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Seit dem 28. März 1971 gibt es das "Tor des Monats" in der ARD Sportschau. Auch aus dem Südwesten gab es eine Vielzahl an Gewinner*innen, die mit akrobatischen, spektakulären, wichtigen oder sogar zeithistorischen Treffern glänzten. SWR Sport stellt einige davon vor. Heute: Bärbel Wohlleben, die als erste Frau gewann.

Bärbel Wohlleben ist eine echte "Fußball-Pionierin". Die mittlerweile 77-Jährige schnürte in den 1970er Jahren die Fußballschuhe für den TuS Wörrstadt - und das sehr erfolgreich. Phasenweise galt sie als "weiblicher Franz Beckenbauer". Mit den Rheinhessinnen krönte sich Wohlleben 1974 im Mainzer Bruchwegstadion durch ein 4:0 gegen die DJK Eintracht Erle zum ersten offiziellen Meister im Frauenfußball. Wohlleben gelang dabei das 3:0 - mit einer satten Direktabnahme aus knapp 20 Metern.

Eine Armkette aus Sterlingsilber

Dass es überhaupt soweit kommen konnte, war nicht selbstverständlich. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte - nach zähen Diskussionen und teilweise gegen erhebliche Widerstände - erst am 31. Oktober 1970 das Fußball-Verbot für Frauen aufgehoben. Noch nicht einmal vier Jahre später fand dann also die erste offizielle Deutsche Meisterschaft statt, die sich Wörrstadt mit Wohlleben als Spielführerin sicherte.

Für den Titel gab's damals eine schwere Armkette aus Sterlingsilber mit einem DFB-Abzeichen. Wenn man bedenkt, dass die deutsche Frauen-Nationalmannschaft für den EM-Titel 1989 ein Kaffeeservice als Prämie bekam, relativiert sich das Schmuck-Präsent, das Wohlleben und Co. bekamen.

Historisches Novum

Durch den "offiziellen Anstrich" seitens des DFB jedenfalls gab es 1974 für den Frauenfußball plötzlich eine viel größere Aufmerksamkeit. Diese "große Bühne" bekam auch Wohlleben zu spüren, denn ihr Treffer im Finale wurde später von den Zuschauern der ARD Sportschau zum "Tor des Monats" gewählt. Damit sorgte die Wörrstädterin für ein historisches Novum: Es war das erste mal, das eine Frau die begehrte Auszeichnung gewann. Sie ließ damals unter anderem Rüdiger Abramczik hinter sich. Bahnbrechend für den noch jungen Sport.

Angst um die Frisur?

Bei der Ehrung in der Sportschau wurde Wohlleben dann gefragt, ob sie bei Kopfbällen Angst um ihre Frisur habe. Heute gäbe es dafür wohl eine Empörungswelle, damals "war das die Denke", so die Frauenfußball-Pionierin: "Auch wenn ich mich zunächst gefragt habe, was die Frisur mit dem Kopfball zu tun hat." Auch ihre damalige Antwort würde heute wohl anders ausfallen: "Ich habe da anfänglich sehr viel Angst gehabt, aber ich habe dahingehend trainiert, dass es dann doch einigermaßen geht." Angegriffen habe sie sich aber nicht gefühlt, so Wohlleben heute.

Denn damals sei der breiten Öffentlichkeit gar nicht bekannt gewesen, "welche Leistungsfähigkeit Frauen haben", erzählt sie: "Das hat sich mit den neuen Generationen geändert. Junge Menschen, die mit einem ganz anderen Denken groß geworden sind und selbst auch anders denken."

"Da haste einmal den Ball richtig getroffen"

Das Tor jedenfalls spielt bis heute eine große Rolle für sie, immer wieder ist es ein Thema, immer wieder wird sie darauf angesprochen. "Da haste einmal den Ball richtig getroffen, schon verfolgt es dich dein ganzes Leben", erzählt die heute in Ingelheim lebende Wohlleben im Gespräch mit SWR Sport - mit einem Augenzwinkern.

Unlängst durfte Wohlleben in der Sonntags-Sportschau die Lose für das DFB-Pokal-Halbfinale ziehen - eine Reminiszenz an ihre historische Leistung. Denn so ist es nun einmal - sie wird für immer die erste Frau bleiben, die ein Tor des Monats erzielt hat.

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