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Die Rassismus-Debatte im Fußball hat jetzt auch die 9. Liga erreicht. In der A-Klasse Alzey-Worms wurde die Partie zwischen der SG Freimersheim/ Ilbesheim gegen dem SV Normannia Pfiffligheim kurz vor Schluss abgebrochen.

Nur noch drei Minuten waren zu spielen, der Tabellenführer aus Freimersheim führte mit 2:1, als ein dunkelhäutiger Spieler der Gäste zum wiederholten Male beleidigt wurde. Grund für den Trainer des SV Normannia Pfiffligheim, Markus Hornung, seine Jungs vorzeitig in die Kabine zu schicken. In einem Brief an die Fans teilte der Coach mit: "Liebe Fans der Normannia, liebe Fußballfans, aufgrund einer rassistischen Beleidigung gegenüber einem unserer Spieler habe ich kurz vor Spielende beschlossen, das Spielfeld mit der gesamten Mannschaft zu verlassen und das Spiel somit nicht zu Ende zu spielen. Meine Spieler, mein Co-Trainer und der Vorstand unseres Vereins stehen zu 100 Prozent hinter dieser Entscheidung. Es ist schon ein Wahnsinn, was Woche für Woche auf den Sportplätzen geschieht. Beleidigungen gegenüber Schiedsrichtern, Spielern oder Offiziellen gehören zur Tagesordnung (...) Respekt und Toleranz sind wichtiger als Sieg oder Niederlage."

Vorstand plant weitere Schritte

Da sich der Schiedsrichter zum Zeitpunkt der Äußerungen nicht in Hörweite befand, musste er die Partie regelkonform abbrechen, nachdem die Spieler das Spielfeld verlassen hatten. Dass es diese Beleidigungen gab, bestätigten im Anschluss auch die Freimersheimer Spieler. Unabhängig, wie jetzt der Sonderbericht des Schiedsrichters ausfallen und der Südwestdeutsche Fußballverband entscheiden wird, die Wormser Vorstädter werden weitere Maßnahmen ergreifen: "Wir werden auf jeden Fall die Polizei einschalten und Anzeige erstatten", sagte der 1. Vorsitzende des SV Normannia Pfiffligheim, Jochen Hallermann, im Gespräch mit SWR Sport.

Es geht nicht um die Punkte

Für den Verein ist es auch völlig zweitrangig, wie die Partie am Ende gewertet wird. "Es geht um Konsequenzen nach den beleidigenden Äußerungen und nicht um die Punktewertung", so Hallermann.

Beim Südwestdeutschen Fußballverband warte man zunächst einmal den Sonderbericht des Schiedsrichters ab. Danach werden, so Geschäftsführer Michael Monath gegenüber dem SWR, beide Vereine zu einer Stellungnahme aufgefordert, bevor es, wenn es zu keiner Einigung kommt, eine mündliche Verhandlung gibt.

Die Entwicklung in den letzten Monaten und Wochen, insbesondere am vergangenen Wochenende, bereitet Monath einige Sorgen: "Wir sind leider erst am Anfang, wieder das Motto 'Fair Play' in unsere Stadien zu bekommen, wichtig dabei ist vor allem, dass wir im Dialog bleiben".

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