Ignace Didavi trainiert bei der SPV05 Nürtingen auch afrikanische Flüchtlinge (Foto: SWR)

Fussball | Integration Papa Didavi kontert mit Flüchtlingen nicht nur die AfD aus

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Die Sportvereinigung 05 Nürtingen spielt dank der torkräftigen Unterstützung afrikanischer Flüchtlinge um den Aufstieg in die Bezirksliga. Trainer ist der Vater von VfB-Stuttgart-Profi Daniel Didavi. Doch es geht bei dieser Mannschaft um mehr als nur Fußball.

Die Szenerie ist keine ungewöhnliche: ein Fußballplatz in Nürtingen. Die Sportvereinigung 05 Nürtingen aus der Kreisliga trainiert. Lautstarke Ansagen sind zu hören. Auf dem gefrorenen Platz steht eine Mannschaft mit zwölf afrikanischen Flüchtlingen. Der Trainer bringt seine eigene, ähnliche Geschichte mit.

Es ist Ignace Didavi, der Vater von Daniel Didavi, Profi beim VfB Stuttgart. Ignace Didavi kam vor Jahren aus Benin. "Ich bin hier auch irgendwann mal als Ausländer gelandet", erinnert sich Ignace Didavi, der vor mehreren Jahrzehnten selbst aus Benin kam. "Die Jungs haben nach der Arbeit hier beim Sport einen Ausgleich. Die, die nicht arbeiten, müssen nicht die ganze Zeit zu Hause bleiben."

Dauer

Integration im Trikot

Fußball als Auffangbecken. Die Mannschaft als Familie. Integration im Trikot. Für Mittelfeldmann Jackson Mensah ist Ignace Didavi nicht mehr nur sein Trainer. "Ich sehe Ignace mehr als meinen Vater. Er ist immer da für uns, wenn wir ein Problem haben. Und er motiviert uns. Egal was passiert im Leben, wir müssen immer positiv bleiben." Diese Einstellung lebt der Trainer vor und das scheint auf und neben dem Platz zu funktionieren.

Kreisliga-Spitzenreiter dank spezieller Talentsuche

Die Sportvereinigung 05 Roßdorf steht an der Tabellenspitz der Kreisliga A und hat mit dem Togolesen Nazifou Mamanzofou einen 19-Tore-Stürmer. Den hat der Trainer beim Einkaufen entdeckt, als er drei Afrikaner fragte, ob sie Fußball spielen. "Es gefiel ihnen bei uns und das Ganze hatte eine Sogwirkung, weil sie es anderen erzählten", beschreibt Heinz Weyrich als Vereinsverantwortlicher die Entwicklung.

Abhängig von der großen Politik

Doch ob es sportlich und menschlich so positiv weitergehen kann, weiß momentan niemand. Über die Zukunft der fußballspielenden Flüchtlinge in Nürtingen entscheidet die Politik in Berlin. Der Vereinsverantwortliche Heinz Weyrich ist in Sorge. "Es kann tatsächlich sein, dass unsere Spieler demnächst abgeschoben werden. Denn alle von Ihnen haben kein festes Bleiberecht."

AfD-Hochburg Nürtingen

Und die politische Lage bekommt die Sportvereinigung 05 Nürtingen direkt vor dem Trainingsplatz zu spüren. Das Vereinsheim steht in Roßdorf, einem Stadtteil von Nürtingen. Und die Gegend ist eine AfD-Hochburg. "Wir haben hier 34 Prozent AfD-Wähler. Wenn wir harmonieren können, zusammenleben, dann ist das doch schön. Hier zeigen wir, dass es geht", sagt Ignace Didavi und erfreut sich weiter an seiner Mannschaft, die für ihn weit mehr ist als das.

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