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Fussball-Weltmeister 1990 in Italien und zweimal Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart. Guido Buchwald hat in seiner Spielerkarriere einiges erlebt. Am Sonntag feiert er seinen 60. Geburtstag. SWR Sport blickt zurück.

Es ist der 8. Juli 1990. Die deutsche Nationalmannschaft trifft im WM-Finale auf die argentinische Auswahl um Dribbelkünstler Diego Maradona. Mittendrin: Guido Buchwald, der schlaksige Innenverteidiger vom VfB Stuttgart. "Das war das wichtigste Spiel in meinem Leben", sagt Buchwald rückblickend über das Endspiel in Rom. Der damals 29-Jährige sollte den argentinischen Ausnahmekönner stoppen und dafür sorgen, dass hinten die Null steht. Der Plan ging auf, Buchwald gewann gegen Maradona und Deutschland gegen Argentinien. 85. Minute. Elfmeter. Andreas Brehme verwandelt. 1:0 - Deutschland ist Weltmeister.

Guido Buchwald grätscht Diego Maradona den Ball vom Fuß (Foto: Imago, Colorsport)
Knallhartes Duell um den Ball: Guido Buchwald (rechts) ließ Diego Maradona keine Chance. Imago Colorsport

WM-Triumph als Höhepunkt der Karriere für den "schwäbischen Diego"

Auch heute noch denkt Buchwald gerne an die Weltmeisterschaft in Italien zurück: "Es werden ganz wenige Leute Weltmeister und es ist das höchste Ziel überhaupt, was man erreichen kann als Fußballer. Man ist ganz oben und ein Teil von der Mannschaft, die am besten Fußball spielt in diesem Jahr. Und das ist natürlich ein Traum und auch der absolute Höhepunkt einer Karriere."

Buchwald steigerte sich von Spiel zu Spiel. Mit seinem eleganten Doppel-Übersteiger im Achtelfinale gegen die Niederlande (2:1) beeindruckte er auch seine Mitspieler. Einige nannten ihn danach "Diego" - wie den argentinischen Superstar. Niemand konnte ahnen, dass der schwäbische und der argentinische Diego tatsächlich im Finale gegeneinander spielen würden. Auf der einen Seite sehe er es inzwischen als richtige Auszeichnung an und "auf der anderen Seite, wenn ich irgendwo bin, egal ob in Italien oder woanders in Europa und man mich erkennt, dann fällt ihnen der Name Guido Buchwald eher selten ein, aber 'Diego' schreien sie dann sofort", so der WM-Held.

1984: Auf Anhieb Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart

Geboren wurde der "schwäbische Diego" am 24. Januar 1961 in Berlin. 1962 zog er mit seiner Familie ins schwäbische Wannweil nahe Reutlingen. Über den heimischen SV Wannweil und den TSV Pliezhausen landete Buchwald 1978 bei den Stuttgarter Kickers. Dort sammelte er bis 1983 seine ersten Profi-Erfahrungen in der zweiten Bundesliga. Zur Saison 1983/84 wechselte er quer durch Stuttgart von Degerloch nach Cannstatt zum VfB Stuttgart. Auf Anhieb wurde er zum Stammspieler in der VfB-Defensive und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Stuttgarter am Ende der Saison Deutscher Meister wurden.

Buchwalds Kopfballtor macht den VfB Stuttgart erneut zum Deutschen Meister

Acht Jahre später holte er mit dem VfB seinen zweiten Meistertitel. Am letzten Spieltag der Saison 1991/92 mussten die Stuttgarter gewinnen, um ihre Chance auf die Schale zu bewahren. Bis zur 86. Minute stand es 1:1 im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen. Dann sorgte Kapitän Guido Buchwald mit einem wuchtigen Kopfball für die umjubelte 2:1-Führung. Da Eintracht Frankfurt im Parallelspiel gegen Hansa Rostock mit 2:1 verlor war klar: Der Abwerhhühne wird erneut Deutscher Meister mit den Stuttgartern.

Der damalige Meister-Trainer Christoph Daum bezeichnet Buchwald rückblickend als "Teamplayer, der aber nicht nach vorne in die erste Reihe geprescht ist." Er habe dem Team immer Rückendeckung gegeben - in der Nationalmannschaft wie beim VfB. Im Club habe er "als Mannschaftskapitän nicht große Reden geschwungen". Aber wenn sich ein Spieler wichtiger genommen habe als der Verein, "dann hat Guido sich ihn gepackt", so Daum.

Wechsel nach Japan und Karriereende beim KSC

Nach elf Jahren und 387 Spielen im VfB-Trikot wechselte Buchwald zur Saison 1994/95 zum japanischen Erstligisten Urawa Red Diamonds. Sushi statt Spätzle für "Schwaben-Diego", der sich in der Millionen-Metropole Tokio aber sehr wohl fühlte: "Ich muss sagen die japanische Disziplin gefällt mir unheimlich gut und auch die ruhige Art, welche die Japaner haben. Das kommt der schwäbischen Mentalität ziemlich nahe."

Ohne einen gewonnen Titel verabschiedete er sich dreieinhalb Jahre später wieder aus Japan und schloss sich trotz seiner weiß-roten VfB-Vergangenheit dem Karlsruher SC an: "Der VfB hat kein Interesse gezeigt, sie haben ja eine sehr gute Mannschaft und haben mich dann nicht gebraucht." Obwohl es auch andere Angebote gab, entschied sich Buchwald auf Grund der kurzen Wege für die Badener. "Karlsruhe ist ja auch Baden-Württemberg, ich bleibe also im Ländle und das hat eigentlich den Ausschlag gegeben."

Auch nach der Spielerkarriere im Fußballgeschäft tätig

Nach seinem Karriereende beim KSC 1999, zog es ihn 2003 nach Japan zurück. Zuerst arbeite er als sportlicher Leiter, dann als Trainer. Nach zwei Pokalsiegen und dem Gewinn der japanischen Meisterschaft mit den Urawa Red Diamonds ging's zurück nach Deutschland. Auch heute noch schwärmt Buchwald von der japanischen Kultur: "Wenn man die Japaner richtig kennt, wenn man in die Kultur reingeht, dann ist das ein ganz tolles Land und eine ganz tolle Bevölkerung, deshalb habe ich mich unheimlich wohl gefühlt."

Nach seiner Rückkehr arbeitete Buchwald zwischen 2010 und 2013 in verschiedenen Funktionen bei den Stuttgarter Kickers. Danach war er von 2017 an knapp zwei Jahre Aufsichtsratmitglied beim VfB Stuttgart und scheiterte dort 2019 mit seiner Kandidatur für das Präsidentenamt. Eigentlich hätte der zweifache Familienvater also genügend Zeit, um seinen 60. Geburtstag gebührend zu feiern. Doch die Corona-Pandemie macht auch ihm einen Strich durch die Rechnung, weshalb er sein großes Geburtstagsfest gemeinsam mit Freunden und alten Wegbegleitern in einem Jahr nachholen möchte.

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