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Die Fußball-Bundesliga plant schon den "Tag X" - der Tag, an dem der Ball wieder rollen wird. Eine mögliche Wiederaufnahme der Saison wurde von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zuletzt für Anfang Mai avisiert. Lasst die Profis kicken, Geld verdienen und sich selbst retten, findet SWR-Sportredakteur Thomas Wehrle.

Ich bin dafür, dass demnächst wieder Fußball gespielt wird. Geisterspiele sind sicher nicht super sexy, aber besser als gar kein Fußball. Hier geht es nicht um das Kicken in all seinen Facetten vom Freizeitkick über die Amateurligen bis zur Bundesliga. Hier geht es ausschließlich um den Profisport und damit ums Geschäft.

Die Fans werden fehlen: Aber noch schlimmer wäre gar kein Fußball mehr

Die Profivereine produzieren ein Produkt, das heißt Bundesligafußball. Und wenn sie ihr Produkt nicht produzieren können, dann brechen ihnen massiv Einnahmen weg. Je länger die Ligen keine Spiele produzieren können, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Vereine Pleite gehen, dass am Ende der gesamte Profifußball nicht überleben kann. Das wird die Multimillionäre in kurzen Hosen sicherlich hart treffen, noch härter aber fast 60.000 Menschen, die Tickets oder Trikots verkaufen, auf Geschäftsstellen arbeiten oder sonst irgendwie kleines Geld rund um den großen Fußball verdienen.

Geisterspiele sichern Fernsehgelder und damit für die meisten Clubs in erster und zweiter Liga wohl das Überleben. Fast 20 Millionen Fans haben die Spiele der beiden Ligen in den Stadien zuletzt pro Saison verfolgt. Diese Fans werden fehlen, ihr Jubel, ihre Gesänge, ihre Verzweiflung angesichts des Videobeweises. Ihre Umsätze von Bier und Bratwürsten werden fehlen. Das ist alles schlimm genug. Aber noch schlimmer wäre gar kein Fußball mehr.

Der Staat wird allen anderen Sportarten helfen müssen zu überleben – und vielen Kickern von der dritten Liga abwärts. Sonst werden wir nach der Krise unsere Sportwelt nicht wieder erkennen. Deshalb lasst die Profis kicken, Geld verdienen und sich selbst retten. Außerdem ist jedes Geisterspiel  für mich spannender als ein Kick aus dem Archiv. Keiner weiß nämlich, wie es ausgeht. Und auch deshalb bin ich dafür. Das ist nämlich genau wie beim richtigen Fußball!

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