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Die Politik hat dem Saison-Neustart des Profifußballs grünes Licht geben. Die Geisterspiele sollen in der zweiten Mai-Hälfte beginnen.

Die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat mit großer Erleichterung auf das grüne Licht der Politik für einen Saison-Neustart reagiert. "Die heutige Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Bundesliga und die 2. Bundesliga", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert: "Sie ist verbunden mit einer großen Verantwortung für die Klubs und ihre Angestellten, die medizinischen und organisatorischen Vorgaben diszipliniert umzusetzen."

Zuvor war bei der Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Weg für den Wiederbeginn der seit Mitte März unterbrochenen Spielzeit ab Mitte Mai freigemacht worden. Schon am 15. Mai soll der Ball in der 1. und 2. Bundesliga wieder rollen - neun Wochen nach der Aussetzung der Saison wegen der Corona-Krise. Das beschloss das Präsidium der Deutschen Fußball Liga am Mittwochabend. Die 36 Profivereine, deren Vertreter sich am Donnerstag auf einer Mitgliederversammlung zusammenschalten, wurden darüber schriftlich informiert. Dies bestätigte die DFL auf dpa-Anfrage.

Die DFL strebt an, die Saison bis zum 30. Juni durchziehen zu können. Sie hatte von ihrer "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" ein umfassendes Hygiene- und Sicherheitskonzept vorgelegt, um die Ansteckungsgefahr unter Spielern und Betreuern zu minimieren. In einer ersten Testreihe hatte es bei 1724 Tests in der 1. und 2. Liga zehn Corona-Fälle gegeben.

Quarantänemaßnahmen vorgesehen

Kern der Terminfrage ist eine vorgesehene vorgeschaltete Quarantäne der Mannschaften. In der Beschlussvorlage des Bundes hieß es: "Dem Beginn des Spielbetriebs muss, wie in dem geprüften Konzept vorgesehen, eine Quarantänemaßnahme, gegebenenfalls in Form eines Trainingslagers, vorweggehen." Die Profifußballer sind bei ihren Klubs weitgehend streng isoliert, aber noch nicht komplett in Quarantäne. Von einer Quarantäne-Dauer von zwei Wochen war darin explizit nicht mehr die Rede.

Sportökonom Bühler: "Die Geisterspiele sind ein wirtschaftliches Muss"

Für die Liga ist eine Fortsetzung der Saison von enormer Bedeutung, weil viele Vereine durch fehlende Einnahmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Bei einer Fortsetzung der Bundesliga wären zumindest die TV-Millionen gesichert.

"Wenn man bedenkt, dass gerade 12 Vereine der 36 DFL-Klubs ihre zukünftigen TV-Einnahmen verpfändet haben, um laufende Rechnungen zu bezahlen, kann man sich vorstellen dass das Wasser einigen schon über der Nase hängt", so Sportökonom Prof. André Bühler gegenüber SWR Sport. "Die Geisterspiele sind ein wirtschaftliches Muss."

Prof. Dr. Michael Geißler warnt vor verfrühten Start der Bundesliga

"Ich wäre momentan noch etwas zurückhaltender, auch wenn es ein schöner Sport ist", so Prof. Dr. Michael Geißler, Arzt für Innere Medizin und Onkologie gegenüber SWR Sport. Vor der Sommerpause sei es für ihn aus "Vorbildfunktionsgründen und auch aus virologischen Gründen, so lange noch nicht ganz klar geklärt ist was passiert bei einem infektiösen Fall in der Bundesliga, noch zu früh."

Laut Geißler müsse ganz klar sicher gestellt sein, da Fußball ein Kontaktsport sei, dass keine Infizierten auf dem Platz erscheinen. Und das "bedeutet dass drei Mal pro Woche virologische Tests gemacht werden müssen, auch vor Beginn der Bundesliga. Die Quarantäne alleine reicht nicht. Deswegen müssen diese virologischen Tests Montag, MIttwoch und Samstagmorgen, vor dem Spieltag vorliegen, damit man sicher ist, dass die Mannschaften und die Spieler die auflaufen tatsächlich negativ sind."

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DFL tagt am Donnerstag

Die DFL hat für Donnerstag eine Mitgliederversammlung anberaumt. Bei der Videokonferenz sollen mit den 36 Profivereinen, von denen die ersten bereits das uneingeschränkte Mannschaftstraining aufgenommen haben, die Ergebnisse des Polit-Gipfels erörtert werden.

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