Ralf Rangnick gibt seiner Mannschaft im DFB-Pokalfinale taktische Anweisungen. (Foto: Imago, SWR, Imago)

Fußball | Hintergrund Rangnick, Klinsmann, Klopp: Legenden aus’m Schwobeländle

Der erste Jahrgangsbester, der zweite Ex-Bundestrainer und der dritte Champions League-Sieger. Ralf Rangnick, Jürgen Klinsmann und Jürgen Klopp. Drei Schwaben. Drei Legenden.

Backnang, Göppingen, Stuttgart. Orte, die für schwäbische Spezialitäten bekannt sind. Die Rede ist nicht nur von Maultäschle und Linsen mit Spätzle, sondern auch von Trainer-Leckerbissen für die hochklassigsten Fußballvereine der Welt. Ralf Rangnick, Jürgen Klinsmann und Jürgen Klopp. Allesamt im Schwabenland geboren. Allesamt haben Kultstatus in der Branche des runden Leders.

Ralf Rangnick: Der Fußballprofessor

Es ist der 19. Dezember 1998. Rangnick ist zu Gast im aktuellen Sportstudio. Der schwarze Anzug, in Kombination mit schwarzen Schuhen und schwarzer Krawatte, erinnert an das Outfit eines Pastors. Dazu ein braver Haarschnitt und eine Brille mit kleinen, ovalen Gläsern. Vor der Taktiktafel stehend und mit den daran hängenden Magneten hantierend erklärt er Michael Steinbrecher die Viererkette. Erstmals in der Geschichte des Fernsehens äußert ein Trainer in solch transparenter Form sein taktisches Wissen. Kein Wunder, dass er seit diesem Abend mit dem Spitznamen "Fußballprofessor" in Verbindung gebracht wird.

Schon längst weiß man, dass der heute 61-Jährige diesen Titel verdient – im positiven Sinn. Nach diversen Jahren als Amateurkicker, unter anderem beim VfB Stuttgart und in England, zeichnet sich die Zukunft des begnadeten Theoretikers ab. Mit 26 Jahren beendet er den Lehrgang zum Fußball-Lehrer an der Sporthochschule in Köln als Jahrgangsbester. Sein Trainerdebut in der höchsten Spielklasse Deutschlands gibt er 1999 beim VfB Stuttgart. Am 23.02.2001 ist Schluss in Bad Cannstatt. In der folgenden Saison führt Rangnick Hannover 96 zum Meistertitel in der 2. Bundesliga. Dann kommt der Durchmarsch mit der TSG 1899 Hoffenheim. In seinem ersten Jahr bei den Kraichgauern steigt Rangnick in die zweite Spielklasse auf. Ein Jahr später feiert er mit Hoffenheim den Aufstieg in die Bundesliga. Heute ist der Fußballprofessor ein international gefragter Mann. Seit Juli 2019 arbeitet er als "Head of International Relations and Scouting" für RB Brasil und die New York Redbulls.

Jürgen Klinsmann: Der Macher des Sommermärchens

Als Achtjähriger beginnt Klinsmann mit dem Vereinsfußball. Er spielt für die Junioren des TB Gingen, später für den SC Geislingen und für die Stuttgarter Kickers. Auf der Waldau wird er Profi und spielt fünf Jahre in der 2. Bundesliga. Von 1984 bis 1989 stürmt er für den VfB Stuttgart und wird Torschützenkönig in der Saison 1987/88. Zur selben Zeit wird er Nationalspieler.

Dann zieht es Klinsmann ins Ausland: Er wechselt 1989 zu Inter Mailand, im darauffolgendem Jahr wird er Weltmeister. Es folgen Jahre in Monaco, Tottenham und München, 2004 beendet er seine Karriere als Spieler. Kurz darauf wird er Bundestrainer.

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30. Juni 2006: Deutschland trifft im Viertelfinale der FIFA-Weltmeisterschaft auf Argentinien. Klinsmann heizt seine Jungs in der Kabine an: "Es geht darum, zuzubeißen. Kontrolliert, höchst aggressiv, aber diszipliniert." Deutschland gewinnt das Spiel 4:2 im Elfmeterschießen. Am 8. Juli 2006 wird das DFB-Team in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart Dritter, das ganze Land steht Kopf. Für viele ist Jürgen Klinsmann der Macher des Sommermärchens. Erinnerungen an diese Tage werden gerade jetzt bei vielen Stuttgartern wach, denn der VfB sucht derzeit einen neuen Vorstandsvorsitzenden und einen neuen Präsidenten. Gespräche für eine Zusammenarbeit zwischen Klinsmann und dem VfB hat es bereits gegeben.

Jürgen Klopp: Der Champions League-Sieger

Der Dritte im Bunde der schwäbischen Legenden ist Jürgen Klopp. Am 16. Juni 1967 kommt er in Stuttgart zur Welt. Zwischen 1986 und 1991 spielt er für die TuS Ergenzingen, für den 1. FC Pforzheim, für Viktoria Sindelfingen und für RW Frankfurt. 1990 wechselt er zum 1. FSV Mainz 05.

Elf Jahre lang spielt der Verteidiger in Mainz 2. Bundesliga, 2001 beendet er dann seine Karriere als Spieler. In einem nahtlosen Übergang wird er Trainer bei den Mainzern. Er führt den Club im vierten Jahr seiner Amtszeit in die Bundesliga, die Klasse hält er drei Spielzeiten in Folge. Nach dem Abstieg 2007/08 wird Klopp Cheftrainer von Borussia Dortmund. Mit dem BVB holt der heute 52-Jährige 2011 seinen ersten Meistertitel. Die Schwarz-Gelben verteidigen die Meisterschaft ein Jahr später und werden DFB-Pokalsieger. In der Saison 2012/13 schafft es Klopp mit den Borussen in das Finale der UEFA Champions League. Der Titel geht jedoch an den FC Bayern München.

Fünf Jahre später scheitert Klopp wieder im Champions-League-Finale, dieses Mal mit dem FC Liverpool an Real Madrid. 2019 schafft er das, woran seine Kritiker längst nicht mehr glaubten: Er gewinnt mit den Reds die Königsklasse. Am Mittwochabend ging es mit der Titeljagd weiter. Im UEFA Super Cup siegte Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool gegen den Gewinner der Europaleague, den FC Chelsea im Elfmeterschießen mit 5:4.

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Einfluss der drei Schwaben auf die Bundesliga

Die drei Legenden haben nicht nur international einen hohen Stellenwert, sondern auch Einfluss auf den Fußball in Deutschland. Klinsmann steht mit dem VfB Stuttgart in engem Kontakt. In den Medien wird von der "Rangnickisierung" der Bundesliga gesprochen. Von 18 Erstligisten gehen sieben Clubs mit einem neuen Trainer in die neue Saison. Einige von ihnen wurden stark durch Rangnick geprägt. Er arbeitete in der Vergangenheit unter anderem mit David Wagner (FC Schalke 04) und Julian Nagelsmann (RB Leipzig) zusammen. Bei Wagner besteht auch zu Jürgen Klopp eine enge Verbindung. Der 47-jährige Schalke-Trainer ist sogar Trauzeuge von Liverpools Erfolgstrainer.

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