Die Costa Ricaner bejubeln den 1:0-Erfolg gegen Japan.  (Foto: IMAGO, IMAGO / AFLOSPORT)

Fußball | WM in Katar

Euphorie in Costa Rica vor Deutschland-Spiel: "Hoffen auf das Wunder"

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Nicole Schmitt

Während in Deutschland ein Hauch von WM-Stimmung nur schleppend aufkommt, herrscht in Costa Rica nach dem 1:0-Sieg gegen Japan eine regelrechte Euphorie. SWR Sportreporterin Nicole Schmitt hat einige Zeit in dem mittelamerikanischen Land gelebt und sich vor dem entscheidenden Spiel bei den "Ticos" umgehört.

Egal, ob am Palmen übersäten Strand, den staubigen Straßen mit vielen Schlaglöchern oder auf modern angelegten Plätzen mit Kunstrasen: Wo man hinschaut, wird in Costa Rica Fußball gespielt. Die Mädels und Jungs tragen Trikots mit den Namen der großen Stars der Szene. Aber neben Messi, Mbappé und Co. blicken die Ticos, wie sich die Costa Ricaner selbst nennen, dieser Tage natürlich auch gespannt auf ihr Nationalteam.

Wenn das am Donnerstag (20 Uhr/ARD) im entscheidenden Gruppenspiel auf Deutschland trifft, ist es in dem kleinen zentralamerikanischen Land mitten am Mittag. Doch auch wenn die meisten Leute um 14 Uhr bei schwülheißen 30 Grad eigentlich arbeiten müssen: Die Partie gegen die DFB-Auswahl will niemand verpassen. "Wir werden uns schon alle etwas einfallen lassen", sagt Ricardo, der dem Match um den Achtelfinal-Einzug schon entgegenfiebert. "Wir wissen, dass Deutschland eine Macht ist und es fast unmöglich ist, gegen sie zu gewinnen. Aber im Fußball ist alles möglich", sagt der 38-jährige Costa Ricaner, der mit seiner Familie in einem kleinen Urlaubsörtchen an der Pazifikküste lebt.

Nach Sieg gegen Japan: WM-Euphorie in Costa Rica

Dass Costa Rica im dritten Gruppenspiel überhaupt noch die Chance hat, die Runde der letzten 16 zu erreichen, haben nach der 0:7-Schlappe gegen Spanien die wenigsten gedacht. Selbst die sonst so treuen und fußballverrückten Mittelamerikaner waren erst einmal desillusioniert. "Das war schon ziemlich ernüchternd. Niemand hat eine solche Niederlage gegen Spanien erwartet", gibt Ricardo zu. Doch nach dem überraschenden 1:0-Sieg gegen Japan sei der Glaube an das Team und mit ihm die Freude an der WM zurückgekommen. "Es herrscht hier schon eine große Euphorie", erzählt Alis, die zusammen mit ihrem Mann eine Fischerei betreibt.

Traumland mit großen Ambitionen

Die nun entfachte WM-Euphorie passt zur positiven Lebenseinstellung der Ticos. Sie lieben ihr Land mit seiner atemberaubenden Natur zwischen Traumstränden, wilden Urwäldern und aktiven Vulkanen. Der vergleichsweise hohe Lebensstandard hat Costa Rica nicht umsonst den Beinamen "Die Schweiz Mittelamerikas" eingebracht. Außerdem ist es eines der wenigen Ländern weltweit, das keine Armee besitzt.

Gefechte wollen sich die Ticos also nur auf dem Spielfeld liefern. Nationaltorhüter Keylor Navas kündigte vor dem Deutschland-Spiel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland an: "Wir werden wie die Stiere kämpfen". Der 35-Jährige ist einer der großen Anführer des Teams und wird nicht zuletzt wegen seiner drei Champions-League-Titel mit Real Madrid als Nationalheld und Aushängeschild seine Landes gefeiert.

Keylor Navas ist mit 109 Länderspielen einer der erfahrensten Spieler im costa ricanischen Team. (Foto: IMAGO, IMAGO / AFLOSPORT)
Keylor Navas ist mit 109 Länderspielen einer der erfahrensten Spieler im costa ricanischen Team. IMAGO / AFLOSPORT

Fans "hoffen auf das Wunder"

Die Fans in Costa Rica hoffen nun, dass er und seine Vordermänner "eine Mauer errichten" werden, durch die das DFB-Team kein Durchkommen findet. Denn sollte Japan gegen Spanien im Parallel-Duell nicht punkten, würde den Ticos ein Unentschieden fürs Weiterkommen reichen. Es wäre nach dem Viertelfinaleinzug bei der WM 2014 der größte Erfolg der costa ricanischen Nationalmannschaft.

Dem fiebern nun fünf Millionen Ticos entgegen. Wohl wissend, dass es gegen den schier übermächtig wirkenden Gegner Deutschland schwer werden wird, lebt dennoch der Glaube ans Achtelfinale. "Wir hoffen auf das Wunder", sagt Fußball-Fan Ricardo und lacht. Diese Euphorie im Land soll nun auch die Kicker in Katar tragen. Wenn das gelingt, werden in Zukunft bestimmt noch mehr fußballverrückte Kids das Trikot ihrer Nationalelf tragen.

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