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Trainer Alfred Schreuder bastelt weiter an einer neuen Mannschaft bei der TSG 1899 Hoffenheim. Personalwechsel gab es auch zum Rückrundenauftakt, die Heimschwäche aber bleibt.

Einige Fans aus der Südkurve bei der TSG 1899 Hoffenheim verließen bereits vor dem Schlusspfiff ziemlich geschafft das Sinsheimer Stadion. Zu hören war an diesem tristen Samstag nicht viel von ihnen, da sie um das Leben eines Zuschauers bangen mussten. Mit der Mannschaft zu feiern hatten sie am Ende auch nichts: Der Rückrunden-Auftakt der Kraichgauer in der Fußball-Bundesliga ging mit dem 1:2 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt daneben. Es war bereits die fünfte Niederlage im zehnten Heimspiel dieser Saison.

Kurz nach dem Anpfiff waren hinter der Gegentribüne Notarztwagen vorgefahren. Ein Mann musste reanimiert werden. Im ansonsten lautesten Block blieb es daraufhin bis auf Szenenapplaus still; meist waren nur die Anfeuerungsrufe der Eintracht-Anhänger zu hören. Dank der schnellen Hilfe der Fans und des Roten Kreuzes habe der Mann stabilisiert werden können, sagte TSG-Sprecher Holger Kliem am Samstagabend. Er befinde sich inzwischen im Krankenhaus. "Wenn ich das höre, dann sieht man einfach, was wichtig ist im Leben", sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter bei der Pressekonferenz, bevor er und sein Kollege Alfred Schreuder zur Tagesordnung übergingen.

Das wiederum fiel dem niederländischen TSG-Coach nicht so leicht angesichts der schwachen Leistung seines Team. Wie schon beim Vorrunden-Abschluss gegen Borussia Dortmund standen die Hoffenheimer im ersten Durchgang neben sich. Damals setzte es am Ende noch einen überglücklichen 2:1-Sieg. Dieses Mal zeigte die Eintracht, wie man mit Power und Geradlinigkeit gewinnt, während sich die Gastgeber nach dem Umbruch im vergangenen Sommer weiter suchen. "In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme, wir waren sehr, sehr schwach mit Ballbesitz, nicht mutig genug, das Tempo hat uns gefehlt", bemängelte Schreuder. "Von der Mentalität kann ich uns keinen Vorwurf machen. Vom Fußballerischen her müssen wir uns verbessern."

Sebastian Rudy blieb gegen die wuchtigen Frankfurter blass

Außenverteidiger Konstantinos Stafylidis erzielte zwar mit einem Fernschuss (48.) das 1:1, nachdem Bas Dost (18.) die Eintracht in Führung gebracht hatte. Der Grieche sah aber beim 1:2 durch Timothy Chandler (62.) schlecht aus, weil ihn der Frankfurter bei seinem Kopfballtreffer locker übersprang. Hinten versuchte Benjamin Hübner, als Nachfolger des zu Werder Bremen abgewanderten Ex-Kapitäns Kevin Vogt, die Abwehr zu organisieren, verlor aber vor dem 0:1 gegen Chandler den Ball. Im Mittelfeld nahm Mijat Gacinovic Florian Grillitsch viel Gestaltungsraum, auch Nationalspieler Sebastian Rudy blieb gegen die wuchtigen Frankfurter blass. Und vorne? Vizeweltmeister Andrej Kramaric war wieder einmal Alleinunterhalter, holte sich oft noch hinten die Bälle. Derzeit macht es vorne keinen großen Unterschied, ob Ihlas Bebou, Sargis Adamyan oder Jürgen Locadia spielen - der Ertrag ist äußerst überschaubar.

Kramaric vermisst als Mitspieler den verletzten Ishak Belfodil. Der israelische Nationalstürmer Munas Dabbur, in der Winterpause für 12 Millionen Euro vom FC Sevilla gekommen, wurde zur zweiten Halbzeit eingewechselt, muss sich aber noch reinfinden. Wenigstens gab Philipp Pentke als Vertreter von Stammkeeper Oliver Baumann (Meniskus-Operation) einen sicheren Bundesliga-Einstand. "Ich habe mich über das Debüt natürlich sehr gefreut. Es ist ein schönes Gefühl, auch mit 34 noch ein Kitzel. Aber es wäre schöner gewesen, wenn wir drei Punkte mitgenommen hätten. So bin ich natürlich betrübt", sagte der Ex-Regensburger.

Nicht einmal Stafylidis konnte sich über sein erstes Tor für die TSG so richtig freuen. Direkt danach hatte er weinend auf dem Rasen gekniet. «Ich habe vor vier Tagen meine Großmutter verloren», erklärte der frühere Augsburger später beim Interview - und die Tränen stiegen ihm wieder in die Augen. Irgendwie ein Tag zum Heulen für die TSG 1899 Hoffenheim.

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