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Mit Schmähplakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp haben Gladbach-Fans für eine Unterbrechung des Bundesliga-Spiels gesorgt. Trainer Alfred Schreuder überlegte, sein Team vom Feld zu holen. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt.

"Hurensöhne beleidigen einen Hurensohn und werden von Hurensöhnen bestraft", stand in der zweiten Halbzeit der Partie auf einem Plakat der heimischen Ultra-Gruppierung in der Nordkurve. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hatte Borussia Dortmund am Freitag wegen Beleidigungen von Hopp zu einem Fan-Ausschluss bei den kommenden beiden Spielen in Hoffenheim verurteilt. Nachdem Ordner intervenierten, verschwand das Plakat ebenso wie eines mit einem Hopp-Gesicht im Fadenkreuz schnell wieder.

Dauer

Pfiffe gegen die Ultras

Der Großteil der Fans der Borussen hatte seinen Unmut gegenüber den Aktionen der Ultras gezeigt. Zunächst gab es lautstarke Pfiffe im Stadion. Als die Gruppierung ihre Provokationen nicht abstellte und es weitere Stadiondurchsagen gab, riefen viele Fans "Ultras raus!".

Gladbachs Manager Max Eberl und Kapitän Lars Stindl gingen in die Kurve, um auf die Ultras einzureden. Der Stadionsprecher bat mit mehreren Durchsagen um Vernunft, "die Mehrheit der Zuschauer hier will so etwas nicht sehen". Erst gut eineinhalb Stunden zuvor hatten die Fußballfans im Borussia-Park, wie in allen deutschen Stadien, dem rassistischen Attentat in Hanau am vergangenen Mittwoch gedacht.

1899-Coach Schreuder: "Hätte Mannschaft vom Feld geholt"

Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder sagte nach der Partie, er habe erwogen, seine Mannschaft vom Feld zu holen. "Ich habe gesagt: Wenn das Plakat nicht verschwindet, gehen wir heim. Dann können sie die drei Punkte haben." 1899-Sportdirektor Alexander Rosen wies darauf hin, dass es vor dem Spiel eine Schweigeminute für die Opfer des Rassismus von Hanau gegeben habe und fügte hinzu: "Ich möchte auf die 50.000 Menschen, auf die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach und auf den Schiedsrichter pointen, die heute ein klares Zeichen gesetzt haben und nicht auf die 50 Idioten, die ein Plakat hochgehalten haben."

Max Eberl: "Ich schäme mich"

"Wir haben Werte, sind gegen Rassismus und Ausgrenzung - und dann halten 50 Hornochsen ein solches Plakat hoch. Dafür schäme ich mich", wetterte Gladbach-Manager Max Eberl am Sky-Mikrofon. Eine drohende Bestrafung durch das DFB-Sportgericht wolle man akzeptieren.

DFB-Kontrollausschuss ermittelt

Am Sonntag teilte der Deutsche Fußball-Bund mit, dass der DFB-Kontrollausschuss ein Ermittlungsverfahren einleiten wird. Dabei werde Borussia Mönchengladbach zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Erst in der vergangenen Woche hatte das DFB-Sportgericht wegen ähnlicher Aktionen Anhänger von Borussia Dortmund zu einer Auswärtssperre für die Partien des BVB in den kommenden zwei Spielzeiten bei Hoffenheim und zu einer Geldstrafe verurteilt.

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