Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München (Foto: imago images, IMAGO / Future Image)

Aus Ulm zum Ehrenpräsident des FC Bayern

Uli Hoeneß wird 70: Warum er sich als "Glückskind" sieht

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Uli Hoeneß prägt schon mehrere Jahrzehnte den deutschen Fußball: Als Weltmeister von 1974 formte er später den Rekordmeister FC Bayern München als Funktionär. Am 5. Januar wird er 70 Jahre alt, aber der Fußball lässt ihn nicht los.

"Liebe oder Fußball?" Als 17-Jähriger hat Uli Hoeneß auf diese Frage schon eine klare Antwort: "Ich würde Fußball wählen", sagte er damals. Ob das heute immer noch seine Antwort wäre - ungewiss. Fakt ist aber, dass er den Rückhalt seiner Familie sehr schätzt: "Ich habe eine tolle Familie. Ohne sie wäre das Ganze im Fußball nicht möglich gewesen."

Seine Jugendliebe Susi habe ihm immer den Rücken freigehalten und wohl auch zum Rücktritt als Bayern-Boss gedrängt: "Speziell meine Frau hat mich natürlich schon relativ lange immer wieder beim Frühstück daran erinnert, dass sie ja eigentlich auch mal paar Rechte haben wollte oder paar mehr Zeit mit mir verbringen wollte."

Der Wunsch scheint nachvollziehbar, wenn man darauf schaut, wie Uli Hoeneß den deutschen Fußball und speziell den FC Bayern München geprägt hat. Als Spieler war er zunächst für die TSG Ulm 1846 in der Amateurliga im Einsatz. 1970 wechselte er zum FC Bayern München, mit dem er die größten Erfolge als Fußball-Profi feierte: mehrfacher Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, Europa- und Weltpokalsieger. Zudem ist er Europameister 1972 und Weltmeister 1974.

Wegweiser beim FC Bayern

Verletzungsbedingt beendete Hoeneß seine aktive Karriere schon mit 27 Jahren und stieg als Manager beim FC Bayern ein. Der damals jüngste Manager in der Geschichte der Fußball-Bundesliga prägte daraufhin den Verein wie kein Zweiter - als Manager, Vorstandsmitglied und Vereinspräsident hat er den FC Bayern an die international Spitze geführt. Der Rekordmeister gewann mit Hoeneß als Manager oder Präsident mehrfach die Deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal und wurde beispielsweise 2001, 2013 und 2020 Champions League-Sieger.

Haftstrafe und Steuerhinterziehung

Doch es gab nicht nur Höhen in seinem Leben - 2015 wird Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe verurteilt: "Das ist auf jeden Fall ein Makel", beschreibt er es, die Zeit in Haft habe ihn sehr geprägt: "Ich habe große Demut darüber empfunden, wie das Leben so sein kann. Ich habe gelernt, mich über Kleinigkeiten zu freuen, mit ganz Wenigem Glücksmomente zu erleben. Ein Vollzugsbeamter hat mir mal eine Butterbrezn geschenkt, das war ein Luxusgut." Die Zeit im Gefängnis habe ihn stark geprägt, "und ich glaube, auch noch stärker gemacht."

Jetzt ist er seit zwei Jahren (meinungs-)starker Ehrenpräsident beim FC Bayern. Seine Ratschläge sind weiterhin gefragt: "Natürlich bin ich zur Stelle, wenn mein Nachfolger Herbert Hainer etwas besprechen möchte. Hasan Salihamidzic lädt mich oft zum Kaffeetrinken ein."

Hoeneß zu Katar-Streit: Tendenz zur Verlängerung

Zu besprechen gab es mit Sicherheit auch vieles nach der Jahreshauptversammlung Ende November. Das Streit-Thema Katar hatte zu heftigen Kontroversen zwischen der Bayern-Führung und einem Teil der Fans und Mitglieder gesorgt. Ob er die Partnerschaft mit Qatar Airways über 2023 hinaus verlängern würde, wurde er in einem Interview anlässlich seines 70. Geburtstages gefragt? Er habe das nicht zu verantworten, antwortete er, und weiter: "Ich persönlich würde zu einer Verlängerung tendieren, wenn wir das Gefühl haben, dass wir mit dieser Partnerschaft einen Beitrag leisten können, dass sich die Dinge vor Ort verbessern und weiter verbessern werden."

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Vertragsverlängerung für Neuer, Lewandowski und Müller?

In Bezug auf das Sportliche hat der 70-Jährige seinen FCB natürlich weiterhin immer im Blick. Er sei "total happy", dass sie Julian Nagelsmann als Trainer bei den Bayern haben. "Was mir besonders gut gefällt, ist, dass es ihm gelingt, fast jeden Spieler besser zu machen - und so die Mannschaft." Für die FCB-Leistungsträger Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Thomas Müller wünscht er sich einen Vertragsverlängerung über den Sommer 2023 hinaus. Er könne sich derzeit die Jahre 2024 und 2025 ohne dieses Trio nicht vorstellen.

Glückskind und große Feier im Sommer

Seinen Ehrentag wird Uli Hoeneß entspannt angehen: "Wir sind zuhause. Mein Bruder Dieter wird kommen. Wir werden die Regeln einhalten, kleiner Kreis, ein schönes Essen, das war's." Gleichzeitig kündigt er an, die Feier werde nachgeholt: "Meine Frau Susi wird auch 70 im kommenden Juni. Und wenn dann die Verhältnisse so sind, wie wir uns das vorstellen, gibt es ein Riesenfest im privaten Bereich. Man muss auch mal innehalten, zurückblicken und mit Freunden feiern."

Zurückblicken wird Uli Hoeneß auf 70 ziemlich intensive (Fußball-)Jahre. Dann komme er zu dem Schluss: "Natürlich bin ich ein Glückskind, wenn ich zum Beispiel alleine daran denke, dass ich mal als Einziger einen Flugzeugabsturz überlebt habe (1982)."

Liebe oder Fußball?

Als 17-Jähriger hat er auf die Frage "Liebe oder Fußball?" geantwortet: "Fußball". Als 70-Jähriger, der immer noch mit seiner Jugendliebe Susi zusammen ist, könnte man auf die Idee kommen, dass er mit seinem Lebenswerk eine andere Antwort gegeben hat: Liebe und Fußball. Happy Birthday, Uli Hoeneß!

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