Die Fans der Stuttgarter Kickers (Foto: Imago, imago images / Sportfoto Rudel)

Fußball | Regionalliga Stuttgarter Kickers: AfD-Politiker Ernle tritt zurück

Am Ende ging es ihm um Schadensbegrenzung. AfD-Politiker Steffen Ernle tritt als Vorsitzender des Fördervereins Stuttgarter Kickers zurück.

Passen das moderne, progressive und soziale Leitbild eines Sportvereins mit den politischen Auffassungen der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) zusammen? Diese Frage beantwortete AfD Politiker Steffen Ernle heute nicht ganz freiwillig mit Nein. Ernle trat von seinem Amt als Vorsitzender des Förderkreises Stuttgarter Kickers zurück.

"Die Diskussionen der letzten Tage drohten die Stuttgarter Kickers in einem Licht erscheinen zu lassen, das weder der in unserem Verein geleisteten Arbeit noch unseren Prinzipien und Werten gerecht wird. Insoweit wird mit dem jetzigen Schritt Schaden von unserem Verein abgewendet."

Rainer Lorz, Präsident der Stuttgarter Kickers

Steffen Ernle ist nach eigenen Angaben Gründungsmitglied der AfD und arbeitet im Kreisvorstand Böblingen. Er tritt für die Partei bei der Regionalwahl an. Außerdem ist er Geschäftsführer eines Mittelständischen Unternehmens, und er war seit März Vorsitzender des Förderkreises der Stuttgarter Kickers, für den er schon seit mehreren Jahren aktiv ist. Durch seine Führungsrolle im Förderkreis und angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl kam aber jetzt die Frage auf, ob ein Politiker der AfD, in der es nachweislich rechtspopulistische Strömungen gibt, einem Förderkreis vorstehen kann, der Kinder und Jugendliche - darunter auch Flüchtlinge - unterstützt.

"...dass Menschen in jedem Alter und aus allen gesellschaftlichen Schichten Sport bei den 'Blauen' betreiben können..."

Homepage des Förderkreises der Stuttgarter Kickers

Steffen Ernle unterstützt den Förderkreis der Stuttgarter Kickers finanziell und er ist innerhalb des Vereins auch nicht aufgefallen als ein Politiker, der dem rechten Rand zuzurechnen ist. Ernle hat sich von den Rechten in seiner Partei distanziert, aber es gibt eben diesen rechten Rand in der AfD und dieser passt nicht zu den Werten des Traditionsverein Stuttgarter Kickers. Trotzdem wurde Ernles Engagement geduldet. Rainer Lorz, Präsident der Stuttgarter Kickers, betonte aber, dass der Hauptverein keinen Einfluß auf die Wahl des Vorstandes im eigenständigen Förderkreis hatte.

"Bei der AfD handelt es sich um keine verbotene Partei. Das muss man aushalten."

Rainer Lorz, Präsident der Stuttgarter Kickers

Aus seiner Parteizugehörigkeit hatte Steffen Ernle nie ein Geheimnis gemacht. Jetzt fällt ihm aber seine politische Ausrichtung bzw. die seiner Partei auf die Füße. Nachdem die Diskussionen und die Kritik in den vergangenen Tagen zunahmen, hat Ernle jetzt seine Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten.

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Berichtigung: In einer früheren Version des Artikels wurde behauptet Ernle sei innerhalb der AfD nicht aufgefallen als ein Politiker, der dem rechten Rand zuzurechnen sei. Gemeint war jedoch der Verein Stuttgarter Kickers und nicht die Partei AfD.

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