Lea Wagner (Foto: IMAGO, IMAGO / Pressefoto Baumann)

WM | Katar

Nationalmannschaftsreporterin Lea Wagner über die ersten Eindrücke aus Katar

STAND
REDAKTEUR/IN
SWR

SWR-Moderatorin Lea Wagner ist ganz nah dran an der WM in Katar. Für die ARD befindet sie sich derzeit in Doha am deutschen Quartier. SWR1-Stadion-Moderator Kersten Eichhorn hat sie zu ihren ersten Eindrücken befragt. Ein Kollegengespräch:

Kersten Eichhorn: "Es scheint ganz schön heiß zu sein in Katar, wie fühlt es sich an?"

Lea Wagner: "Ja es ist schon ziemlich warm, aber es ist eine ganz andere Hitze als zum Beispiel vergangenes Jahr in Tokio. Nicht ganz so schwül, nicht ganz so feucht, deshalb finde ich es recht erträglich. Ich war gestern auch beim Mannschaftsquartier der deutschen Mannschaft. Und dort in der Wüste ist es sehr sehr flach, es gibt wenige Bauten und da kommt der Wind ganz gut an. Mit dem Wüstenwind ist die Hitze sehr gut erträglich. Aber ich muss natürlich auch nicht auf dem Platz schuften."

Kersten: "Also durchaus angenehm, dieser arabische Winter?"

Lea: "Ja, kann man schon sagen. Ich bin sowieso ein Mensch, der besser mit Hitze als mit Kälte umgehen kann. Aber um 16 Uhr ist die Sonne eben noch nicht untergegangen und es wird dann doch schon warm auf dem Platz."

Kersten: "Für Hansi Flick ist es die erste WM als Bundestrainer, unser Mann aus Bammental. Wie gibt er sich? Locker oder angespannt?"

Lea: "Ich finde sehr locker, gelöst. Er wirkt wirklich entspannt, auch nicht irgendwie aufgesetzt. Nach dem Spiel war ich gespannt wie er sich gibt. Ich habe länger mit ihm gesprochen und er war zufrieden. Er hat gesagt 'Zweck erfüllt'. Ich hab ihn gefragt ob es eher eine Personalprobe als eine Generalprobe war. Und da hat ja vor allem Niklas Füllkrug diesen Zweck des Spiels ganz gut erfüllt."

Kersten: "Jetzt sind sie also in Katar. Die Nationalmannschaft war selten so abgeschieden untergebracht, in einem Wellness-Resort. Wie sieht es da aus?"

Lea: "Von außen sieht man nichts. Es ist wirklich eine Wüste. Man fährt recht lange auf einer sehr guten vierspurigen Autobahn, dann kommt ein kleines Dorf und danach führt die Straße direkt zum Hotel der deutschen Mannschaft. Das sehr sehr gut bewacht ist, das Ziel war ja, von diesem Großstadtrummel ein bisschen Ruhe zu haben. Ich habe vorher nochmal mit dem DFB-Sprecher gesprochen. Was machen die so an einem freien Tag? Man kann Paddle-Tennis spielen, ein bisschen in den Pool gehen. Das Meer ist eher nichts zum Baden, das ist zu matschig. Aktuell bin ich gerade im Trainingsgelände, wo die Pressekonferenzen stattfinden, und das ist schon ein bisschen kurios. Es wirkt ein bisschen wie eine richtige Burg, das dient wohl zum Schutz gegen den Wüstensand. Aber ich bin schon gespannt, wie es dann auf dem Platz ist. Denn die Mauern bewirken natürlich, dass sich die Hitze dann auch staut."

Kersten: "Wie hast Du dich denn auf diese WM vorbereitet?"

Lea: "Natürlich die ganze Saison über. Es ist ja unser täglich Brot. im Fußball up to date zu sein, sich da einzulesen, mit vielen Leuten zu sprechen, viele Spiele zu sehen. Dann kennt man ja die meisten Nationalspieler persönlich und weiß einiges über sie. Die Woche vorher habe ich natürlich versucht, mich nochmal freizuräumen und einzulesen. Aber nicht nur sportlich, sondern eben auch kulturell. Diese ganze sehr gute Begleitberichterstattung über die Menschenrechtslage und über die Arbeitsbedingungen - da wurde ja wirklich viel geschrieben, das hab ich mir natürlich alles besorgt und habe mich da eingelesen. Aber ich muss sagen, wenn man dann vor Ort ist, das schlägt natürlich überhaupt nichts. Weil man da nochmal ganz andere Dinge mitbekommt und Dinge anders wahrnimmt.

Kersten: "Katar, die umstrittenste WM aller Zeiten - wie empfindest Du die Stimmung dort, im WM-Land?"

Lea: "Was mir aufgefallen ist - aber ich bin auch erst seit zwei Tagen hier, davor waren wir ja im Oman - ich hatte das Gefühl, dass es sehr viel internationaler ist. Im Oman war man schon sehr in der Minderheit, wenn man dort westliche Klamotten trägt. Ich würde sagen mindestens 80%, wenn nicht 90% tragen diese typischen Gewänder und die Frauen auch Kopftücher. Gelandet in Katar war es ganz anders. Viele tragen dann doch eher westliche Kleidung. Wie gesagt, sehr international. Die Leute, mit denen ich bisher ins Gespräch kam, die kamen nicht aus Katar. Ich habe gestern mit einem Tunesier gesprochen, mit einem Libanesen, eine Frau kam aus Indien. So richtig Kataris, mit denen bin ich noch gar nicht in Kontakt gekommen."

Kersten: "Das heißt bisher noch kein Unbehagen, als Reporterin, als junge Frau in diesem so umstrittenen Land?"

Lea: "Nein, das definitiv nicht. Ich war gestern Abend, nach der Arbeit, so gegen 20 Uhr - und es ist ja kurz vor fünf Stockdunkel - noch joggen im Viertel. Mir ist das immer total wichtig, die Gegend zu Fuß zu erkunden und zu wissen, wo man da untergebracht ist. Sonst fährt man ja vom Hotel auf direktem Wege zu den Arbeitsstätten. Da bin ich sechs Kilometer durch die Gassen gelaufen. im Stockdunkeln. Und hab mich nicht einen Moment unsicher gefühlt. Was ich wichtig finde ist, dass man sich kulturell ein bisschen anpasst, was die Sommerkleidung angeht als Frau. Dass man die Schultern bedeckt, dass man die Knie bedeckt. Mir kam es bisher nicht so vor, dass ich komisch angesehen wurde.

STAND
REDAKTEUR/IN
SWR

Mehr Fußball

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Urteil gegen VfB-Profi Silas ist da - Verfahren ist abgeschlossen

Silas Katompa Mvumpa vom VfB Stuttgart muss 50.000 Euro an mehrere sozialen Einrichtungen zahlen. Gegen den Strafbefehl aus dem Dezember hatte der Kongolese Einspruch eingelegt.

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Er kam, sah und traf: VfB-Neuzugang Gil Dias

Erst am Montag gab der VfB Stuttgart die Verpflichtung des portugiesischen Stürmers Gil Dias bekannt. Bereits einen Tag später wurde der 26-jährige Neuzugang zum Pokal-Helden für die Schwaben.

SWR Aktuell am Morgen SWR Aktuell

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Rekord-Eigentor, Debüt-Treffer, Entscheidung in der Schlussekunde - VfB erreicht Viertelfinale

Ein rekordverdächtiges Eigentor, ein traumhafter Einstand des Neuzugangs - und am Ende der erste Sieg unter Bruno Labbadia: Der VfB Stuttgart steht im Viertelfinale des DFB-Pokals.

SWR Aktuell am Morgen SWR Aktuell