Die TSG Hoffenheim im Wintercheck (Foto: IMAGO, IMAGO/imagebroker)

Fußball | Wintercheck

TSG Hoffenheim: Erst Aufbruchstimmung, dann Abwärtstrend

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Kersten Eichhorn

Die TSG Hoffenheim überwintert auf einem enttäuschenden elften Tabellenplatz. Nach dem starken Saisonstart holten die Kraichgauer zuletzt kaum noch Punkte.

Wie waren die Ziele vor der Saison?

Spektakel konnte man Hoffenheim in der vergangenen Saison nicht absprechen. Immerhin 58 Tore hatten die Kraichgauer selbst geschossen, aber mit 60 Gegentreffern noch mehr kassiert. Am Ende war es unter Trainer Sebastian Hoeneß ein enttäuschendes Saisonfinale mit neun Spielen ohne Sieg und dem Verpassen der Europapokal-Plätze.

Ab Sommer sollten unter dem neuen Coach André Breitenreiter vor allem Konstanz und Ergebnisse verbessert werden, dazu die löchrige Defensive endlich stabiler stehen. Mit schnellem und attraktivem Fußball wollte die TSG ihre Fans zurückgewinnen, generell Hoffenheim zu "neuem Leben" erwecken. Sollte dabei die Qualifikation für Europa herausspringen, würde man das gerne mitnehmen.

Wie ist der aktuelle Stand?

Enttäuschend. Die bisherige Vorrunde erinnert verblüffend an die Rückrunde der letzten Saison: ein Auf und Ab. Nach der Auftakt-Niederlage in Mönchengladbach blieb die TSG in den folgenden acht Spielen nur einmal ohne Punkte und stand in der Tabelle am zehnten Spieltag sogar noch auf Champions-League-Platz vier. Dazu kam die begeisternde 5:1-DFB-Pokal-Gala gegen Schalke 04 und der Einzug ins Achtelfinale. Hoffenheim freute sich über einen "goldenen September".

Dann aber trübten Oktober und November das Bild, die Kraichgauer schlitterten in eine ernüchternde Ergebnis-Krise. Hinzu kamen die schweren Verletzungen von Torjäger Munas Dabbur (Schulter) und Dauerläufer Grischa Prömel (Knöchelbruch). Von den letzten neun Bundesligaspielen wurde nur die Partie gegen Schlusslicht Schalke gewonnen. Gegen die Spitzenteams aus München, Leipzig und Frankfurt wirkte Hoffenheim überfordert und chancenlos. Tabellenplatz elf ist eine Enttäuschung, die Aufbruchstimmung des Sommers ist längst dahin.

Was sind die Stärken?

Fußballerisch hatte sich vor allem zu Beginn der Hinrunde wieder deutlich mehr Attraktivität im Spiel entwickelt. Die Kraichgauer waren statistisch eines der laufstärksten Teams der Bundesliga, mit dem Spitzenreiter Grischa Prömel: Der "Marathonmann", von Union Berlin gekommen, spulte vor seiner Verletzung die meisten Kilometer aller Bundesligaspieler ab, wurde neben Innenverteidiger Ozan Kabak (aus Schalke) zur Top-Verstärkung. Der langfristige Ausfall des Mittelfeld-Antreibers schmerzt und ist kaum zu kompensieren.

Erst Leistungsträger, dann verletzt: Grischa Prömel (Foto: IMAGO, Imago/foto2press)
Erst Leistungsträger, dann verletzt: Grischa Prömel Imago/foto2press

Trotz des Verkaufs von Nationalverteidiger David Raum zeigte Hoffenheim, auch dank des Raum-Ersatzes Angelino, weiter über die Flügel Offensivstärke. Die TSG erzielte von allen Bundesligateams die meisten Treffer nach Flanken (sieben Tore).

Nach 60 Gegentreffern in der vergangenen Saison hatten sich die Hoffenheimer in der Defensive zunächst stabilisiert. Keeper Oliver Baumann spielte gewohnt souverän und vor allem der kopfball- und zweikampfstarke Kabak wurde in der Innenverteidigung zum Glückstreffer auf dem Transfermarkt. Erst in den Wochen vor der WM-Pause sorgten vor allem individuelle Fehler für unnötige Gegentore und Niederlagen. Allein in den letzten drei Spielen gegen Leipzig, Frankfurt und Wolfsburg musste Torhüter Baumann neun Mal hinter sich greifen.

Was sind die Schwächen?

Die TSG Hoffenheim spielt gefällig, schießt aber zu wenig Tore, ist in der Offensive nicht effizient genug. Bestes Beispiel Wolfsburg: Aus 22:6-Torschüssen resultierte eine bittere 1:2-Niederlage. Topstar Andrej Kramaric (nur drei Saisontreffer) ist wie schon in der vergangenen Saison nicht mehr der herausragende Torjäger früherer Jahre, geht im Hochgeschwindigkeitsfußball der Bundesliga mehr und mehr unter.

Dazu kommt, dass die TSG vor allem außerhalb des Strafraums meist harmlos agierte wie ein Schmusekätzchen. Nach fast einem Jahr ohne Treffer aus der Distanz gelang erst Kabak letzte Woche in Frankfurt wieder ein Treffer außerhalb des Sechzehners.

Wie ist das Fazit?

Einem starken Start folgte ein noch stärkerer Abwärtstrend. Wenn man ehrlich ist muss man konstatieren, dass die TSG Hoffenheim genau da steht, wo sie schon Ende letzter Saison stand: im grauen Mittelmaß. Der neue Trainer Breitenreiter sorgte mit seiner kommunikativen Art zunächst für sympathische Aufbruchstimmung, nahm mit seiner Nahbarkeit auch die Fans wieder mit. Der 49-jährige Niedersachse musste dann aber schnell erkennen, dass die TSG in der aktuellen Besetzung (noch) keine Chance gegen die Topteams der Bundesliga hat.

TSG-Hoffenheim-Torwart Oliver Baumann ärgert sich über die Gegentreffer bei Eintracht Frankfurt. (Foto: IMAGO, IMAGO/Eibner-Pressefoto / Michael Berm)
TSG-Hoffenheim-Torwart Oliver Baumann ärgert sich über die Gegentreffer bei Eintracht Frankfurt. IMAGO/Eibner-Pressefoto / Michael Berm

Die TSG besaß mit Baumann, Kabak, Prömel, auch Baumgartner und phasenweise Dabbur, zu wenige stabile Leistungsträger. Viele junge Spieler (Nsoki, Quaresma, Damar, Becker, Bischof, auch Rutter) sind hochtalentiert, aber noch in der Entwicklung. Einige Erfahrene (Kramaric, Rudy, Vogt, Kaderabek) wirkten zuletzt, auch aus Verletzungsgründen, über ihrem leistungsmäßigen Zenit.

Auch wenn Trainer Breitenreiter ab Januar "das Feld von hinten aufrollen" möchte: Inzwischen ist die TSG nur noch vier Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Diese Gefahr sollte man nicht unterschätzen.

An welchen Stellschrauben muss gedreht werden?

Die TSG Hoffenheim muss sich in allen Bereichen des Spielfelds verbessern, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Weil das Verletzungspech im Kraichgau brutal wütete (neben Dabbur und Prömel auch die Langzeit-Ausfälle Hübner und Bebou), könnte und sollte auf dem Winter-Transfermarkt die eine oder andere Verstärkung ins Auge gefasst werden. Vor allem durch die Ausfälle von Dabbur (Torgefährlichkeit) und Bebou (Schnelligkeit) litt die Durchschlagskraft im Angriff, fehlt in der Offensive der Konkurrenzkampf.

Wollen die Kraichgauer doch noch die europäischen Plätze ins Auge fassen, müsste auch ein lauf- und spielstarker Ersatz für Grischa Prömel (fällt mindestens bis März aus) in der Kaderplanung diskutiert werden.

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Kersten Eichhorn

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