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Winfried Schäfer war einst Coach des Karlsruher SC in dessen erfolgreichster Phase. Zuletzt wurde er zum "Trainer-Weltenbummler", arbeitete unter anderem im Iran, in Aserbaidschan und ist derzeit in Abu Dhabi tätig. Vor seinem 70. Geburtstag am Freitag ist ein Ende seiner Laufbahn nicht in Sicht.

Wer Winfried Schäfer in diesen Tagen sprechen will, muss ihn vermutlich direkt in Abu Dhabi treffen. Die zahlreichen Anrufe kurz vor seinem 70. Geburtstag am Freitag werden schließlich stets von einer monotonen Frauenstimme der Mailbox beantwortet, Schäfer ist ja noch immer viel beschäftigt.

Fast zwölf Jahre beim KSC

Dass ausgerechnet der im rheinland-pfälzischen Mayen geborene Schäfer zu einem der größten Weltenbummler unter den deutschen Fußball-Trainern würde, hätte er am 25. März 1998 wohl selbst nicht erwartet. Nach fast zwölf Jahren war damals gerade sein Engagement beim Karlsruher SC zu Ende gegangen, bis heute die viertlängste Amtszeit der Bundesliga-Historie. Es war die erfolgreichste Phase in der Geschichte des KSC.

Schäfer lockt(e) das Abenteuer

Und Schäfer lockte das Abenteuer - er begann eine Reise um den Globus, die kurz vor seinem Ehrentag noch lange nicht beendet scheint. Denn auch in einem Alter, in dem andere längst den wohlverdienten Ruhestand genießen, steht "Winnie" Schäfer noch immer engagiert an der Seitenlinie. Zurzeit arbeitet er als Chefcoach von Baniyas SC aus Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Rente noch kein Thema

"Trainer kennen kein Alter", sagte er einst und hielt dann ein flammendes Plädoyer für alle etwas reiferen Fußball-Lehrer: "Wir bringen so viel Erfahrungen mit, die kann niemand anderer mitbringen." Ohnehin will Schäfer vor allem zugunsten des Familienfriedens das Thema Rente noch ein bisschen hinten anstellen.

Ausschließlich zu Hause im nordbadischen Ettlingen zu sein, könne er seiner Frau Angelika "nicht zumuten", meinte er mit einem Augenzwinkern. "Mit der Zeit werde ich unerträglich, wenn ich nicht arbeite", bekennt er: "Zu Hause nur die Spülmaschine auszuräumen, das wäre nichts für mich. Ich bin einer, der gerne arbeitet."

Glücklos beim VfB Stuttgart

Und so bereist der Trainer mit der einst so feurig rotblonden, inzwischen aber längst weißgrauen Haarmähne eben im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit die Welt. Nach seinen Engagements in Deutschland beim KSC, eher glücklos beim VfB Stuttgart und Tennis Borussia Berlin coachte er die Nationalmannschaften von Kamerun, Thailand und Jamaika, war dazu Klubtrainer bei Esteghlal Teheran im Iran, bei FK Baku in Aserbaidschan oder auch bei Al-Ahli Dubai und Al-Ain in den VAE.

Dabei hat sich Schäfer, als Spieler einst Meister mit Borussia Mönchengladbach, einen hervorragenden Ruf als Fachmann mit Feingefühl für verschiedene Kulturen erarbeitet und nebenbei große Erfolge gefeiert. So gewann er mit Kamerun 2002 den Afrika-Cup und führte die "unbezähmbaren Löwen" zur WM, die jamaikanischen "Reggae Boyz" erreichten unter ihm 2015 dass Endspiel des Gold Cups und in Teheran feierte er einen Triumph im Pokalwettbewerb.

Bei Baniyas SC ist aktuell eher Aufbauarbeit gefragt, die mit Abstand jüngste Mannschaft der Liga rangiert mit nur zwei Saisonsiegen im unteren Tabellendrittel.

In Karlsruhe ein Talenteentwickler

Dass er auch das kann, hat Schäfer allerdings schon in Karlsruhe bewiesen, wo unter anderem die großen Karrieren von Oliver Kahn, Mehmet Scholl oder Jens Nowotny unter ihm ihren Anfang nahmen. Und ihm ein denkwürdiger Fauxpas unterlief. 1995 hatte er gegen Bayer Leverkusen trotz der Warnung des Stadionsprechers einen vierten Ausländer eingewechselt. Das war damals noch irregulär. Eine ähnliche Unaufmerksamkeit dürfte ihm heute nicht mehr passieren.

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