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Am kommenden Wochenende ist es soweit: Der Ball rollt in der Bundesliga und in der 2. Liga wieder. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) setzte sich letztlich dank eines ausgearbeiteten und hochgelobten Hygienekonzepts und auch dank viel Lobbyarbeit mit ihrem Plan durch, den Spielbetrieb aus finanziellen Gründen möglichst rasch wiederaufzunehmen. Doch der "Fall Dresden" zeigt, wie schnell es dabei zu Wettbewerbsverzerrung kommen kann - und wie hoch das Risiko für die Spieler ist. Daher sollte man die Saison abbrechen, findet SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.

Wegen zweier auf das Coronavirus positiv getesteter Spieler steht bereits vor dem Re-Start der 2. Bundesliga fest, dass die ersten beiden Spieltage ohne Beteiligung von Dynamo Dresden stattfinden werden. Das gesamte Team der Sachsen muss samt Trainern und Betreuern in eine zweiwöchige Quarantäne. Logisch, dass in dieser Zeit kein Mannschaftstraining möglich ist.

Eine krasse Wettbewerbsverzerrung

Nach Ablauf der Quarantäne muss Dynamo zum Tabellenersten aus Bielefeld reisen - es bleiben nur wenige Tage Vorbereitungszeit, da die DFL mit einer Englischen Woche (Spieltermine 26./27. Mai) plant. Direkt danach kommt der VfB Stuttgart als Tabellenzweiter nach Dresden - wiederum ist fast kein Training vorab möglich.

Da ist die Chancengleichheit bei den Rahmenbedingungen - eine der Prinzipien im Wettkampfsport - nicht mehr gegeben. Der Substanzverlust dürfte für die Sachsen so groß sein, dass eine sportliche Augenhöhe unmöglich scheint. Der Home-Trainer ersetzt kein koordiniertes Mannschaftstraining.

Dazu kommt die Gefahr, dass sich die Spieler verletzen, weil sie ohne spezifische Vorbereitung sofort in den Wettkampfmodus schalten müssen. Einige Profis ängstigen sich deswegen, so wie Marc Lorenz vom Karlsruher SC. Der Mittelfeldspieler warf der DFL vor, ihre Agenda "ohne Rücksicht auf Verluste" - sprich die Spielergesundheit - durchziehen zu wollen.

Die Dunkelziffer an Spielern mit Bedenken, die aber öffentlich den Mund halten, dürfte um einiges höher sein. Es scheint auch nicht durchdacht: Was, wenn ein Profi sich eine karrierebedrohende Verletzung zuzieht, weil er nicht austrainiert ist, aber im Spiel über seine Leistungsgrenze hinausgehen muss?

Oder, noch viel schlimmer, wenn er sich mit dem Coronavirus infiziert und dadurch Schäden davonträgt, möglicherweise sogar langfristige oder lebensbedrohliche? Wer haftet in so einem Fall? Und ist dieses Risiko noch vertretbar?

Dauer

Viele offene Fragen

Es sind noch weitere Fragen offen: Was ist, wenn es in der Bundesliga während des laufenden Betriebs zu positiven Corona-Fällen kommt? Wenn Meisterschaft, das Rennen um die Champions-League-Teilnahme oder der Abstiegskampf betroffen sind? Wird eine Verzerrung des Wettbewerbs billigend als "Kollateralschaden" in Kauf genommen?  Mit juristischen Streitereien wäre in diesem Fall zu rechnen.

Auch ein "Spielplan-Puzzle", mit zahlreichen Verschiebungen und Nachholspielen, dürfte das Produkt Profifußball nachhaltig beschädigen, das durch Geisterspiele ohnehin nicht sonderlich attraktiv erscheint. Es droht gar zu einer Farce zu werden. Und noch mehr Fans würden sich womöglich abwenden.

Die Zeit ist noch nicht reif

Nein, so macht das keinen Sinn. Faire Ergebnisse kämen so nicht zustande. Es geht für die DFL und die Klubs um viel Geld - um den eigentlichen Sport geht es nur noch am Rande. Ein Durchpeitschen des Spielplans bis zum 30. Juni - komme was wolle - wäre ein reiner Selbstzweck, ohne Rücksicht auf Verluste.

Und, noch wichtiger, es geht um die Gesundheit von Menschen. Diese sollte oberste Priorität haben. Deshalb sollte man das Experiment jetzt beenden und einsehen, dass man zwar alles versucht hat, die Zeit dafür aber noch nicht reif ist.

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