FIFA-Präsident Gianni Infantino bis 2023 im Amt bestätigt (Foto: Imago, imago images / PanoramiC)

FIFA-Kongress | Meinung Infantino - keine Klatsche, viel Applaus

Gianni Infantino ist als FIFA-Präsident wiedergewählt worden. Damit bleibt in Sachen Intransparenz und Korruption wohl alles beim alten. Ganz im Sinne der DFB-Traditionalisten, meint SWR Sportreporter Jens Wolters.

Wer behauptet, die FIFA sei eine Ansammlung alter weißer Männer, der sieht sich aber so was von getäuscht. Mit Fatma Samoura hat der Verband eine Senegalesin als Generalsekretärin. Dazu 20 Prozent Frauen in allen Kommitees des Weltfußballverbandes.

Der weiße ist Mann nur weiter an der Spitze. Und alt ist Gianni Infantino mit 49 Jahren auch nicht. Aber ein ewig Gestriger schon irgendwie. Denn er leitet die FIFA als ihr Präsident so wie seine Vorgänger auch – wie ein Sonnenkönig. Was soll ihn schon belasten? Wer will ihn schon angreifen? Alle möglichen Vorwürfe werden weggelächelt oder veralbert.

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Eine WM-Bewerbung ohne Skandale?

Kann es wirklich sein, dass es bei der letzten WM-Bewerbung keinen Skandal gab. Ja. Denn wir haben es mit der neuen FIFA zu tun, ist sich Infantino sicher. Die neue FIFA, die ER komplett im Griff hat.

Als Allgemeinplatz gesteht der alte und neue Präsident Fehler ein. Ohne aber auch nur ansatzweise ins Detail zu gehen. Auf der anderen Seite wird aber genau auseinander-klamüsert, wie viel Kohle sein Haus eingespielt hat. Und genau damit hat Infantino seine Wiederwahl gesichert. Weil jeder Kleinstverband in der Fußball-Welt dank ihm mehr Geld bekommen hat.

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Klatschmarsch statt Wiederwahl

Obwohl – WiederWAHL natürlich ein großes Wort ist. Per Akklamation, per Klatschmarsch wurde der Schweizer im Amt bestätigt. Es erinnerte so ein bisschen an spaßige Fernsehsendungen vergangener Tage, in denen auch per Applaus über den besten Witz des Abends entschieden wurde. Bei der Fifa ist das alles jedoch bittere Realität.

Für den Schmunzler des Tages sorgte der Deutsche Fußball-Bund. Weil auch die Übergangsspitze nach dem Rücktritt Reinhard Grindels FÜR Infantino klatschte. Vielleicht nicht ganz so laut, wie andere Verbands-Bosse. So sieht also der Denkzettel aus, den sie Infantino verpassen wollten.

Auch DFB-Funktionäre sind scharf auf üppige Aufwandsentschädigungen

Sie sehen sich beim DFB ja als Traditionalisten. Und so wundert es nicht, wenn auch die deutsche Fraktion eigentlich alles so weiter haben will, wie es immer war. Außerdem möchten in naher Zukunft wieder irgendwelche Herren – denn auf DFB-Ebene sind Frauen noch nicht so zahlreich vertreten – in den spannenden Ausschüssen des Weltfußballs sitzen, bei deren Anwesenheit es schon so hübsche Sümmchen als Aufwandsentschädigungen gibt. DIE will sich doch keiner entgehen lassen.

Da soll mir in Zukunft bitte keiner zum wiederholten Male sagen, dass jetzt im Weltfußball alles besser wird. Das erzählt Infantino auch jedes Mal. Es wird sich nichts zum Guten wenden. Dafür gibt es viel zu wenig Interesse.

Und auch, wenn das Gesamt-Bild der FIFA-Delegierten etwas weiblicher wird: Auch Frauen können schlechte Entscheidungen treffen und falsch spielen. Und an der Spitze bleibt der weiße Mann, der auch immer älter wird.

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