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Bayerns Erfolgsgarant heißt Hansi Flick. Mit dem Champions-League-Triumph ist der 55-Jährige aus Bammental in der Kurpfalz auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt. Ein Portrait des Unschlagbaren.

Matchwinner Kingsley Coman und Altmeister Thomas Müller wussten, bei wem sie sich nach dem zweiten Münchner Triple-Triumph zu bedanken hatten. Mit Hilfe einiger weiterer Bayern-Stars schnappten sie sich nach dem Coup gegen Paris St. Germain Meistermacher Hansi Flick und warfen ihren Trainer immer wieder in den Nachthimmel von Lissabon.

Mit der richtigen Mischung aus Sachlichkeit, Zurückhaltung und Empathie kann der Menschenfänger Hans-Dieter "Hansi" Flick nach dem Triple-Triumph eine neue Ära prägen. "Er hat einen ganz großen Anteil", sagte Kapitän Manuel Neuer über den gebürtigen Heidelberger Flick, der mit der Hereinnahme von "King" Coman in die Startelf ein goldenes Händchen bewiesen hatte.

Das Gefühl der Unschlagbarkeit - dank Flick

"Dagegen kann man wenig sagen", entgegnete Flick, angesprochen auf seine Entscheidung pro Coman, mit einem Schmunzeln, ehe er wieder in die für ihn typische Sachlichkeit verfiel: "Es war aber ein Mannschaftserfolg. Wir können stolz sein auf die Jungs." Und sie waren es auf ihn. Es habe ihm "noch nie so viel Spaß gemacht, in einer Mannschaft zu spielen wie jetzt", schwärmte Neuer nach dem 1:0 gegen PSG. Flick, betonte Joshua Kimmich, habe dem Team "von Anfang an ein sehr gutes Gefühl und sehr viel Vertrauen gegeben. Wir hatten ein Gefühl der Unschlagbarkeit" - dank Flick.

Hansi Flick als Spieler des FC Bayern mit der Meisterschale (1987) (Foto: Imago, imago images / Horstmüller)
Seine Spielerkarriere als Profi begann Hansi Flick 1982 beim Oberligisten SV Sandhausen. Nach drei Spielzeiten wechselte er in die Bundesliga zum FC Bayern München, für den er über 100 Bundesligaspiele absolvierte. In den fünf Jahren, die Flick (links) bei den Münchenern spielte, gewann er viermal die deutsche Meisterschaft und einmal den DFB-Pokal. Imago imago images / Horstmüller Bild in Detailansicht öffnen
1990 wechselte der gebürtige Heidelberger zum 1. FC Köln und stand bei den Geißböcken drei Jahre unter Vertrag. Zahlreiche Verletzungen zwangen ihn jedoch letztendlich zur Sportinvalidität. Zwischen 1994 und 2000 spielte Flick (5. v.r.) noch für seinen Heimatverein FC Victoria Bammental in der Oberliga Baden-Württemberg, seit 1996 agierte er als Spielertrainer. Imago imago images / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Im Jahr 2000 erhielt Flick (rechts) einen Anruf von Dietmar Hopp, der den jungen Trainer zum aufstrebenden Nachbarklub TSG Hoffenheim holte. Mit der TSG stieg Flick in die Regionalliga Süd auf und sorgte auch im DFB-Pokal beim 3:2 Sieg gegen den Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen für Aufsehen. Nach mehrmaligem Scheitern beim Versuch, in die 2. Liga aufzusteigen, wurde Flick im November 2005 aus seinem Traineramt entlassen. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Ein dauerhaft prominentes Profil als Trainer erhielt Flick (rechts) ab dem 23. August 2006, als er zum Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw berufen wurde. Flick etablierte sich über Jahre als loyaler und fachkundiger Partner Löws und erarbeitete sich auch in der internationalen Szene einen ausgezeichneten Ruf. Die Krönung des gemeinsamen Wirkens: Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014. Imago imago images / Laci Perenyi Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem WM-Triumph 2014 gab Flick sein Amt als Co-Trainer der Nationalmannschaft auf und wechselte zum 1. September 2014 auf den Posten des DFB-Sportdirektors. Dort sorgte er für neue Strukturen und stellte vor allem im Jugendbereich wichtige Weichen für die Zukunft. Seinen Fünfjahres-Vertrag erfüllte er jedoch nicht und verließ den DFB im Januar 2017 auf eigenen Wunsch. Imago imago images / Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Nach einem knappen halben Jahr Pause stieg Flick im Juli 2017 als neuer Geschäftsführer bei der TSG Hoffenheim ein. Bei den Kraichgauern wurde der heute 55-Jährige aber nicht glücklich und beendete die Zusammenarbeit im Februar 2018 bereits nach acht Monaten wieder. Danach wurde es ruhig um den Kraichgauer. Doch dann folgte im Jahr 2019 das Comeback. Es sollte ein gelungenes werden. Imago imago images / DeFodi Bild in Detailansicht öffnen
Im Sommer des vergangenen Jahres stieg Flick wieder ins Fußball-Geschäft ein und wurde zur Saison 2019/2020 Co-Trainer von Niko Kovac beim FC Bayern München. Als dieser im Herbst 2019 vom Verein entlassen wurde, übernahm Flick am 4. November als Interimstrainer. In den folgenden Monaten zeigte der gebürtige Heidelberger, dass er beim FC Bayern jedoch weitaus mehr als eine Übergangslösung ist. Imago imago images / Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Flick formte die Münchener wieder zu einem internationalen Spitzenklub und etablierte ein Gefühl der Unschlagbarkeit. Unter ihm gewann der deutsche Rekordmeister 22 der ersten 25 Pflichtspiele. Folgebedingt gewannen die Bayern am Ende der Saison ihre 30. deutsche Meisterschaft. Eine Woche später folgte der Triumph im DFB-Pokal und somit war das Double perfekt. Doch Flick und seine Mannschaft sehnten sich nach einem weiteren Titel. Imago imago images / Poolfoto Bild in Detailansicht öffnen
Beim Champions-League-Finalturnier in Lissabon wollten die Bayern ihrer herausragenden Saison mit dem Gewinn des Henkelpotts das i-Tüpfelchen verpassen. Nach souveränen Auftritten zuvor besiegten die Münchener im Finale Paris Saint-Germain mit 1:0 und gewannen somit zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte das magische Triple. Cheftrainer Hansi Flick hatte daran einen sehr großen Anteil und ist aus der bayerischen Landeshauptstadt nicht mehr wegzudenken. Imago imago images / Poolfoto Bild in Detailansicht öffnen

"Es war harte Arbeit", sagt Flick über den Triple-Gewinn

"Es ist nicht so, dass man von heute auf morgen einfach so drei Titel holt. Es war harte Arbeit. Ich weiß noch, wie im November zu lesen war, dass man keine Angst und Respekt mehr vor der Mannschaft hat und wie schlecht die Mannschaft eigentlich ist. Die Entwicklung, die sie genommen hat, war einfach sensationell. Ich muss meiner Mannschaft ein Riesen-Kompliment machen. Es gibt einen schönen Spruch: Erfolg ist nur gemietet und die Miete ist jeden Tag fällig. Das ist eine Sache, die die Mannschaft in ihrer Einstellung jeden Tag zeigt", so Flick zur Krönung einer perfekten Saison.

Der Bayern-Chef bat dann Flick beim Bankett des Champions-League-Siegers auf die Bühne und umarmte ihn: "Du bist immer so ein bescheidener Mensch", befand Rummenigge. "Du hast einen Wahnsinnsjob gemacht, du kannst darauf stolz sein."

Am Schreibtisch keine Erfolgsstory - Flick als Hoffenheim-Geschäftsführer

Im krassen Gegensatz zu seiner überragenden Arbeit als Trainer steht die Zeit von Hansi Flick am Schreibtisch: Exakt von 1. Juli 2017 bis 26. Februar 2018 war der Kurpfälzer Geschäftsführer in Hoffenheim. Dabei sah TSG-Mäzen Dietmar Hopp die Verpflichtung Flicks damals als "Meilenstein in der Entwicklung unseres Vereins". Der Meilenstein wurde zum uneingelösten Versprechen: Auch, weil nie ganz klar wurde, was das Stellenprofil von Hansi Flick genau beinhaltet, wurde das Engagement frühzeitig beendet. Und das samt satter Abfindung: Flick hatte einen Vertrag bis 2022 unterschrieben, der aber schon nach einem guten halben Jahr wieder aufgelöst wurde.

Anfänge als Trainer in Bammental, Anruf von Dietmar Hopp

Die Zeit davor als Trainer war von mehr Erfolg geprägt: Nach Anfängen beim FC Bammental 1994 folgte Hansi Flick dem Ruf seines Förderers Dietmar Hopp und wurde im Jahr 2000 Trainer des damals aufstrebenden Nachbar-Klubs TSG Hoffenheim. Flick stieg mit der TSG von der Ober- in die Regionalliga auf, 2003 schaltete Hansi Flicks Amateur-Team im DFB-Pokal sensationell Bundesligist Bayer Leverkusen mit 3:2 aus. Moderne Trainingsmethoden wie Video-Analyse waren für den früheren Spieler des FC Bayern (vier Mal Deutscher Meister) damals schon an der Tagesordnung. Nach verpassten Aufstiegen in die 2. Bundesliga wurde Flick in Hoffenheim allerdings entlassen.

Nach einem kurzen Gastspiel als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni in Salzburg, holte der neue Bundestrainer Jogi Löw Hansi Flick 2006 als Assistent ins DFB-Team. Der WM-Titel 2014 in Brasilien war die Krönung der Arbeit des kongenialen Duos.

Die nachfolgenden Schreibtisch-Tätigkeiten als Sportdirektor beim DFB und in Hoffenheim haben gezeigt, dass der perfekte Arbeitsplatz von Hansi Flick als Trainer auf dem Rasen liegt.

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