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Das Transferfenster in der Fußball-Bundesliga ist seit Montagabend geschlossen. Einer der großen Gewinner auf dem Spielermarkt ist die TSG Hoffenheim mit ihrem Kaderplaner Alexander Rosen.

Alexander Rosen hatte mal wieder das richtige Näschen: "Es könnte sein, dass es vermehrt zu einem Spielertausch in der Bundesliga kommt", prophezeite der Direktor Profifußball der TSG Hoffenheim schon im Frühsommer. Da war die alte Saison noch im Gange und der Spielermarkt von der Corona-Krise und den finanziellen Auswirkungen bereits überschattet.

Rosen sagte damals im Presse-Plausch, unter anderem mit SWR Sport: "Es wird vermehrt zu Leihen kommen." Natürlich würden die Spieler "nicht getauscht wie Waren, sondern immer mit ihrem Einverständnis."

Mit Sessegnon und Rudy zwei Leihspieler

Gesagt, getan. Nicht nur in Hoffenheim. Steven Zuber wechselte von der TSG zu Eintracht Frankfurt, dafür kam im Tausch Mijat Gacinovic von den Hessen zur TSG. Und im hektischen Endspurt vergangenen Montag setzten Hoffenheim und "Transfer-Fuchs" Alexander Rosen noch zwei spektakuläre Leihgeschäfte drauf: Erst kam das englische Top-Talent Ryan Sessegnon, das von Tottenham Hotspur für zunächst eine Saison in Hoffenheim geparkt wird, Stunden später präsentierte die TSG auch noch Rückkehrer Sebastian Rudy vom FC Schalke.

Rosen hatte schon vor Monaten auf die mögliche Kaufoption des 30-Jährigen verzichtet, arrangierte stattdessen am Montag kurz vor Toresschluss mit den klammen Königsblauen bereits die zweite Saison in Folge ein vor allem für die TSG attraktives Leihgeschäft.

Der Nationalspieler, der noch bis 2022 einen hochdotierten Vertrag auf Schalke besitzt, wollte unbedingt weiter für Hoffenheim spielen und verzichtet dafür, so wird kolportiert, auf einen großen Teil seines Gehalts. Mit Routinier und TSG-Rekordspieler Rudy, der fußballerischen Schaltzentrale im Hoffenheimer System, und dem hochtalentierten Sessegnon konnte Alexander Rosen die langfristigen Ausfälle von Ermin Bicakcic (Kreuzbandriss) und Kostas Stafylidis (Schulter-OP) für wenig Geld im Transfer-Endspurt optimal kompensieren. Gelungene Schachzüge ohne größeren Kostenaufwand.

Noch wichtiger im Transfer-Poker des Kaderplaners Alexander Rosen und sozusagen das i-Tüpfelchen: Hoffenheim darf sich weiter auf die Tore von Andrej Kramaric freuen. Der kroatische Top-Scorer hatte mit seinem jüngsten Super-Lauf (zehn Treffer in den vergangenen vier Bundesligaspielen) das Interesse der finanzstarken Konkurrenz geweckt. Selbst der große FC Bayern München, der sich in der Vergangenheit gerne in Hoffenheim bediente (Süle, Rudy), klopfte die Möglichkeiten eines Transfers des 29-jährigen Stürmers nach München ab.

Im Raum stand eine Ablöseforderung von mindestens 40 Millionen Euro für den Hoffenheimer Bundesliga-Rekordtorjäger. Das war dann wohl selbst den Bayern zu viel, denn auch die Münchner müssen sich in der Corona-Krise inzwischen nach der finanziellen Decke strecken. Alexander Rosen und die TSG widerstanden dem möglichen Lockruf des schnellen Geldes, behielten lieber ihren Vorzeige-Profi. Andrej Kramaric, bis 2022 mit einem Arbeitspapier in Hoffenheim ausgestattet, stürmt weiter im Kraichgau.

Hoffenheim hat keinen Stammspieler verloren

Und das ist gut so, denn das bedeutet: Die TSG Hoffenheim hat in dieser Transfer-Periode - nach der erneuten Leihe von Sebastian Rudy - keinen einzigen Stammspieler verloren. Und die TSG konnte sogar mit Gacinovic und Sessegnon spannende Spielertypen verpflichten. Die Kraichgauer sind mit ihrem Kader, in der abgelaufenen Saison immerhin Bundesliga-Sechster, bestens aufgestellt für die Dreifach-Belastung aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Europa League.

Unterm Strich sind es gelungene personelle Schachzüge von Alexander Rosen, dem Transfer-Fuchs der TSG Hoffenheim, der im vergangenen Sommer mit überragenden Transfer-Einnahmen von mehr als 100 Millionen Euro aufhorchen ließ.

Übrigens: Auch der Branchen-Krösus Bayern München setzt, wie von Rosen vorausgesagt, in diesen Corona-Zeiten auf Leihgeschäfte: Statt Andrej Kramaric spielt jetzt Rückkehrer Douglas Costa an der Isar. Der Brasilianer wurde für eine Saison von Juventus Turin ausgeliehen.

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