Trinkpause im Training des VfB Stuttgart (Foto: Imago, Sportfoto Rudel)

Fußball | Hitzewelle So leiden die Südwest-Kicker unter der Hitzewelle

Die derzeitigen Temperaturen in Deutschland sind für den Sport alles andere als förderlich. Die Fußballklubs aus dem Südwesten befinden sich in der Saisonvorbereitung - und müssen sich mit der Hitze arrangieren.

Ganz Deutschland ächzt unter der derzeitigen Hitzewelle. Die Temperaturen knacken täglich bereits zu frühen Stunden die 30-Grad-Marke, Ozon liegt in der Luft. Abkühlung oder gar Regen ist nicht in Sicht. Unter den tropischen Bedingungen leiden auch die Outdoor-Sportler. So zum Beispiel die Fußballer, die sich gerade auf die neue Saison vorbereiten.

In dieser Woche sorgte der Kollaps von Karim Bellarabi für Aufsehen. Der Offensivspieler von Bayer Leverkusen brach kurz nach seiner Auswechslung beim Freundschaftsspiel in Düsseldorf zusammen. Nach notärztlicher Versorgung verbrachte er die Nacht im Krankenhaus. Tags darauf durfte er die Klinik wieder verlassen.

"Als Ursache stellten die Ärzte nach umfangreichen Tests und Untersuchungen die hohe körperliche Belastung bei extremer Hitze von deutlich über 30 Grad Celsius fest", teilte sein Klub mit: "Bellarabi wird zur Regeneration für einige Tage mit dem Training beim Bundesligisten aussetzen." Dem ehemaligen Nationalspieler geht es zwar zum Glück wieder besser, aber Leverkusen trainiert als Konsequenz vorerst nur noch morgens. Auch die Südwest- Vereine treffen bezüglich der Hitze Vorsorge-Maßnahmen.

Kein zweiter "Fall Bellarabi"

So hält man die Einheiten auch beim FSV Mainz 05 derzeit vor allem am frühen Morgen ab. Zudem gilt "viel trinken, mehr Pausen machen, mal in den Schatten gehen, in den Freundschaftsspielen mehr Unterbrechungen haben", wie der Sportvorstand der Rheinhessen, Rouven Schröder, dem SWR bestätigte.

Ähnlich verhält es sich beim SV Sandhausen. Für Trainer Kenan Kocak heißt das Zauberwort Belastungssteuerung. "Natürlich schauen wir, dass wir die Spieler nicht zu sehr belasten. Wir versuchen, ihnen da schon entgegenzukommen, sei es mit der Intensität oder den Trainingszeiten", so der SVS-Coach.

"Ändern können wir es ja eh nicht"

Einen pragmatischen Ansatz wählt indes Gonzalo Castro vom VfB Stuttgart. "Die Hitze ist nun einmal da, damit müssen alle Mannschaften zurechtkommen. Ändern kann man es ja eh nicht - also muss man sich daran anpassen", sagte der Neuzugang von Bayer 04 Leverkusen dem SWR.

Auch andernorts wird auf die traditionellen Rezepte gegen die Hitze gesetzt. Eisbäder, Wasserduschen, frühzeitiges Training und trinken, trinken, trinken – und trotzdem eine störungsfreie, produktive und geordnete Vorbereitung hinkriegen. Das ist der Spagat, den die Klubs jetzt hinbekommen müssen.

Eintracht gegen den KSC am heißesten Tag des Jahres

In der 3. Liga wird sogar bereits der Punktspielbetrieb gestartet. Am heutigen Freitag treffen im Eröffnungsspiel Eintracht Braunschweig und der Karlsruher SC (19 Uhr) aufeinander. Ausgerechnet am laut Wetterprognosen heißesten Tag des Jahres mit Werten von bis zu 38 Grad.

Die Gastgeber wollen trotz dieser extremen Rahmenbedingungen keine besonderen Maßnahmen treffen. Aber: Es werden Eimer mit Wasser entlang der Seitenlinien aufgestellt, die den Profis Abkühlung verschaffen sollen. Ob es je eine Trinkpause pro Halbzeit geben wird, ist laut einer Eintracht-Sprecherin "noch nicht final geklärt". Das werde "mit den Schiedsrichtern und dem KSC abgesprochen".

Es droht Überhitzung

Klar ist, dass die aktuellen Temperaturen in der Sonne den Wert von über 40 Grad locker reißen. Das sind für den (Leistungs-)Sport nicht nur wenig förderliche, sondern sogar kontraproduktive Bedingungen. Denn bei körperlichen Belastungen steigt durch das vermehrte Schwitzen der Flüssigkeitsverlust und die Körperkerntemperatur. Es droht Überhitzung.

Im Klartext: Sport ist unter diesen Bedingungen nicht sinnvoll. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Rehabilitation (DGSP) rät auf ihrer Homepage, bei Hitze und hoher Luftbelastung durch Schadstoffe und Ozon Trainingsumfang und Intensität zu reduzieren und die Einheiten - wenn man sich denn überhaupt körperlich betätigt - in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen. Funktionelle Kleidung, die einen Luftaustausch gewährleistet, sei ebenso wichtig wie die richtige Ernährung. Generell gilt: "Flüssigkeitsverlust nach dem Sport durch mineralhaltiges Wasser ausgleichen, bei Hitze mehr trinken!"

Ein Ende des Jahrhundertsommers und der derzeitigen Hitzewelle ist noch nicht absehbar. Die Klubs und die Profis werden sich also weiterhin arrangieren müssen. Und wenn die Schweiß-Torturen überstanden sind, dann dürfen sich die Spieler selbst belohnen - mit einem Rezept, das so alt ist wie der Fußball: Eisbecken und Eistonnen dürften derzeit beliebt wie lange nicht sein - und eine ungeahnte Renaissance erleben.

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