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Paukenschlag in der Bundesliga: Alfred Schreuder ist nicht länger Trainer der TSG 1899 Hoffenheim. Der Vertrag sei mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden, teilte der Verein am Dienstagmorgen mit.

Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim hat überraschend die Zusammenarbeit mit Trainer Alfred Schreuder beendet. Wie der Bundesligist über seine Vereins-Kanäle bekannt gab, einigte sich die TSG Hoffenheim mit dem 47 Jahre alten Niederländer auf die sofortige Auflösung seines noch bis zum 30. Juni 2022 laufenden Vertrages. Alfred Schreuder war erst vor Beginn der aktuellen Saison vom niederländischen Top-Club Ajax Amsterdam nach Hoffenheim gekommen – als Nachfolger von Julian Nagelsmann. Gemeinsam mit Alfred Schreuder, so die Verkündung der TSG, wird auch sein Bruder und Co-Trainer Dick Schreuder (48) den Klub verlassen.

"Differenzen über die Ausrichtung des Klubs"

Als Grund für die Trennung gaben die Hoffenheimer "Differenzen über die Ausrichtung des Klubs sowie den weiteren gemeinsamen Weg" an. Gerade in der Corona-Krise, in der es um die anspruchsvolle Planung der Zukunft ging, hätten sich die Differenzen abgezeichnet. "In wichtigen Detailfragen waren wir unterschiedlicher Auffassung, so dass eine Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus keinen Sinn mehr macht", sagt Alexander Rosen, TSG-Direktor Profifußball, in der Vereinsmitteilung.

Unter diesen Voraussetzungen sei es dem Klub wichtig, "eine klare Linie zu demonstrieren und der getroffenen Entscheidung schon jetzt konsequent die logischen Schritte" folgen zu lassen. "Wir danken Alfred für die geleistete Arbeit und die nun gefundene einvernehmliche Lösung", sagt TSG-Geschäftsführer Frank Briel. Und ergänzt: "Mit Blick auf die aktuelle sportliche Ausgangslage halten wir es aber für wichtig, umgehend zu handeln und für klare Verhältnisse zu sorgen." Die Trennung, betonte Sportchef Rosen, sei einvernehmlich erfolgt. "Wir sind mit einem Handschlag und einer Umarmung auseinandergegangen", sagte er.

Schreuder: "Bedauere diese Entwicklung"

"Dass die Aufgabe in Hoffenheim eine große Herausforderung werden würde, war mir von Anfang an bewusst. Die Arbeit hat mich mit großer Freude erfüllt. Ich danke dem Klub, dass er mir die Chance gegeben hat, in der Fußball-Bundesliga zu arbeiten", bilanziert Alfred Schreuder seine Zeit bei der TSG. "Leider konnten wir uns nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen, wie wir die TSG in die Zukunft führen möchten. Ich bedauere diese Entwicklung. Dass man unterschiedliche Meinungen hat, ist im Berufsleben aber nun einmal nicht ungewöhnlich. Man muss dann ehrlich miteinander sein und die entsprechenden Konsequenzen ziehen", ergänzt der scheidende Trainer.

Teamlösung für die Trainerbank - Rosen als starker Mann

Vier Spieltage vor Saisonende hat Hoffenheim auf Rang sieben noch gute Chancen auf das Erreichen des Europapokals. Für den Rest der laufenden Saison verteilt der Klub die sportliche Verantwortung auf mehrere Schultern. Sportchef Alexander Rosen wird vorerst der neue starke Mann auf der Bank bei der TSG 1899 Hoffenheim. "Ich werde extrem nah dabei sein und die ganze Sache steuern", sagte der 41-Jährige am Dienstag nach der überraschenden Trennung von Trainer Alfred Schreuder. "Aber nicht im Trainingsanzug und nicht in Fußballschuhen."

Rosen verfügt über die Trainer-A-Lizenz, ihm stehen in den restlichen vier Spielen der Kraichgauer in der Fußball-Bundesliga gleich fünf Personen dabei zur Seite: Der bisherige Schreuder-Assistent Matthias Kaltenbach, Torwarttrainer Michael Rechner, Videoanalyst Timo Gross sowie Marcel Rapp und Ex-Profi Kai Herdling aus der clubeigenen Akademie. Für die neue Spielzeit sei aber "grundsätzlich davon auszugehen, dass wir eine externe Lösung erwarten können".

Fußball | Bildergalerie TSG Hoffenheim: Zehn Trainer in zwölf Jahren Bundesliga

Ralf Rangnick war zwischen 2006 und 2010 Trainer der TSG Hoffenheim und führte den Verein von der Regionalliga in die Bundesliga. (Foto: Imago, imago)
Ralf Rangnick war zwischen 2006 und 2010 Trainer der TSG Hoffenheim und führte den Verein von der Regionalliga in die Bundesliga. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Marco Pezzaiuoli wurde 2011 nach nur einem halben Jahr Amtszeit entlassen. Mittlerweile ist der gebürtige Mannheimer Technischer Direktor bei Eintracht Frankfurt. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Holger Stanislawski blieb bis Februar 2012 ebenfalls nur ein knappes halbes Jahr auf der Hoffenheim-Bank. Zuletzt war die St. Pauli-Legende als TV-Experte für das ZDF im Einsatz. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Markus Babbel blieb 11 Monate bei der TSG Hoffenheim. Seine letzte Station als Trainer waren die Western Sydney Wanderers, bei denen er Anfang 2020 entlassen wurde. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Frank Kramer übernahm im Winter 2012 interimsmäßig für zwei Spiele, die sein Team beide verlor. Aktuell ist der gebürtige Memminger Trainer der U19 von RB Salzburg. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Marco Kurz wurde 2013 nach nur drei Monaten bei der TSG entlassen. Wie Markus Babbel suchte der 51-Jährige zuletzt sein Glück in Australien, wo er bei den Melbourne Victorys zu Beginn des Jahres 2020 freigestellt wurde. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Markus Gisdol war der vierte Trainer in der chaotischen Spielzeit 2012/2013 und schaffte über die Relegation noch den Klassenerhalt. Insgesamt war er zweieinhalb Jahre Coach der Kraichgauer. Mittlerweile steht der gebürtige Geislinger beim 1.FC Köln an der Seitenlinie. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Huub Stevens übernahm im Oktober 2015 das Amt von Markus Gisdol interimsmäßig für zehn Partien. Der Knurrer von Kerkrade sitzt aktuell im Aufsichtsrat seines Herzensklubs Schalke 04. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Julian Nagelsmann wurde mit nur 28 Jahren jüngster Trainer der Bundesliga-Geschichte bei der TSG Hoffenheim. 2018 führte er die Kraichgauer zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Champions League, bevor er im Sommer 2019 zu seinem derzeitigen Arbeitgeber RB Leipzig wechselte. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Alfred Schreuder übernahm zur Saison 2019/2020 das Amt bei der TSG Hoffenheim. Am 09.06.2020 wurde der Niederländer von der Vereinsführung freigestellt. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Für den Rest der laufenden Saison verteilt der Klub die sportliche Verantwortung auf mehrere Schultern. Das aktuelle Trainerteam um Matthias Kaltenbach, Michael Rechner und Timo Gross wird um den Fußballlehrer Marcel Rapp (Foto) sowie den ehemaligen TSG-Profi Kai Herdling aus der klubeigenen Akademie erweitert. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen

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