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DFL-Boss Christian Seifert hat den "Nichtangriffspakt" von Sinsheim als Zeichen gegen Hetze und Hass im Fußball ausdrücklich gelobt. Der DFB-Kontrollausschuss leitet kommende Woche ein Ermittlungsverfahren ein. Nun hat sich Bayerns Fanszene zu Wort gemeldet. Auch die Polizei Mannheim richtet eine Ermittlungsgruppe ein.

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Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird nach dem Skandalspiel zwischen der TSG Hoffenheim und Bayern München (0:6) Anfang der kommenden Woche ein Ermittlungsverfahren einleiten. Das bestätigte der DFB auf SID-Anfrage. Die Verantwortlichen der Bayern und der Hoffenheimer gehen von einer im Vorfeld abgesprochenen Aktion unter Ultra-Gruppierungen der Liga aus.

Dafür sprechen auch die zeitgleichen Schmähungen gegen Hopp beim Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem SC Freiburg (1:0). Auslöser soll die zuletzt vom DFB ausgesprochene Kollektivstrafe gegen die Dortmunder Fans sein. Die BVB-Anhänger dürfen in den kommenden beiden Spielzeiten wegen ihrer Hopp-Schmähungen in der Vergangenheit nicht ins Sinsheimer Stadion.

Polizei Mannheim richtet Ermittlungsgruppe ein

Auch das Polizeipräsidium Mannheim hat als Reaktion auf die jüngsten Schmähaktionen gegen Dietmar Hopp eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. In dieser sollen die Ermittlungen zu den Vorkommnissen beim TSG-Spiel gegen Bayern München als auch zu Vorkommnissen in der Vergangenheit zusammengeführt werden. "Erfahrene szene- und ortskundige" Beamte sollen diese Gruppe bilden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Zudem würden derzeit die Videoaufzeichnungen aus dem Stadion ausgewertet, "um vermeintliche Täter zu identifizieren". "Den verbalen und nonverbalen Straftätern dürfen wir nicht das Feld überlassen", sagte Mannheims Polizeipräsident Andreas Stenger: "Deswegen gehen wir gezielt gegen Hass auch auf den Stadionrängen vor und nehmen konsequent die Ermittlungen gegen vermeintliche Straftäter auf."

Seifert lobt "Nichtangriffspakt" von Sinsheim

Auch DFL-Chef Christian Seifert hat das Verhalten der Spieler von Hoffenheim und Bayern gelobt: "Alle Beteiligten - Spieler, Schiedsrichterteam und die Verantwortlichen von Bayern München und der TSG Hoffenheim sowie sehr, sehr viele Stadionbesucher - haben in dieser Situation vorbildlich gehandelt und damit ein klares Signal an einige selbsternannte Herrscher über die Fußball-Kultur gesetzt, derartige Entgleisungen nicht mehr zu dulden", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) in einer Stellungnahme.

Fußball | Bundesliga Hoffenheim und Bayern verweigern Fußballspiel wegen Schmähplakat

Die TSG 1899 Hoffenheim hat ihr Heimspiel gegen den FC Bayern München überdeutlich mit 0:6 verloren. Überschattet wurde die Partie von einem weiteren Skandal-Plakat gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp. Die Spieler beider Mannschaften beteiligten sich in den letzten 15 Minuten nicht mehr am Fußballspiel.  mehr...

Beim 6:0-Sieg des FC Bayern in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim hatte es Hass-Transparente gegen 1899-Mäzen Dietmar Hopp gegeben. Das Spiel wurde zwischenzeitlich unterbrochen, die Spieler beider Teams spielten die letzten 13 Minuten nach der Fortsetzung der Begegnung ohne aktiven Fußball runter. Sie spielten sich den Ball gegenseitig zu.

"Die permanenten Anfeindungen gegen Dietmar Hopp sind schon lange nicht mehr hinnehmbar und auf das Schärfste zu verurteilen", sagte Seifert, "wir haben diesbezüglich einen traurigen Höhepunkt erlebt, dafür gibt es keine Entschuldigung." Der DFL-Chef machte auch klar, dass im Fußball solche Hetze nichts zu suchen habe: "Jegliche Art von Hass darf keinen Platz haben, dies muss der Anspruch des gesamten deutschen Profi-Fußballs sein."

Rummenigge spricht von "schwarzem Samstag"

Bayern-Trainer Hansi Flick hofft nach dem Skandal-Spiel bei der TSG 1899 Hoffenheim auf eine Wende in der Debatte um Dietmar Hopp. "Was heute passiert ist - so geht es einfach nicht weiter", sagte Flick bei der Pressekonferenz am Samstag.

Zuvor hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge von einem "schwarzen Samstag" gesprochen und angekündigt, "mit aller Schärfe" gegen jene Anhänger vorgehen zu wollen, die in der Bundesliga-Partie Hoffenheims Mäzen und Mehrheitseigner massiv beleidigt hatten.

Bayerns Fanszene rechtfertigt sich: "Unterbrechung war absurd"

Die Fanszene des FC Bayern München hat sich in einem online veröffentlichten Schreiben für die Vorfälle bei der Partie in Sinsheim gerechtfertigt und keinerlei Einsicht gezeigt. In dem am Samstag auf "suedkurve-muenchen.org" veröffentlichten Text heißt es unter anderem: "Man muss den Wortlaut nicht gut heißen, aber es gab für uns hierzu keine Alternative, da nur so das Thema die nötige Aufmerksamkeit erhält."

"Will man zukünftig immer, wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können. Die Unterbrechung heute war einfach nur überzogen und absurd», hieß es. Der Fußball bleibe "dreckig", die Fans "rebellisch".

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Beierlorzer fordert harte Strafen: "Nie mehr Stadion plus alles, was gerichtlich geht"

Mit deutlichen Worten hat Mainz-Trainer Achim Beierlorzer die Beleidigungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp verurteilt und harte Strafen für die Täter gefordert. "Ich kann gar nicht nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die Plakate schreiben, um andere Menschen, die viel für die Gesellschaft und den Sport machen, zu diffamieren. Das werde ich im Leben nicht verstehen", sagte Beierlorzer am Samstag nach dem 2:0-Sieg der Mainzer gegen den SC Paderborn.

Der 52-Jährige erwartet von den zuständigen Behörden, solche Vorkommnisse scharf zu ahnden. "Man sollte diese Menschen aus dem Block ziehen. Den Block absperren, rein, raus - Ende. Nie mehr Stadion, plus alles, was gerichtlich geht", sagte Beierlorzer.

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