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Nachdem die Bundesliga-Klubs in der vergangenen Saison nur ein gutes Viertel ihrer Geister-Heimspiele gewinnen konnten, setzt sich der Trend auch in dieser Saison fort.

Obwohl bis zum 5. Spieltag zumindest in einigen Stadien wenige Zuschauer erlaubt waren, gab es in dieser Saison in nicht einmal jedem fünften Spiel einen Heimsieg. In der letzten Saison war es vor der Corona-Pause noch fast in jedem zweiten Spiel. Der Heimvorteil in der Bundesliga ist während der Corona-Pandemie also deutlich kleiner und bei den Teams im Südwesten lässt sich zurzeit überhaupt kein Vorteil mehr erkennen. In den 13 Heimspielen der Südwest-Teams konnte nur die TSG Hoffenheim einen Heimsieg feiern - ausgerechnet gegen den Rekordmeister Bayern München (4:1) am zweiten Spieltag.

Die Spieler der TSG Hoffenheim bejubeln das 2:0 gegen Bayern München durch Munas Dabbur. (Foto: Imago, imago images / ULMER Pressebildagentur)
Die Spieler der TSG Hoffenheim konnten bisher nur einen Heimsieg feiern - am zweiten Spieltag gegen die Bayern (4:1). Imago imago images / ULMER Pressebildagentur

Der VfB Stuttgart, SC Freiburg und Mainz 05 konnten noch kein Heimspiel gewinnen. Die Mainzer sind zwar in dieser Saison insgesamt noch ohne Sieg, aber Stuttgart (zwei Auswärtssiege), Freiburg und Hoffenheim (jeweils ein Auswärtssieg) waren bisher auswärts deutlich erfolgreicher.

Weniger Torschüsse für Heimteams und weniger Karten gegen Auswärtsteams

Aber hängt diese Heimschwäche der Vereine im Südwesten mit den fehlenden Zuschauern während der Corona-Pandemie zusammen? Mit 16 Spieltagen seit dem Corona-Restart Mitte Mai sei die Datenmenge in der Bundesliga für die Wissenschaft noch zu klein, sagt Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

"Es haben sich Prozesse während des Spiels wegen Corona verändert."

Daniel Memmert, Geschäftsführender Leiter des Institus für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule in Köln

Deshalb hat die Deutsche Sporthochschule 10.000 Spiele aus den europäischen Top-Ligen (1.000 Geisterspiele und 9.000 Spiele mit Fans) untersucht und festgestellt, dass sich in Europa der Heimvorteil nicht signifikant verändert habe. "Es haben sich aber Prozesse während des Spiels wegen Corona verändert", sagt Memmert. "Die Heimmannschaften haben - wenn keine Fans da sind - weniger Torschüsse und die systematische Vernachlässigung der Auswärtsteams durch den Schiedsrichter fällt weg." Denn mit Fans gebe es mehr Fouls, Gelbe Karten und Rote Karten gegen das Auswärtsteam als gegen das Heimteam. Während der Corona-Pandemie habe sich diese Zahl aber angeglichen. Außerdem scheinen ohne Zuschauer mehr Elfmeter getroffen zu werden, so Memmert.

Hochzeit der Heimsiege in der Bundesliga bis 1990

Der Heimvorteil nimmt aber bereits seit längerer Zeit ab. Denn besonders erfolgreich waren die Heimteams in der Bundesliga-Historie bis zur Saison 1989/90. In den ersten 27 Bundesliga-Saisons konnten die Teams bis auf eine Ausnahme immer über die Hälfte ihrer Heimspiele gewinnen. Seit der Saison 1990/91 gelang das aber nur noch in vier von 30 Saisons. Ansonsten lag der Anteil der Heimsiege immer unter 50 Prozent.

Ein Grund ist für Sportwissenschaftler Memmert der Angleichungsprozess in der Bundesliga: "In den Stadien ist alles ähnlich geworden: Der Rasen, die Bälle, die Hotels aber auch das mediale Interesse." Das führe dazu, dass der Heimvorteil im Allgemeinen seit längerer Zeit zurückgeht.

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