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Viele Menschen sehnen sich nach einem Stückchen Normalität. Allein die Sehnsucht nach einem Stadionbesuch reicht nicht aus, um Corona-Regeln über den Haufen zu werfen. Das passiert aber auch nicht, meint SWR-Sportreporter Holger Kühner.

Volle Stadien wird es in näherer Zukunft keine geben, vielleicht erst nächstes Jahr, wer weiß das schon. Und ganz ehrlich, es wird allein in Mainz, wo zum Pokalspiel 1.000 Zuschauer kommen dürfen, viele Frustrierte geben. 1.000 statt 30.000. Viel mehr Fans werden keine Karte bekommen. Ich finde, der Sport hat es verdient, diesen Schritt auf dem Weg zur Normalität zu machen.

"Profifußball darf es nicht versemmeln"

Mit Sport meine ich auch die vielen Sportvereine, die unglaubliche Anstrengungen unternommen haben, dass sich Menschen wieder bewegen können. Die Zahlen steigen wieder, ja, aber es gibt keinen Lockdown, die Fließbänder laufen, Läden haben geöffnet. Wir haben uns im Alltag an Einschränkungen gewöhnt. Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Die AHA-Formel ist bald so bekannt, wie VfB, FSV und andere Vereinsbezeichnungen. Die Deutsche Fußball Liga und der DFB sind hochprofessionelle Unternehmen, an Geld mangelt es nicht, sichere Hygienekonzepte aufzulegen. Entscheidend ist dabei aber: Der Profifußball darf es nicht versemmeln, weder die Spieler noch die Zuschauer. Diese Verantwortung muss man einfordern, dann können auch andere Sportarten, vielleicht auch andere Veranstaltungen davon profitieren.

 Voraussetzung: Funktionierendes Hygienekonzept

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn es eine Lösung geben würde für alle Fußballstadien. Mit den Geisterspielen verliert der Sport so langsam seine Seele. Ich rede nun nicht von Schmähplakaten und rassistischem Gegröle einzelner Dumpfbacken in den Stadien - die habe ich nicht vermisst, im Gegenteil. Spieler müssen sich nach einer Niederlage nicht mehr vom Publikumspöbel beschimpfen lassen - was mir fehlt ist die Leidenschaft und die Begeisterung, die spüre ich im Geistersport nicht mehr. Wenn das Hygienekonzept stimmt, dann finde ich, hat der Sport eine Chance verdient. Und wenn die Politik Zuschauer bei Großveranstaltungen verbietet, stellt sich die Frage, was ist eine Großveranstaltung? Meine spontane Antwort: Das Gedrängel im Baumarkt, an den Wühltischen der Gewindeschrauben. Im Ernst. Lasst uns doch diesen Schritt in Richtung Normalität versuchen - mit Augenmaß - weder kurzsichtig, aber auch nicht weitsichtig.

Geisterspiele gehören nicht zum Sport

8.500 Zuschauer wie in Leipzig geplant sind mir auch zuviel, die 1000, die in Mainz zum Pokalspiel dürfen sind - auch wegen der Lage des Stadions außerhalb der Stadt realistisch. Das Abstiegsgespenst gehört zum Sport, Geisterspiele nicht - und man muss jetzt auch nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Das wird mir dann ein bisschen zu gruselig.

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