - vom Spätstarter zum Senkrechtstarter

Bundestrainer Joachim Löw war schon vor vielen Turnieren für eine Überraschung gut. Diesmal trifft es Nils Petersen, der als Überraschungskandidat im vorläufigen WM-Kader steht.

Er ist die Überraschung in Joachim Löws vorläufigem WM-Kader: Nils Petersen. Der mit 15 Toren erfolgreichste deutsche Stürmer schoss den SC Freiburg zum Klassenerhalt. In der A-Nationalmannschaft spielte er bisher jedoch keine Rolle. Bisher hat er lediglich sechs Spiele für die Olympia-Auswahl in seiner Vita stehen. Darum diskutierten viele Fans vor der offiziellen Nominierung auch nur über Mario Gomez oder Sandro Wagner. Gomez fährt mit. Auf Sandro Wagner - zwölf Tore für 1899 Hoffenheim und den FC Bayern München - hat der Bundestrainer verzichtet.

Nun also Nils Petersen, den nur wenige Experten auf dem Zettel hatten. "Mein Gefühl ist, dass er mit der Aufgabe wächst, von ihm verspreche ich mir einiges", versicherte der Bundestrainer. "Er ist auch ein sehr, sehr guter Joker", sagte der Bundestrainer.

Löw setzt auf den Joker Petersen

In der Tat hat Petersen in der Bundesliga 20 Treffer erzielt, nachdem er eingewechselt wurde. Er ist von Jetzt auf Gleich im Spiel, er benötigt also nicht viel Zeit, um Wirkung zu erzielen. Er ist ein klassischer "Joker", der stechen soll, wenn es die anderen Trümpfe nicht tun. Doch mit seinen 29 Jahren ist Petersen in der Nationalmannschaft eher ein Spätstarter.

Auch seine Karriere ging der Stürmer aus Weniginerode etwas langsamer an. Als Mario Gomez in der Saison 2010/11 bereits Torschützenkönig der Bundesliga war, holte sich Petersen mit Energie Cottbus die Torjäger-Kanone in der 2. Liga. Seinen ersten Bundesliga-Treffer erzielte Petersen für Bayern München - im Spiel gegen den SC Freiburg. München gewann damals mit 7:0. Nils Petersen wurde in der 73. Minute eingewechselt - für den vierfachen Torschützen Mario Gomez.

Petersen schoss Deutschland ins Olympia-Finale

Nils Petersen hat Deutschland ins Olympia-Finale geschossen. Doch im finalen Elfmeter-Schießen versagten dem Freiburger die Nerven. (Foto: Imago, imago sportfotodienst)
Nils Petersen hat Deutschland ins Olympia-Finale geschossen. Doch im finalen Elfmeter-Schießen versagten dem Freiburger die Nerven. Imago imago sportfotodienst

Zwar kann der aktuell treffsicherste deutsche Stürmer in puncto gewonnener Titel nicht mit dem drei Jahre älteren Gomez mithalten. Dennoch ist Petersens Entwicklung der vergangenen Jahre beeindruckend: Nach der Zweitliga-Meisterschaft mit dem SC Freiburg 2016 wurde Petersen noch im selben Jahr Torschützenkönig bei den Olympischen Spielen in Brasilien. Mit seinen sechs Toren schoss er Deutschland ins Finale und holte mit dem DFB-Team die Silbermedaille. Auch in den beiden Bundesliga-Jahren entwickelte sich der 29-Jährige schnell zum Leistungsträger und Führungsspieler des SC Freiburg.

Nun hat Petersen also auch einen Fuß in der Tür des Bundestrainers. "Die Nominierung ist eine sehr große Ehre für mich. Ich habe damit nicht wirklich gerechnet und bin sehr dankbar. Die Chance dabei sein zu können, ist die Krönung der Saison", sagte Petersen. Bis der am 4. Juni seinen endgültigen Kader nominieren muss, kann Petersen in der WM-Vorbereitung weitere Argumente sammeln. Dann könnte der Spätstarter in der Nationalmannschaft doch noch zum Senkrechtstarter werden.

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