Trainer André Breitenreiter mit einer Ansage an sein Team (Foto: IMAGO, TSG 1899 Hoffenheim)

Fußball | Bundesliga

Teamcheck: Hoffenheimer Hoffnungen - endlich angreifen

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Ann-Kathrin Rose

Die TSG Hoffenheim ist vor der Winterpause hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Mit einem vielversprechenden Neuzugang in der Offensive und präziser Fehleranalyse soll sich das ändern.

So lief es vor der Winterpause

Als die TSG Hoffenheim im Sommer in die Saison startete, herrschte Aufbruchstimmung im Kraichgau, beinahe Euphorie. Unter Coach Sebastian Hoeneß hatte das Team im Endspurt der vergangenen Saison das internationale Geschäft verspielt, mit André Breitenreiter sollte es sportlich zurück in die Spur finden. Dafür kommunizierte der neue Coach viel, suchte den Austausch mit Spielern und Fans, formulierte gar den Wunsch, dass seine Mannschaft das Hoffenheimer Stadion mal wieder füllen könnte – unabhängig von attraktiven Gegnern.

Doch von jener anfänglichen Euphorie ist ein paar Monate später, zumindest beim Blick auf die Tabelle, kaum etwas geblieben. Hatten es die Hoffenheimer zwischenzeitlich sogar auf Rang vier geschafft, grüßen sie nun von Platz elf. In den letzten fünf Spielen vor der WM- und Winterpause holten sie gerade einmal einen Punkt. Nur vier Zähler trennen das schwächelnde Team von Relegationsrang 16. Die Gründe? Den Ausfall von Leistungsträgern wie Grischa Prömel (Knöchelbruch), Munas Dabbur (Schultereckgelenkssprengung) oder Ihlas Bebou (Knieverletzung) konnte die Mannschaft nur schwer kompensieren.

Zudem leistete sich die TSG zuletzt zu viele Fehler im Spielaufbau, ließ Präzision im Passspiel und im Torabschluss vermissen und kassierte zudem zu viele Gegentore. Allein in jenen fünf Spielen vor der Winterpause, die die Hoffenheimer nicht gewinnen konnten, waren es zwölf. Breitenreiter hat diese Anfälligkeit im Trainingslager an der Algarve zu einem der zentralen Themen gemacht. "Das soll auch nicht zu negativ klingen, wenn ich Sachen anspreche. Aber es nervt uns am Ende alle, wenn wir durch leichte Ballverluste Gegentreffer bekommen", so der Coach. Ob die Hoffenheimer das "nervige" Problem in den Griff bekommen, dürfte sich schon beim ersten Spiel nach der Winterpause zeigen: Dann ist die TSG bei Union Berlin zu Gast.

Wer kommt, wer geht

Die Hoffnungen der Hoffenheimer ruhen in der Abteilung Offensive auf Kasper Dolberg. Der klassische Neuner, der wegen seiner fußballerischen Klasse einst gar mit Robert Lewandowski oder den zu seinen besten Zeiten auch auf dem Platz noch schillernden Zlatan Ibrahimovic vergleichen wurde, kam in der Winterpause vom OGC Nizza in den Kraichgau und sorgt im Angriff prompt für eine Konkurrenzsituation. Das gefällt nicht nur Trainer Breitenreiter, auch den Kampf um die Startelf dürfte der 25-Jährige zusätzlich anheizen. Der dänische Nationalspieler ist rund zwei Wochen vor dem Start der einzige Neuzugang.

Durch den Wechsel von Georgino Rutter zum Premier-League-Club Leeds United haben die Hoffenheimern eine Rekord-Ablösesumme erzielt, die den Verein auf dem Transfermarkt bereits in diesem Winter auf ein neues finanzielles Level gehoben hat. Der Abgang des 20 Jahre alten Angreifers spült bis zu 40 Millionen Euro in die TSG-Kassen.

Fehlen wird den Hoffenheimern auch Benjamin Hübner. Der einstige Kapitän musste nach einer Vielzahl hartnäckiger Verletzungen seine Karriere beenden, soll künftig aber fernab des Platzes eingebunden werden. Keeper Oliver Baumann wird künftig die Kapitänsbinde tragen, neben Andrej Kramaric ist nun auch Christoph Baumgartner sein Stellvertreter.

Der Trainer: mit Emotion und Empathie

"Direkt Stimmung reinbringen", hatte André Breitenreiter bei seiner ersten Trainingseinheit  bei der TSG im vergangenen Sommer gerufen – und damit signalisiert, dass sich etwas verändern sollte in Hoffenheim. Nahbar sollten seine Spieler sein, mit einem offenen Ohr für die Wünsche der Fans, auch mal im Austausch über die nächste Auswärtsfahrt. Breitenreiter strahlte Begeisterung aus, bemühte sich um Leichtigkeit. Etwas mehr als ein halbes Jahr später ist der Coach noch immer Kommunikator, setzt auf das Teamgefüge, die Leichtigkeit der Themen aber ist verschwunden.

Dafür sind die Hoffenheimer mit Rang elf und all jenen fußballerischen Baustellen aktuell zu weit vom eigenen Anspruch und dem der Fans entfernt. Für Breitenreiter sind etwa die angesprochenen Ballverluste nicht etwa eine Frage der Qualität, sondern der Konzentration. "An den kleinen Dingen müssen wir arbeiten und dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir eine richtig gute Rückrunde haben werden", sagt der Coach.

Der Ausblick: Zweckoptimismus oder begründete Zuversicht?

Ob die Zuversicht von Trainer Breitenreiter reiner Zweckoptimismus ist oder sich aus den Erkenntnissen der vergangenen Wochen speist, werden die anstehenden Partien mit dem Auftakt gegen Union Berlin zeigen. Bereits Ende Februar dürfte dann klar sein, ob die TSG Hoffenheim das Mittelfeld der Tabelle absichern muss oder gar noch einmal angreifen kann, im Kampf um die europäischen Plätze.

Neuzugang Kasper Dolberg kennt die nur zu gut, er stand 2017 mit Ajax Amsterdam gar im Finale der Europa League. Damals verlor der junge Däne – von dem besonderen Erlebnis eines internationalen Endspiels aber könnte er den Kollegen dennoch erzählen. Und Trainer Breitenreiter hat bereits angekündigt, dass er mit dem Team das Feld jetzt "von hinten aufrollen" will. Es bleibt auch hier die Frage: Zweckoptimismus oder begründete Zuversicht?  

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Ann-Kathrin Rose

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