Hoffenheims Trainer André Breitenreiter mit Spielern (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Pressebildagentur ULMER | Ulmer)

Fußball | Bundesliga

Teamcheck TSG Hoffenheim: Nach vorne ausgerichtet

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Julius Richter

Nach einer enttäuschenden Saison, die auf Platz neun endete, will die TSG Hoffenheim nicht nur tabellarisch vorne angreifen. Der neue Trainer der Kraichgauer verspricht attraktiven Offensivfußball.

So lief die vergangene Saison: Heftiger Absturz im letzten Saisondrittel

Anfang März war die Fußball-Welt im Kraichgau noch in Ordnung. Die TSG Hoffenheim hatte einen Lauf. Vier Siege in Folge und ein beachtliches Unentschieden zu Hause gegen Bayern München spülten die Hoffenheimer am 26. Spieltag auf Platz vier der Tabelle. Das Team von Trainer Sebastian Hoeneß war mittendrin im Kampf um die Champions-League-Plätze. Im letzten Saisondrittel allerdings stürzte die TSG komplett ab. Nur noch zwei Punkte sprangen in den letzten acht Saisonspielen heraus. Hoffenheim beendete die Saison auf Rang neun, zu wenig für die eigenen Ansprüche.

Die Gründe für den Absturz sind vielfältig. Viele der hochveranlagten Fußballer im Kader der TSG brachten ihr Potential gegen Ende der Saison zu selten auf den Rasen. Die Offensive um Andrej Kramaric, Christoph Baumgartner und Ihlas Bebou fiel mehr durch das Vergeben von Chancen auf als durch Toreschießen. Noch eklatanter war der Leistungsabfall in der Defensive. 60 Tore kassierten die Hoffenheimer insgesamt, nur drei Mannschaften waren schlechter. Auf die Frage, ob die Abwehr eine große Baustelle sei, antwortete TSG-Manager Alexander Rosen am Saisonende vielsagend: "Volltreffer!" Das sei ein klares Kaderanalyse-Thema - "da muss mehr Qualität rein". Auch auf der Trainerposition sah Rosen Handlungsbedarf. Nur wenige Tage nach dem letzten Spieltag wurde Trainer Sebastian Hoeneß entlassen.

Transfers: Kabak für die Defensive, Prömel als Mittelfeld-Leader

Alexander Rosens Reaktion auf die "Baustelle" Defensive heißt Ozan Kabak. Der 22-jährige türkische Nationalspieler hat international bereits reichlich Erfahrungen gesammelt. Kabak spielte zuletzt in der Premier League in England und ist ein alter Bekannter in der Bundesliga. Vor gut dreieinhalb Jahren wechselte er aus seinem Heimatland Türkei zum VfB Stuttgart. Von einem "Supertalent" und "Abwehr-Juwel" war damals die Rede, doch die sehr hohen Erwartungen konnte Kabak nie ganz erfüllen. Über die Stationen Schalke, Liverpool und Norwich ist er nun bei der TSG Hoffenheim gelandet. Kabak ist ein wuchtiger Spielertyp, der für seine resolute Zweikampfführung bekannt ist. Zu den Stärken des 1,87 Meter großen Innenverteidigers gehört das Kopfballspiel. Manager Rosen ist "überzeugt, dass wir in Ozan einen Spieler gefunden haben, der uns sowohl sportlich als auch charakterlich richtig guttun wird."

Neben Kabak ist Grischa Prömel der namhafteste TSG-Neuzugang. Der 27-jährige Mittelfeldspieler kommt aus der Jugend der TSG Hoffenheim. 2014 gewann er unter Trainer Julian Nagelsmann den Meistertitel in der U19-Bundesliga. Eigentlich sollte er damals an die Bundesliga-Mannschaft herangeführt werden, doch es kam anders. Ohne einen Profieinsatz wurde Prömel an den Karlsruher SC abgegeben, wo er nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte. Bei Union Berlin reifte Prömel schließlich zu einem Spieler mit Erstligaformat. Mit den "Eisernen" schaffte er 2019 den Aufstieg in die Bundesliga und qualifizierte sich zwei Mal in Folge für den Europapokal. In der vergangenen Saison erzielte er in 29 Ligaspielen acht Tore. Jetzt soll Prömel bei der TSG den Mittelfeld-Leader geben: "Grischa ist ein Spieler mit herausragenden läuferischen Fähigkeiten und einer enormen Präsenz, der zudem ein großes Spielverständnis besitzt. Er verfügt über ein besonderes taktisches Gespür", so Rosen über den Neuzugang.

Auch bei den Abgängen gibt es zwei große Namen. David Raum wird der TSG Hoffenheim aller Voraussicht nach den Rücken kehren und bei RB Leipzig anheuern. Die Parteien sind sich bereits über einen Wechsel einig, noch fehlen allerdings die Unterschriften. Der 24-jährige deutsche Nationalspieler, der auf der linken Außenbahn zu Hause ist, war eine der Entdeckungen der vergangenen Saison. Sportlich ein herber Verlust für die TSG, finanziell gesehen ein hoher Gewinn. Die Ablösesumme für den damals ablösefrei aus Fürth gekommenen Raum dürfte um die 30 Millionen Euro betragen. Außerdem hat Defensivmann Florian Grillitsch die TSG verlassen. Der österreichische Nationalspieler gehörte fünf Jahre lang zu den Leistungsträgern und spielte mit der TSG in der Champions League. Grillitsch ist zurzeit auf Klubsuche.

Der Trainer: André Breitenreiter will "das Stadion voll bekommen"

"Ich hoffe, dass ich für große Begeisterung und Aufbruchstimmung sorgen kann", sagte André Breitenreiter freudestrahlend bei seiner Vorstellung als neuer Hoffenheim-Trainer. Eine Aussage, die in die Zukunft deutete, die aber implizit auch eine Anspielung war auf die Ernüchterung, die sich gegen Ende der vergangenen Saison rund um die TSG breit gemacht hatte. "Wir wollen die Fans begeistern, wir wollen das Stadion voll bekommen. Die Fans sollen eine Mannschaft sehen, die attraktiv spielt, die sich zerreißt und für den Verein alles gibt. Das hat meine Mannschaften in der Vergangenheit immer ausgezeichnet", so der neue TSG-Coach.

Breitenreiter kommt mit hervorragenden Referenzen in den Kraichgau. In der vergangenen Saison gewann er mit dem Schweizer Erstligisten FC Zürich völlig überraschend die Meisterschaft. In Deutschland sorgte Breitenreiter 2014 als Trainer für Furore, als er mit dem SC Paderborn in die Bundesliga aufstieg. Gleiches gelang ihm drei Jahre später mit Hannover 96. In der Zwischenzeit trainierte er den FC Schalke 04, wo er nach Platz fünf und dem damit verbundenen Verpassen der Champions-League freigestellt wurde.

Der 48-Jährige gilt als empathischer Typ, als einer, der viel mit den Spielern spricht. Breitenreiter sagt, dass es ihm wichtig sei, auch den Menschen "abseits des Platzes" kennenzulernen. Auf dem Platz soll es eine "klare Philosophie" geben, die der grundsätzlichen Ausrichtung des Klubs ähnelt. "Unsere Spielweise wird nach vorne ausgerichtet sein. Wir wollen hoch pressen, wir wollen aggressiv pressen. Wir wollen den Gegner zu Fehlern zwingen. Wir wollen aber auch in Ballbesitz, mit Positionsspiel nach vorne kommen. So schnell es geht, ohne zu viel Risiko einzugehen", so Breitenreiter.

Erwartungen an die Saison: Raus aus dem Mittelmaß

Das eine Ziel hat Trainer André Breitenreiter schon formuliert: Attraktiv spielen und die Fans begeistern. Dass dabei aber auch Zählbares herausspringen sollte, ist dem Trainer bewusst. Das Ziel der TSG Hoffenheim ist ein Europapokal-Platz, also ein Platz unter den ersten Sechs. So hat es Mäzen und Mehrheitseigner Dietmar Hopp im vergangenen Jahr ohne Umschweife formuliert. Die Messlatte liegt also ziemlich hoch.

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Julius Richter

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