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Schlusssprint in der Bundesliga: Die Vereine müssen die letzten zwei Spieltage in Hotel-Quarantäne. Die Regeln sind streng, dennoch wird auch über die Abendgestaltung gegrübelt.

Ausgerechnet im Hoheitsgebiet des einstigen Rivalen Stuttgarter Kickers bezieht der VfB Stuttgart Quartier. Im Waldhotel in Degerloch nächtigt der VfB-Tross für die nächsten zehn Tage.

Für die letzten beiden Spieltage müssen alle 36 Profiklubs aus der 1. und 2. Liga ab 12. Mai in ein "Quarantäne-Trainingslager" Zuletzt gab es aufgrund von Corona-Fällen immer wieder Spielabsagen - das möchte die Deutsche Fußball Liga (DFL) vermeiden. Die Saison soll mit Blick auf die EM im Juni regulär beendet werden.

Spieler, Trainer und Betreuer dürfen bis zum letzten Spieltag (1. Liga: 22. Mai, 2. Liga: 23. Mai) nur untereinander Kontakt haben. Familie und Freunde treffen: strengstens verboten. Auch der Kontakt zum Personal in den Hotels soll vermieden werden. Zusätzlich gelten weiterhin alle Vorgaben des Hygienekonzepts der DFL.

Streich über Brettspiele: "Weiß nicht, ob das allen bekannt ist"

Jeder Spieler beim VfB hat ein Einzelzimmer. Für abendliche Unterhaltung ist gesorgt - Brettspiele und Playstation stehen bereit.

Der SC Freiburg hingegen quartiert nicht in direkter Stadionnähe, sondern in einem Hotel im 30 Kilometer entfernten Windem im Elztal. Auch sie werden das ein oder andere Brettspiel als Abendgestaltung nutzen, wenngleich Trainer Christian Streich befürchtet, zuerst bei den Grundlagen anfangen zu müssen: "Ich weiß nicht, ob allen Jungs das noch in dem Alter bekannt ist, dass man die Sachen auch ausklappt und auf einen Tisch stellt. Ich geh davon aus, dass bei einem nicht geringen Teil das meiste auf einem Display abläuft. Ist ja alles programmierbar, von Schach bis zu Dame."

Ob Basketball, Tischtennis oder einen Spaziergang im Elztal: "Ich geh davon aus, dass es uns nicht langweilig wird", so Streich.

"Wir gehen auch nicht tanken"

Das VfB-Team wird die meiste Zeit auf dem VfB-Trainingsgelände verbringen. Gemeinsames Frühstück - zwei Einheiten pro Tag, Abendessen - anschließend geht es mit Privatautos wieder ins Hotel. "Wir gehen auch nicht tanken, wir gehen nicht einkaufen. Das wird im Vorfeld erledigt", verriet Trainer Pellegrino Matarazzo.

Non-Stop aufeinander sitzen

Die TSG Hoffenheim - von Corona-bedingten Ausfällen so stark betroffen wie kaum ein anderer Bundesligist - hat sich für ein Hotel in der Nähe des Stadions entschieden.

Auch die TSG packt zum Saisonendspurt die Brettspiele aus: "Natürlich werden wir da zehn Tage Non-Stop aufeinander sitzen und da muss man sich vorher schon Gedanken machen, wie man die Zeit so angenehm und kreativ wie möglich miteinander verbringt", sagt TSG-Trainer Sebastian Hoeneß.

Mit letztem Aufbäumen in die Quarantäne

Seit Montag, 3. Mai, durften sich Profis, Trainer und Betreuer aller Klubs der 1. und 2. Liga sowieso nur im häuslichen Umfeld, auf dem Trainingsgelände oder im Stadion aufhalten. Die letzten zehn Tage halte man nun auch die verschärften Regeln durch, sagt Mainz-Sportdirektor Martin Schmidt. "Man hat auch gewisse Freiheiten, man kann ein bisschen raus, man kann in den Park, Fahrrad fahren und man kann ja jeden Tag auf dem Platz trainieren."

Die Mainzer verbringen die Quarantäne wie im letzten Jahr auch im Favorite Parkhotel direkt am Mainzer Stadtpark. In diesem Hotel feierte Mainz schon Aufstiege und übernachtet dort auch immer vor Heimspielen. Während des Quarantäne-Trainingslagers pendeln sie von dort aus zum fünf Kilometer entfernten Trainingszentrum am Bruchwegstadion.

Während es für Freiburg, Stuttgart und Hoffenheim um nichts mehr geht, kann Mainz noch rein rechnerisch auf den Relegationsplatz abrutschen. "Wir gehen mit letztem Aufbäumen in die Quarantäne rein und wollen es am nächsten Wochenende finalisieren", so Schmidt über das Ziel Klassenerhalt.

In der 2. Liga ist der KSC längst gesichert, ganz anders der SV Sandhausen: Sie sind akut abstiegsgefährdet, nur ein Punkt trennt den SVS von Platz 17. Vielleicht helfen Brettspiele ja nicht nur bei der Freizeitgestaltung, sondern auch im Abstiegskampf.

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