Angelo Stiller im weißen Hoffenheim-Trikot zeigt den Weg. (Foto: imago images, IMAGO / Sven Simon)

Fußball | Bundesliga

Youngster Stiller: vom Bayern-Talent zur TSG-Stammkraft

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Angelo Stiller hat für den Traum von der Bundesliga eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen. Er ist von Bayern München zur TSG Hoffenheim gewechselt und das vor allem wegen eines Mannes.

Flutlichtspiel in Riga, die Temperaturen in Lettland aber sind auch an diesem Abend im September noch mild. Im zweiten Gruppenspiel der EM-Qualifikation ist die deutsche U21 zu Gast. Nach 41 Minuten legt der Stuttgarter Roberto Massimo den Ball am Strafraumeck quer. Angelo Stiller nimmt den Ball nicht an, sondern mit und schließt direkt ab. Platziert, trocken und flach ins rechte Eck. Der Neuzugang der Hoffenheimer bejubelt seinen ersten Treffer für die U21. Für Stiller ein prägender Treffer, und einer, der ohne den Wechsel nach Hoffenheim vielleicht gar nicht gefallen wäre.

Rihards Ozolins (l) aus Lettland kommt vor Angelo Stiller aus Deutschland an den Ball. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Oksana Dzadan)
Rihards Ozolins (l) aus Lettland kommt vor Angelo Stiller aus Deutschland an den Ball. picture alliance/dpa | Oksana Dzadan

Schon wenige Tage zuvor hatte der 20-Jährige gegen San Marino sein Debüt in der Auswahl von Trainer Stefan Kuntz gefeiert. Dafür gab es dann auch Lob vom Coach seines Clubs. "Bei der U21 war er eine relativ zentrale Figur, war viel involviert in das Spiel mit Ball und hat viel gecoacht", lobte Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß.

Der feine linke Fuß

Bei der TSG hatte Stiller wenige Wochen zuvor ein anderes Debüt gefeiert, das in der Bundesliga. Er schaffte es unter Hoeneß auf Anhieb in die Startformation. "Er ist in der Lage, schnell zu adaptieren, hat in den ersten Einheiten noch ein bisschen gebraucht, sich dann aber recht schnell an das Tempo gewöhnt", sagte Hoeneß.

Nicht nur der Trainer, sondern auch Alexander Rosen, Direktor Profifußball in Hoffenheim, ist vom neuen Mann überzeugt. "Angelo ist gewiss eines der spannendsten deutschen Talente im zentralen Mittelfeld und hat beim FC Bayern trotz der extrem hohen Konkurrenz bereits Profi-Erfahrung sammeln können. Er hat einen sehr feinen linken Fuß, agiert geschickt und konsequent im Zweikampf und verfügt über eine hohe Spielintelligenz", sagte er in einer Mitteilung des Clubs.

"Fleißig und professionell"

Stillers schneller Weg von der 3. in die Bundesliga - für Trainer Hoeneß kein Problem, er glaubt, der Neuzugang ist gefestigt. "Es ging schnell bei ihm. Wir müssen ihm Zeit geben, aber auch da mache ich mir keine Sorgen. Er ist klar in der Birne, sehr fleißig und professionell." Profi sein - das hat der 20-Jährige bei den Bayern gelernt.

Dabei hatte Stiller zunächst gezögert, wechselte dann aber doch vom Stadtteilclub TSV Milbertshofen zum FC Bayern. "Diese Chance kommt vielleicht nur einmal, die sollte man nutzen", verriet er später dem "kicker". Stiller nutzte sie, durchlief fast die komplette Jugend des Topclubs und traf dabei immer wieder auf Sebastian Hoeneß. Der heutige TSG-Coach trainierte ihn erst in der A-Jugend und stand dann auch bei der zweiten Mannschaft an der Seitenlinie.

Hoeneß macht den Unterschied

Den Sprung zu den Profis schaffte er dann 2018, konnte sich dort allerdings nicht durchsetzen. Die Bilanz: zwei Einwechselungen in der Champions League und ein weiterer Einsatz im Pokal. Für Stiller standen die Zeichen auf Abschied. Das Angebot der Bayern lehnte er ab, folgte stattdessen Ex-Coach Hoeneß in den Kraichgau.

Thomas Clayton (Liverpool FC, l.) gegen Angelo Stiller (Bayern Muenchen, r.). Beim Mercedes-Benz JuniorCup 2019. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / GES/Marvin Ibo)
Thomas Clayton (Liverpool FC, l.) gegen Angelo Stiller (Bayern Muenchen, r.). Beim Mercedes-Benz JuniorCup 2019. picture alliance / GES/Marvin Ibo

"Er war ein wichtiger Grund für den Wechsel. Wenn einer deine Stärken kennt, dann ist das schon leichter", sagte Stiller der "Heilbronner Stimme". Das Münchner Eigengewächs wechselt zur TSG - ablösefrei und das bei einem Marktwert von inzwischen 2,5 Millionen Euro.

Schnelle Stammkraft

Fest steht: Der talentierte Mittelfeldakteur hat sich in nur drei Spieltagen zu einer Stammkraft bei der TSG entwickelt, hat U21-Coach Kuntz auf sich aufmerksam gemacht und verfügt über Potenzial für mehr. Bundestrainer Hansi Flick, der gerade ein neues Team aufbaut, kennt ihn ja schon. Und vielleicht gibt es für Angelo Stiller dann irgendwann wieder ein Flutlichtspiel im DFB-Trikot. Dann aber nicht mehr für die U21.

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