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Eike Immel war einer der beständigsten Torhüter der Bundesligageschichte. Dennoch hat der 59-Jährige bewegte und nicht immer positive Jahre hinter sich. Und er steht vor einer ungewissen Zukunft.

534 Spiele, Nationaltorhüter, zwei WM-Teilnahmen, zwei EM-Teilnahmen, Deutscher Meister 1992 mit dem VfB Stuttgart. Die sportliche Vita von Eike Immel ist beeindruckend. Insgesamt spielte Immel 17 Jahre in der höchsten deutschen Liga. Trotz seiner außergewöhnlichen sportlichen Laufbahn hat der heute 59-Jährige nicht ausgesorgt - im Gegenteil. Der frühere Top-Keeper war ganz weit unten.

"Es ist tatsächlich so gewesen, dass ich morgens, wenn ich wach geworden bin, nicht wusste: Wo kriege ich ein Brötchen her? Und wo schlafe ich heute Abend?"

Eike Immel über schwierige Zeiten in seinem Leben

Dem Traumstart folgten die Schlagzeilen

Dabei begann seine Karriere wie im Bilderbuch. Mit 17 Jahren jüngster Torhüter der Bundesliga bei Borussia Dortmund. Mit 19 Jahren jüngster Torhüter in der deutschen Nationalmannschaft. Doch schon bald geriet der schüchterne Bauernsohn aus dem hessischen Stadtallendorf in die Schlagzeilen. Es ging um Frauen, Glücksspiel, Luxusautos und Unfälle.

Mit 27 Jahren Rücktritt aus dem DFB-Team

1988 war Immel sportlich auf dem Höhepunkt. Bei der Europameisterschaft im eigenen Land war er Stammtorhüter des DFB-Teams und machte alle Spiele. Als Bundestrainer Franz Beckenbauer im ersten Spiel nach der EM Bodo Illgner ins Tor stellte, erklärte Immel sofort seinen Rücktritt. Mit erst 27 Jahren.

Rückblickend sagt Eike Immel: "Das war eine totale Kurzschlussreaktion. Das war trotzdem ein Fehler. Selbst wenn ich als Nummer zwei nach Italien gefahren wäre - ich wäre Weltmeister geworden. Mein Gott, wäre das so schlimm gewesen?" So richtig bewusst sei ihm diese Fehlentscheidung geworden bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland. "Als der Oliver Kahn, der beste Torwart, den wir je hatten, sich auf die Bank gesetzt hat, obwohl er ganz klar die Nummer eins war, und er das alles mitgemacht hat ohne ein böses Wort", sagt Immel selbstkritisch, "da habe ich gedacht: mein lieber Mann. Wenn der das kann, warum hast du Idiot das damals nicht auch gemacht?"

Wegen Geldsorgen ins Dschungelcamp

Privat ging es mit Immel nach dem Karriereende 1997 steil bergab. Nach Hüftproblemen, Scheidung und Offenbarungseid musste er 2008 sogar in die Privatinsolvenz.

Wegen permanenter Geldprobleme ging er vor ein paar Jahren sogar als Kandidat ins RTL-Dschungelcamp. Es folgte ein Prozess wegen Kokainhandels, in welchem er aber freigesprochen wurde. An Suizid dacht er trotz seiner schwierigen Phasen im Leben aber nie.

"Die Frage stellte sich nie. Dafür haben wir nur ein Leben, und das ist viel zu schön."

Eike Immel auf die Frage, ob er Suizid-Gedanken hatte

Rückkehr in die Heimat

Vor drei Jahren ist Eike Immel wieder in seine Heimat Stadtallendorf zurückgekehrt. Ein alter Bekannter hat ihn unter seine Fittiche genommen. Hier in Hessen fühlt er sich wohl. In diesem Jahr wird Immel 60 Jahre alt. Er trainiert Jugendliche und die zweite Mannschaft in Stadtallendorf. Und er arbeitet an einem Buch. 700 Seiten hat er schon geschrieben. Alle von Hand.

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