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Seit fünf Wochen ist Sebastian Hoeneß als neuer Trainer der TSG Hoffenheim am Werk. Die Eingewöhnungsphase im Kraichgau läuft bestens. SWR Sport hat mit Sebastian Hoeneß vor dem Saisonstart im Exklusiv-Interview nicht nur über Fußball und Familie gesprochen.

Dieser Name ist einfach viel zu markant. Wenn man sich mit Sebastian Hoeneß zum Interview verabredet, dann kommt man an diesem Familiennamen einfach nicht vorbei: Sebastian, der Sohn von Dieter, der Neffe von Uli Hoeneß. Ein Name mit einer gewaltigen Wucht im Fußball, ein Begriff, eine Erfolgsgeschichte.

Jetzt ist mit Sebastian also der dritte Hoeneß in der Bundesliga angekommen: "Natürlich hat mich insbesondere mein Vater über die Jahre geprägt", gibt der 38-Jährige unumwunden zu. "Seit ich denken kann, bin ich mit dem Fußball verbunden. Als kleiner Steppke saß ich neben ihm, wenn er telefoniert hat, und ich habe aus diesen Gesprächen viel gelernt." Kurzum: "Die Prägung meines Vaters hat sich auch in mir niedergeschlagen."

Natürlich ist auch ein Sebastian Hoeneß irgendwann seinen eigenen Weg gegangen, ohne Vater Dieter, den ehemaligen Torjäger, Nationalspieler und Manager (unter anderem beim VfB Stuttgart), den "Freund und Vertrauten mit dem guten Rat". Aber auch dann, sagt Sebastian, "hat er mich immer eng begleitet. Mein Vater konnte mir mit seinem Erfahrungsschatz immer helfen. Die familiäre Prägung war immer da, und da bin ich auch froh drüber".

Mit der Familie wohnt Hoeneß in Heidelberg

Sebastian Hoeneß ist inzwischen angekommen im Kraichgau, sportlich und privat. Und die Freude darüber strahlt geradezu aus seinen blauen Augen. Denn endlich ist auch die Familie da, seit ein paar Tagen wohnt sie wieder zusammen. Die Zeit des Familienvaters allein im Hotel ist zu Ende, in Heidelberg hat der Trainer mit Frau und Kind eine Wohnung bezogen. "Das ging jetzt doch trotz des überschaubaren Wohnungsmarktes in Heidelberg sehr schnell", erzählt Sebastian Hoeneß gegenüber SWR Sport. "Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir jetzt hier zusammen leben dürfen."

Stadtkind statt Landei

Sebastian Hoeneß ist eher "Stadtkind" als "Landei", wohnt lieber in Heidelberg als in Hoffenheim. Nach seinen langjährigen Stationen in den Großstädten Berlin, Leipzig und München bietet die alte Universitätsstadt am Neckar genau das richtige persönliche Ambiente, bietet von allem etwas: "Die Mischung war für uns sehr wichtig, einerseits die Stadtnähe, anderserseits auch die Nähe zum Trainingszentrum."

Von Heidelberg bis zur TSG-Zentrale in Zuzenhausen sind es gerade mal 25 Kilometer. Hoeneß mag die Rhein-Neckar-Region: "Heidelberg ist eine sehr lebenswerte Stadt. Auch die Region ist bekannt dafür, dass es viele nette Menschen gibt. Das habe ich damals schon erfahren, und deshalb fühle ich mich mit meiner Familie sehr wohl."

Erst Spieler, jetzt Trainer - die Hoffenheim-Rückkehr nach 14 Jahren

Damals, vor 14 Jahren, konnte Sebastian Hoeneß bereits wertvolle Vorerfahrungen im idyllischen Kraichgau sammeln. Er war in der Regionalliga eine Saison als Spieler von Ralf Rangnick bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag.

Vor allem die strukturellen Unterschiede von damals zu heute sind gewaltig: "Es ist einfach größer geworden, damals haben wir noch in Hoffenheim trainiert", erinnert sich der ehemalige Stürmer, "das ist ein riesen Unterschied, die Trainingsbedingungen sind einfach überragend. Damals waren sie schon gut, aber jetzt sind sie top in der Bundesliga." 2016 wurde noch auf dem Dorf im Dietmar-Hopp-Stadion gespielt, jetzt steht in Sinsheim die schmucke Arena am Rande der Autobahn.

Intensiver Anpassungsprozess an die Bundesliga

Und auch die Ansprüche sind gewachsen im Kraichgau. Die TSG Hoffenheim erwartet viel von Sebastian Hoeneß. Vom neuen Trainer, der in der vergangenen Saison noch in der dritten Liga den Talentschuppen des FC Bayern München zum Titel führte, der aber ein Bundesliga-Novize ist.

"Es ist natürlich ein Anpassungsprozeß, aber ich fühle mich wohl dabei", sagt Sebastian Hoeneß und nennt die konkreten Unterschiede zur bisherigen Arbeit: "Der Staff in Hoffenheim ist größer, es gibt mehr Medien-Termine, eine große öffentliche Wahrnehmung. Das spürt man, das bringt aber die Arbeit in der Bundesliga mit sich."

Kontinuierliche Entwicklung als Trainer

Der jüngste Schritt als Trainer von der Dritt- in die Erstklassigkeit war ein großer. Davor hatte er seine Übungsleiter-Karriere kontinuierlich, in kleineren Schritten entwickelt. Jugendtrainer in Berlin-Zehlendorf, Jugendtrainer in Leipzig und München, dritte Liga beim FC Bayern: "Jeder Schritt hat mir da geholfen und hat mich auf seine Art und Weise geprägt, gerade auch die Zeit unter Ralf Rangnick in Leipzig, da ist von überall etwas in mir, das hat mich geprägt und zu dem gemacht, der ich heute bin", so Hoeneß gegenüber SWR Sport.

Als Trainer fühlt er sich vor allem als kommunikativer Typ. Einer, der immer das Gespräch mit seinen Spielern sucht: "Man muss eine Beziehungsebene zu den Spielern haben, muss die Spieler verstehen, auch sie müssen mich verstehen." Sebastian Hoeneß setzt auf die Begegnung auf menschlicher Ebene, "und dabei geht es nicht nur um Fußball, sondern auch um Familie".

Hoeneß und Hoffenheim: "Wir ticken und denken ähnlich über Fußball"

Wichtig war für Sebastian Hoeneß vor der Verpflichtung in Hoffenheim, bestens auf die Bundesliga vorbereitet zu sein: "Dieses Gefühl ist da, dass ich diese Entwicklung durchlaufen habe, und dann kann man diesen Schritt auch gehen."

Zumal Sebastian Hoeneß mit der TSG Hoffenheim einen Klub gefunden hat, der zu seiner Entwicklung als Trainer bestens passt: "Wir haben in den Gesprächen festgestellt, dass wir sehr ähnlich ticken und denken über Fußball. Deshalb gehe ich das jetzt an." Hoffenheim will auch unter Sebastian Hoeneß für Spektakel sorgen. Er selbst steht "für einen mutigen, nach vorne gerichteten Fußball".

Am zweiten Spieltag geht`s gleich gegen die Bayern

Am kommenden Wochenende muss sich Sebastian Hoeneß mit Hoffenheim zum ersten Mal beweisen, im DFB-Pokal beim Chemnitzer FC. Danach geht`s endlich rein in die Bundesliga. Zunächst in Köln, und danach - der Spielplan hat es so gewollt - kommt sein ehemaliger Klub mit Onkel Uli nach Hoffenheim - der FC Bayern München: "Natürlich wird das etwas Besonderes, aber auch das wird ein Spiel sein, dass wir gewinnen möchten." Schließlich, sagt Sebastian Hoeneß, "ist jede Mannschaft schlagbar".

Immer gewinnen wollen, egal gegen wen. Auch Sebastian ist eben ein echter Hoeneß.

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