Christoph Schickhardt (Foto: SWR)

Fußball | Bundesliga Viel Cash erfordert viel Kompetenz

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Thomas Bareiß

Momentan läuft im deutschen Profifußball eine Grundsatzdebatte über die Reform der sogenannten "50 + 1 Regel". Traditionalisten fürchten den Ausverkauf des Fußballs, die Befürworter träumen schon von frischen Millionen.

Christoph Schickhardt ist der führende Sportrechtsexperte in Deutschland. Für den Anwalt aus Ludwigsburg liegen die Gründe auf der Hand, weshalb die 50+1-Regelung modernisiert werden muss. "Man hat erkannt: Das sind rechtliche Risiken. Man hat auch erkannt: Die Bundesliga wird abgehängt international. Und vor allem: Bayern München steht völlig allein da."

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Dass die 36 Profivereine die rechtlichen Grundlagen erweitern, um Investoren anzulocken, heißt aber nicht gleichzeitig, dass es völlig egal ist, von wem die Finanzspritze kommt. Spekulanten und Finanzhasadeure müssen laut Schickhardt herausgefiltert werden. "Es muss eine genaue Kontrolle geben: Wer ist das!? Welche Motive hat der? Ist der bereit, diese Grundwerte des Fußballs zu akzeptieren? Es gilt das gute Geld vom schlechten zu trennen. Fremdes Kapital ist grundsätzlich nichts böses."

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Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass kein Verein in Zukunft gezwungen werden kann, sich einen Investoren an Land zu ziehen. Man kann, wie der SC Freiburg beweist, schließlich auch als eingetragener Verein erfolgreich im Profifußball arbeiten. "Kein Verein muss das machen. Man muss das Geld intelligent einsetzen. Das heißt, man muss wahrscheinlich überwiegend in die Jugend investieren. In Personal, in Trainer, in ein Jugendausbildungszentrum und in Infrastruktur. Bundesweit der schönste und beste Verein – SC Freiburg. Der SC hat sich entschlossen, ein Verein zu bleiben, der setzt auf die Jugend, auf Kompetenz, der hat ausgeschlossen, dass ausgegliedert wird. Ein Weg, der absolut akzeptiert wird."

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Stellt sich nun die Frage: Wann an die Deutsche Fußball Liga (DFL) an die Reform der 50+1-Regel ein Knopf dran gemacht wird. Laut Christoph Schickardt könnte das in wenigen Monaten der Fall sein. Voraussetzung für eine Novellierung der 50+1-Regel ist eine Satzungsänderung der DFL-Statuten. Diese kann nur von der Mitgliederversammlung der 36 Klubs der Bundesliga und 2. Liga beschlossen werden - und zwar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Ein hohe Hürde. Sollte diese genommen werden, sei das allein aber keine Garantie für eine sportlich erfolgreiche Zukunft, so Christoph Schickhardt. "Zu Geld muss Kompetenz kommen. In Norddeutschland gibt es einen ganz großen Verein, der mal zu den 20 ersten in Europa gehört hat und der sehr viel Geld eingesetzt hat und es kommt nichts dabei raus. Zu Geld muss Kompetenz kommen … unser Land drauf stolz sein."

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Thomas Bareiß
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